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Cover des Buches 'Florenz und Bagdad'

Belting, Hans

Florenz und Bagdad

Eine westöstliche Geschichte des Blicks

3. Auflage 2009. 319 S.: Mit 109 Abbildungen, davon 45 in Farbe. Gebunden

C.H.BECK ISBN 978-3-406-57092-6

Von Hans Belting

Erschienen: 17.03.2008, sofort lieferbar!

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Der Westen und der Orient – Hans Beltings meisterhafter Kulturvergleich


Wie und was wir sehen, ist in hohem Grade von der Kultur geprägt, in der wir leben. Eine Geschichte des Bildes ist daher unvollständig ohne eine Kulturgeschichte des Blicks. Hans Belting vergleicht in seinem neuen Buch den Blick der westlichen Welt, der im Florenz der Renaissance geboren wurde und völlig neuartige Bilder hervorbrachte, mit dem der islamischen Welt. Innerhalb dieser spielte Bagdad als kulturelles Zentrum auch für die Kunst des Westens eine entscheidende, bisher jedoch kaum bekannte Rolle.
Der perspektivische Blick war eine der aufsehenerregendsten Entdeckungen der Renaissance und bewirkte den größten Einschnitt in der Geschichte der westlichen Kunst. Das perspektivische Bild ist heute allgegenwärtig und wird in die ganze Welt exportiert. Seine Dominanz läßt jedoch vergessen, daß es keineswegs unser natürliches Sehen abbildet. Die islamische Welt kennt einen gänzlich anderen Blick, den ihre Kunst widerspiegelt: einen überpersönlichen Blick, der nicht an einen bestimmten Standpunkt in der Welt gebunden ist. Belting beleuchtet hier auch das Bilderverbot des Islam, denn es tabuisiert schon das bloße Ansehen von Bildern. Aus diesen Voraussetzungen erschließt er die Kunst des Islam, ihre Buchmalerei, ihre Ornamentik und die Rolle der Kalligraphie, auf überraschende und fesselnde Weise neu. Die Erfindung der Perspektive im Westen verdankt sich allerdings einer Entdeckung, die man in der arabischen Welt schon Jahrhunderte vor der Renaissance gemacht hatte: Inmitten einer bilderlosen Kultur entwickelte der Mathematiker Alhazen eine optische Theorie, die die Voraussetzungen für die westliche Perspektivmalerei schuf. Wieso die islamische Kunst aus dieser Entdeckung andere Konsequenzen zog als der Westen, erklärt Belting aus ihren religiösen, kulturellen und wissenschaftlichen Kontexten. Sein Buch bietet einen souveränen Vergleich zwischen der arabischen und der westlichen Kultur, der uns auch die Augen neu öffnet für die Bilder, von denen wir seit Beginn der Neuzeit umgeben sind.

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Einführung: Kulturbeschreibung durch Blickwechsel

I. Die Perspektive als Bildfrage. Wege zwischen Ost und West
1. Was ist eine Symbolische Form?
2. Arabische Mathematik und westliche Kunst
3. Geometrie und Kunstgewerbe: Die Arabeske
4. Die Globalisierung der Perspektive
5. Blickwechsel: Orhan Pamuk und die Perspektive als «Verrat»

II. Das gezähmte Auge. Die Kritik des Sehens im Islam

1. Das Bilderverbot und die Religion
2. Bilder als Verrat am Lebendigen
3. Das Wort Gottes und die Schrift im Koran
4. Unter dem Blick Allahs: Bilder als Erzählung
5. Blickwechsel: Bilder mit dem Leben des Blicks

III. Alhazens Vermessung des Lichts. Die arabische Erfindung der Camera obscura

1. Alhazens Lehrbuch der Optik: «Perspectiva»
2. Die Distanz zur antiken Sehkultur
3. Verkehrswege des Lichts und Merkmale der Dinge
4. Mathematik und Geometrie in der islamischen Kunst
5. Blickwechsel: Keplers wiedererfundene Camera obscura

IV. Wahrnehmung als Erkenntnis. Sehtheorie im Wandel zur Bildtheorie

1. Der Streit um Wahrnehmung und Erkenntnis in der Scholastik
2. Vor der Perspektive: Der Blick in Giottos Malerei
3. Pelacanis Erfindung des mathematischen Raums
4. Ghibertis «Kommentare» und Pieros mathematische Kunst
5. Blickwechsel: Alhazen oder Euklid? Die Option für Vitruv

V. Brunelleschis Vermessung des Blicks. Die mathematische Perspektive und das Schauspiel
1. Zwei Erfinder in Florenz
2. Der Raum: Eine Architektur des Blicks
3. Der Prospekt der Bühne
4. Panoramen in Urbino
5. Blickwechsel: Die Geometrie der Muqarnas

VI. Das Subjekt im Bild. Die Perspektive als Symbolische Form
1. Der Diebstahl eines Emblems: Das Auge als Blick
2. Cusanus und die Blickhoheit Gottes
3. Das Subjekt als neuer Narziss
4. Horizont und Fensterblick
5. Blickwechsel: Die Symbolische Form der Maschrabiyya

Schlussbetrachtung: Der Blick im Kulturvergleich
Schlusswort

Anmerkungen
Literatur 
Bildnachweis
Register
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