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Radke, Gyburg

Die Kindheit des Mythos

Die Erfindung der Literaturgeschichte in der Antike

Von Gyburg Uhlmann

Erschienen: 01.06.2013, sofort lieferbar!

2007. XII, 366 S.: Gebunden

ISBN 978-3-406-56333-1


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Die Erfindung der Literaturgeschichte in der Antike

Die Klassische Philologin und Leibniz-Preisträgerin Gyburg Radke befreit in ihrem wegweisenden Buch die hellenistische Dichtkunst von ihrem Ruf, letztlich nur eine wenig inspirierte Klügelei zu sein, ein matter Abglanz vergangener, wahrer Größe. An die Stelle dieses traditionellen Fehlurteils setzt sie die Entdeckung des revolutionären poetischen Programms einer bedeutenden literarischen Epoche, die prägend für die Moderne geworden ist.
Die Protagonisten sind alle bekannt – unter ihnen finden wir Zeus und Apollon, Herakles und Achill. Doch begegnen uns diese tragenden Gestalten der griechischen Mythologie in den Versen hellenistischer Dichter noch als Kinder. In deren Hymnen und Epen werden sie also in eine Zeit zurückgespiegelt, bevor der Kosmos geordnet und sein Personal so gereift war, wie wir sie aus den Werken Homers, Hesiods und der griechischen Tragiker kennen.
Gyburg Radke weist in eindringenden Analysen anhand zahlreicher Beispiele nach, daß große Literaten des Hellenismus wie Kallimachos, Apollonios von Rhodos oder Theokrit sich mit diesem Kunstgriff von überkommenen Traditionen bewußt befreien. Sie zeigt, wie vorgegebene Kontexte, Konventionen und äußere Regeln zugunsten phantasiegeleiteter schöpferischer Akte außer Kraft gesetzt werden: Die älteren Texte und Inhalte werden als Produkte einer abgeschlossenen Vergangenheit begriffen, zur Literaturgeschichte erklärt und so einer radikal neuen Poetik frei verfügbar gemacht.
Mit diesem Werk hat die Autorin ein neues Kapitel in der Erforschung antiker Dichtung aufgeschlagen und die Ehrenrettung einer zu Unrecht unterschätzten Epoche der Literatur besorgt.

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1 Die Kindheit des Mythos
1.1 Die Renaissance des Mythos
1.2 Die Erfindung der Literaturgeschichte in der Antike
1.3 Die Kindheit des Mythos
1.4 Neue Horizonte für die Klassische Philologie
1.5 Die romantische Moderne der Antike

2 Epochenverunsicherungen
2.1 Droysen und die Metaphysik des Einzelnen
2.2 Literaturgeschichtsschreibung mit Droysen
2.3 Die Ursprünge in der frühen Romantik

3 Gräber tote Dichter
3.1 Einleitung
3.2 Abbreviaturen der Vergangenheit
3.3 Auf der Schwelle zwischen Gestern und Morgen

4 Bausteine einer neuen Literaturgeschichte
4.1 Tradition oder Vergangenheit
4.2 Eine Dichotomie in der antiken Literaturgeschichte
4.3 Intertextualität
4.4 Das Neue und die Einverleibung des Alten

5 Ikonographisches Dichten
5.1 Reflektierte Anschaulichkeit
5.2 Prometheus und die Arbeit am Mythos
5.3 Das Bild Herakles
5.4 Bilder des Alterns
5.5 Bildlichkeit und Literaturgeschichte

6 Poetische Schöpfungsdynamik
6.1 Die hellenistische Dichtung als Epoche
6.2 Der Delos-Hymnus als poetisches Paradigma

7 Vor dem Beginn der Literatur
7.1 Einleitung
7.2 Zeus’ unvollendete Herrschaft
7.3 Der Spielball des Zeus
7.4 Theokrits sympathisches Ungeheuer
7.5 Der kleine Zeus
7.6 Kindlicher Stadtgründer
7.7 Die kleine Artemis und das Nicken des Zeus

8 Das hymnische Projekt
8.1 Prolegomena zu einer neuen Literatur
8.2 Getting involved – Dichter und Herrscher
8.3 Der Skandal: Göttlicher Inzest

9 Auf der Schwelle zum Literarischen
9.1 Kinderhelden
9.2 Der Aitienprolog

10 Epilog: Die Literaturgeschichte entsteht

Anmerkungen

Literaturverzeichnis

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Autorenindex