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Bergdolt, Klaus

Das Gewissen der Medizin

Ärztliche Moral von der Antike bis heute

Das neue Buch des Kölner Medizinhistorikers Klaus Bergdolt zeigt die vielfältige und faszinierende Entwicklung der europäischen Medizinethik von der Antike bis zur Gegenwart. Der Blick in die Vergangenheit, der in der aktuellen Bioethik-Debatte bisher kaum eine Rolle spielt, sensibilisiert nicht nur gegen allzu schnelle Anpassungen an den Zeitgeist, sondern ruft in Erinnerung, daß es für viele medizinethische Fragestellungen keine Lösung ohne gewichtige Gegenargumente geben kann.

Fragen der Medizinethik rücken zunehmend in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Während Philosophen, Theologen, Politiker, Journalisten, Ärzte und Naturwissenschaftler den aktuellen Diskurs in der Bioethik nachhaltig beeinflussen, wurden medizin- und kulturhistorische Argumente bisher kaum berücksichtigt. Zwar war das Ethos der Ärzte und Naturforscher niemals einheitlich, doch lassen sich seit frühester Zeit, ungeachtet aller Diskontinuitäten und Brüche, charakteristische Argumentationsmuster aufzeigen. Auch wird die Brisanz mancher aktueller Probleme wie etwa der gesundheitsökonomischen Wertung von Lebensqualität oder der Diskussion über die Euthanasie in ihrer ganzen Dimension erst im Rückblick verständlich.
Klaus Bergdolt ruft in Erinnerung, daß es für komplizierte medizinethische Fragestellungen kaum Lösungen ohne Widersprüche und legitime Gegenargumente geben kann. Oft genug war die Menschenwürde gerade dann in Gefahr, wenn Forscher, Politiker und wissenschaftlich geprägte Ethiker dem „gesunden Menschenverstand“ folgten. Die Geschichte der medizinischen Ethik mahnt zur Toleranz, aber auch zu Vorsicht und Wachsamkeit.


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Bibliografie

978-3-406-52192-8

377 S., mit 4 Abbildungen

Hardcover (In Leinen)

Sonstiges 29,90 € Kaufen
Inhalt
Vorwort
1. Ethik und Geschichte
2. Statt eines Prologs: Thomas von Aquin und die Kardinaltugenden

Antike und frühes Christentum
3. Griechenland und Rom: Menschenbild und ärztliche Ethik im Alltag
4. Abtreibung, Suizid, Euthanasie – Der Wert des Lebens bei Platon und Aristoteles
5. Unheilbar Kranke und Behinderte im griechischen Alltag
6. Euthanasie und assistierter Suizid im alten Rom
7. Ärztliche Alltagsethik aus hippokratischer Sicht
8. Der Eid des Hippokrates und seine Rezeption
9. Abtreibung in der griechisch-römischen Antike
10. Abreibungsproblematik und ärztliche Ethik in der altjüdischen Tradition
11. Frühchristliche ärztliche Ethik

Mittelalter
12. Klöster und Hospize – die Ethik der Mönchsärzte
13. Universitäten, Prüfungen, Approbationen: Die Institutionalisierung der Medizin
14. Zwischen Ethik und Propaganda: "Leitlinien" mittelalterlicher Ärzte
15. Autonomie und Verantwortung in der mittelalterlichen Medizin
16. Ärztliche Ethik zu Pestzeiten
17. Anatomie, Chirurgie und das Blutige an der Medizin

Zeitlose Fragen
18. Sterbehilfe und Euthanasiegedanke von der Antike bis ins 19. Jahrhundert
19. Abtreibung und Kontrazeption: Theologie gegen Medizin?
20. Abtreibung und Verhütung in der alltäglichen Praxis

Renaissance und frühe Neuzeit
21. Gabriele Zerbis "Opus perutile"
22. Ärztliche Ethik bei Paracelsus und Wilhelm Fabry
23. Der Streit um Lüge und Betrug in der frühneuzeitlichen Medizin
24. Der Arzt als Helfer, der Arzt als Wissenschaftler – Medizinethik im 16. und 17. Jahrhundert
25. Ethik-Traktate und ärztliches Selbstverständnis in der frühen Neuzeit
26. Medizin und Religion im 17. und 18. Jahrhundert
27. Die Herausforderung der Syphilis – Der Arzt als Volksaufklärer

Mündige Ärzte, mündige Bürger? – Das Zeitalter der Aufklärung
28. Der Staat und er Kranke: John Gregory, Thomas Percival und der frühe Utilitarismus
29. Ärztliches Selbstverständnis und Gewissen im 18. Jahrhundert
30. Der Arzt als Diener des Staates und das öffentliche Wohl
31. Antiutilitaristische Strömungen in Deutschland – Hufeland, Goethe und die Medizin der Romantik

Das Jahrhundert der "Vernunft"
32. Vernunftethik im 19. Jahrhundert – England und Amerika
33. Das Arztbild in Deutschland nach 1800
34. Der große Paradigmenwechsel: Die naturwissenschaftliche Medizin
35. Tier- und Menschenversuche im 19. Jahrhundert
36. Ernst Haeckel und sein Kreis

Deutschland auf dem Weg in die Katastrophe
37. Zwischen Positivismus und Verbrechen – Ärztliche Ethik in Deutschland und Europa nach 1920
38. Medizin im Dritten Reich

Nach dem Zweiten Weltkrieg
39. Ärztliche Ethik nach 1945

Nachwort

Anmerkungen
Bibliographie
Bildnachweis
Personenregister

Pressestimmen

Pressestimmen

„(...) wünscht man Bergdolts Blick zurück in die Vergangenheit viele Leser (...).“
Robert Jütte, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1. Oktober 2004



„Der Kölner Augenarzt, Religionswissenschaftler und Medizinhistoriker Klaus Bergdolt zielt auf 378 eng bedruckten Seiten den großen Wurf an. Gestützt auf ein kaum zu bändigendes, nur um den Preis zahlloser Fußnoten zu integrierendes Detailwissen, rapportiert er die Geschichte einer 2500-jährigen Krise. Von Platon bis Peter Singer dauert, Antike, Frühe Neuzeit, Drittes Reich und 21. Jahrhundert verbindet die Janusköpfigkeit der Heilkunst. (...) Was folgt aus Bergdolts klug geordneter, anschaulich präsentierter, flüssig referierter Faktensammlung für das 21. Jahrhundert? Das Paradigma der forschenden Ärzte scheint zu bröckeln. Paternalisierung und Medikalisierung, die Insignien der Obrigkeitsmedizin, sollen abgelöst werden vom mündigen Patienten. Doch die ökonomisch begründete Reform des Gesundheitswesens könnte das Gegenteil bewirken: die Rückkehr des Arztes als Aufsichtsperson.“
Alexander Kissler, Süddeutsche Zeitung, 13. Januar 2005



„Der Historiker Klaus Bergdolt beleuchtet anschaulich und hintergründig das „Gewissen der Medizin“ von Hippokrates bis heute. (...) “Das Gewissen der Medizin“ ist ein verständlich geschriebenes Sachbuch, das dem Leser Informationen auf höchstem wissenschaftlichem Niveau bietet.“
Christian Weymayr, die tageszeitung, 26. Februar 2005



Empfehlungen

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Bibliografische Reihen

Bibliografie

978-3-406-52192-8

377 S., mit 4 Abbildungen

Hardcover (In Leinen)

Hardcover (In Leinen) 29,90 € Kaufen

Bergdolt, Klaus

Das Gewissen der Medizin

Ärztliche Moral von der Antike bis heute

Das neue Buch des Kölner Medizinhistorikers Klaus Bergdolt zeigt die vielfältige und faszinierende Entwicklung der europäischen Medizinethik von der Antike bis zur Gegenwart. Der Blick in die Vergangenheit, der in der aktuellen Bioethik-Debatte bisher kaum eine Rolle spielt, sensibilisiert nicht nur gegen allzu schnelle Anpassungen an den Zeitgeist, sondern ruft in Erinnerung, daß es für viele medizinethische Fragestellungen keine Lösung ohne gewichtige Gegenargumente geben kann.

Fragen der Medizinethik rücken zunehmend in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Während Philosophen, Theologen, Politiker, Journalisten, Ärzte und Naturwissenschaftler den aktuellen Diskurs in der Bioethik nachhaltig beeinflussen, wurden medizin- und kulturhistorische Argumente bisher kaum berücksichtigt. Zwar war das Ethos der Ärzte und Naturforscher niemals einheitlich, doch lassen sich seit frühester Zeit, ungeachtet aller Diskontinuitäten und Brüche, charakteristische Argumentationsmuster aufzeigen. Auch wird die Brisanz mancher aktueller Probleme wie etwa der gesundheitsökonomischen Wertung von Lebensqualität oder der Diskussion über die Euthanasie in ihrer ganzen Dimension erst im Rückblick verständlich.
Klaus Bergdolt ruft in Erinnerung, daß es für komplizierte medizinethische Fragestellungen kaum Lösungen ohne Widersprüche und legitime Gegenargumente geben kann. Oft genug war die Menschenwürde gerade dann in Gefahr, wenn Forscher, Politiker und wissenschaftlich geprägte Ethiker dem „gesunden Menschenverstand“ folgten. Die Geschichte der medizinischen Ethik mahnt zur Toleranz, aber auch zu Vorsicht und Wachsamkeit.

Webcode: https://www.chbeck.de/20947

Inhalt

Vorwort
1. Ethik und Geschichte
2. Statt eines Prologs: Thomas von Aquin und die Kardinaltugenden

Antike und frühes Christentum
3. Griechenland und Rom: Menschenbild und ärztliche Ethik im Alltag
4. Abtreibung, Suizid, Euthanasie – Der Wert des Lebens bei Platon und Aristoteles
5. Unheilbar Kranke und Behinderte im griechischen Alltag
6. Euthanasie und assistierter Suizid im alten Rom
7. Ärztliche Alltagsethik aus hippokratischer Sicht
8. Der Eid des Hippokrates und seine Rezeption
9. Abtreibung in der griechisch-römischen Antike
10. Abreibungsproblematik und ärztliche Ethik in der altjüdischen Tradition
11. Frühchristliche ärztliche Ethik

Mittelalter
12. Klöster und Hospize – die Ethik der Mönchsärzte
13. Universitäten, Prüfungen, Approbationen: Die Institutionalisierung der Medizin
14. Zwischen Ethik und Propaganda: "Leitlinien" mittelalterlicher Ärzte
15. Autonomie und Verantwortung in der mittelalterlichen Medizin
16. Ärztliche Ethik zu Pestzeiten
17. Anatomie, Chirurgie und das Blutige an der Medizin

Zeitlose Fragen
18. Sterbehilfe und Euthanasiegedanke von der Antike bis ins 19. Jahrhundert
19. Abtreibung und Kontrazeption: Theologie gegen Medizin?
20. Abtreibung und Verhütung in der alltäglichen Praxis

Renaissance und frühe Neuzeit
21. Gabriele Zerbis "Opus perutile"
22. Ärztliche Ethik bei Paracelsus und Wilhelm Fabry
23. Der Streit um Lüge und Betrug in der frühneuzeitlichen Medizin
24. Der Arzt als Helfer, der Arzt als Wissenschaftler – Medizinethik im 16. und 17. Jahrhundert
25. Ethik-Traktate und ärztliches Selbstverständnis in der frühen Neuzeit
26. Medizin und Religion im 17. und 18. Jahrhundert
27. Die Herausforderung der Syphilis – Der Arzt als Volksaufklärer

Mündige Ärzte, mündige Bürger? – Das Zeitalter der Aufklärung
28. Der Staat und er Kranke: John Gregory, Thomas Percival und der frühe Utilitarismus
29. Ärztliches Selbstverständnis und Gewissen im 18. Jahrhundert
30. Der Arzt als Diener des Staates und das öffentliche Wohl
31. Antiutilitaristische Strömungen in Deutschland – Hufeland, Goethe und die Medizin der Romantik

Das Jahrhundert der "Vernunft"
32. Vernunftethik im 19. Jahrhundert – England und Amerika
33. Das Arztbild in Deutschland nach 1800
34. Der große Paradigmenwechsel: Die naturwissenschaftliche Medizin
35. Tier- und Menschenversuche im 19. Jahrhundert
36. Ernst Haeckel und sein Kreis

Deutschland auf dem Weg in die Katastrophe
37. Zwischen Positivismus und Verbrechen – Ärztliche Ethik in Deutschland und Europa nach 1920
38. Medizin im Dritten Reich

Nach dem Zweiten Weltkrieg
39. Ärztliche Ethik nach 1945

Nachwort

Anmerkungen
Bibliographie
Bildnachweis
Personenregister

Pressestimmen

„(...) wünscht man Bergdolts Blick zurück in die Vergangenheit viele Leser (...).“
Robert Jütte, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1. Oktober 2004


„Der Kölner Augenarzt, Religionswissenschaftler und Medizinhistoriker Klaus Bergdolt zielt auf 378 eng bedruckten Seiten den großen Wurf an. Gestützt auf ein kaum zu bändigendes, nur um den Preis zahlloser Fußnoten zu integrierendes Detailwissen, rapportiert er die Geschichte einer 2500-jährigen Krise. Von Platon bis Peter Singer dauert, Antike, Frühe Neuzeit, Drittes Reich und 21. Jahrhundert verbindet die Janusköpfigkeit der Heilkunst. (...) Was folgt aus Bergdolts klug geordneter, anschaulich präsentierter, flüssig referierter Faktensammlung für das 21. Jahrhundert? Das Paradigma der forschenden Ärzte scheint zu bröckeln. Paternalisierung und Medikalisierung, die Insignien der Obrigkeitsmedizin, sollen abgelöst werden vom mündigen Patienten. Doch die ökonomisch begründete Reform des Gesundheitswesens könnte das Gegenteil bewirken: die Rückkehr des Arztes als Aufsichtsperson.“
Alexander Kissler, Süddeutsche Zeitung, 13. Januar 2005


„Der Historiker Klaus Bergdolt beleuchtet anschaulich und hintergründig das „Gewissen der Medizin“ von Hippokrates bis heute. (...) “Das Gewissen der Medizin“ ist ein verständlich geschriebenes Sachbuch, das dem Leser Informationen auf höchstem wissenschaftlichem Niveau bietet.“
Christian Weymayr, die tageszeitung, 26. Februar 2005