Frank Bösch: Zeitenwende 1979

Eine faszinierende Reise zu den Quellen der Gegenwart

Sachbuchbestenliste Februar 2019: Rang 1
Die Welt/ WDR 5/Neue Zürcher Zeitung/ORF-Radio Österreich 1

Sachbuchbestenliste Februar 2019: Rang 8
von ZEIT, Deutschlandfunk Kultur und ZDF 

Im Jahr 1979 häuften sich weltweit Krisen, euphorische Aufbrüche und Revolutionen. Die iranische Revolution, Thatchers Neoliberalismus oder die Öffnung Chinas veränderten ebenso die Welt wie die Aufnahme der Boat People, der AKW-Unfall von Harrisburg oder der sowjetische Einmarsch in Afghanistan. Frank Bösch nimmt uns mit auf eine faszinierende Zeitreise zu den Quellen unserer Gegenwart.


1979 gilt als "das Schlüsseldatum des 20. Jahrhunderts" (Peter Sloterdijk) und wird als der "Beginn der multipolaren Welt von heute" (Claus Leggewie) bezeichnet. Die iranische Revolution brachte den fundamentalistischen Islam auf die weltpolitische Agenda, während der sowjetische Einmarsch in Afghanistan auf die Krisenherde des 21. Jahrhunderts vorauswies. Der Papstbesuch in Polen, der von Millionen gefeiert wurde, beschleunigte den Untergang des Sozialismus. Margaret Thatcher verkündete eine neoliberale, die neugegründete grüne Partei eine ökologische Wende. Und die vietnamesischen Boat People konfrontierten die Deutschen erstmals mit weltweiten Flüchtlingsströmen. 
Frank Bösch schildert in seinem brillanten Panorama mit bisher unbekannten Dokumenten, wie diese Ereignisse 1979 aufkamen und welche Folgen sie für Deutschland hatten: politisch, kulturell und - mit Energiespar-Appellen, Nicaragua-Kaffee, Fremdenhass und Willkommenskultur -  auch für unseren Alltag. 


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1979: Überblick

29. Januar: Deng Xiaoping reist als erster führender Politiker der Volksrepublik China in die USA; zahlreiche weitere Westreisen führender chinesischer Politiker unterstreichen die ökonomische Öffnung Chinas.

1. Februar: Khomeini kehrt aus dem Exil nach Teheran zurück. Die Islamische Revolution leitet den Aufbau einer islamischen Republik ein, die den fundamentalistischen Islam weltweit auf die Agenda setzt. Die Proteste und Streiks im Iran sorgen bereits zuvor für einen starken Anstieg der Ölpreise – die «zweite Ölkrise».

17./18. März: Bundesweiter Zusammenschluss der Grünen Listen im Vorfeld der ersten Europawahl in Frankfurt Sindlingen. Ab Oktober ziehen die Grünen in die ersten Landtage ein.

28. März: Der Reaktorunfall im US-amerikanischen Atomkraftwerk «Three Mile Island» nahe der Stadt Harrisburg fördert die Angst vor der Atomkraft.

31. März: 100.000 Menschen demonstrieren in Hannover gegen das geplante Endlager und die Wiederaufbereitungsanlage in Gorleben.

4. Mai: Margaret Thatcher wird Premierministerin Großbritanniens und leitet eine marktliberale Politik ein.

2. – 10. Juni: Papst Johannes Paul II.
besucht sein Heimatland Polen. Die Millionen von Menschen auf den Straßen sind ein Ausgangspunkt für die Formierung breiter Proteste in den folgenden Jahren.

6. Juli: Die Ministerkonferenz der Länder beschließt, 10.000 «Boat People» aufzunehmen; dieses Kontingent wird im Folgenden um das Dreifache erhöht.

19. Juli: Die von den Sandinisten angeführte Revolution in Nicaragua, die von einer weltweiten Solidarität begleitet wird, vertreibt das Somoza-Regime

13. August: Die Cap Anamur beginnt mit der Rettung vietnamesischer «Boat People» in Südost- Asien.

4. November: Geiselnahme in der US-Botschaft in Teheran.

12. Dezember: NATO-Doppelbeschluss zur Nachrüstung; er befördert die Friedensbewegung.

25. Dezember: Einheiten der sowjetischen Armee marschieren in Afghanistan ein, das damit zum globalen Krisenherd wird.

<p>Copyright: Joachim Liebe</p>

Copyright: Joachim Liebe

Der Autor

Frank Bösch ist Professor für Europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts an der Universität Potsdam und Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung (ZZF).

Frank Bösch auf "Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF)" in Potsdam.
Frank Bösch auf "Academia".

Veranstaltungen mit Frank Bösch

Aus heutiger Sicht das Schlüsseldatum des 20. Jahrhunderts.

Peter Sloterdijk

Trailer „ 1979 – Big Bang of the Present“

Die islamische Revolution im Iran unter der Führung Ayatollah Khomeinis, der Polenbesuch von Papst Johannes Paul II., die Öffnung Chinas unter Deng Xiaoping, die neoliberale Wende Großbritanniens unter Margaret Thatcher und der Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan stellen nur ein paar der Schlüsselerlebnisse des Jahres 1979 dar. Ihre Auswirkungen sind 40 Jahre später präsenter denn je: nicht aufhörende Krisen im Nahen Osten und sich ausbreitende Terrornetzwerke, endloser Konflikt in Afghanistan, aber auch der rasante Aufstiegs China zur Weltmacht und das allgegenwärtige Thema des Brexit und der Stellung der EU in der Welt haben ihre Ursprünge im Jahr 1979. Die Auswirkungen der Ereignisse von vor 40 Jahren sind aktuell spürbarer denn je. Ergründen Sie die damals gelegte Basis für die Entwicklungen der Gegenwart!

Unter beratender Mitwirkung von Frank Bösch entsteht momentan die internationale Filmdokumentation “1979 URKNALL DER GEGENWART”: produziert und realisiert von Dirk van den Berg und Pascal Verroust, wird er Film im Herbst 2019 in Deutschland, Frankreich und anderen Ländern zum ersten Mal ausgestrahlt werden.

Die Leseprobe

Einleitung - die Welt im Umbruch

Wir sind es gewohnt, die Zeitgeschichte von 1945 und 1989 her zu denken. Die deutsche Teilung und Vereinigung gelten als maßgebliche Zäsuren. Eine andere Perspektive auf die jüngste Vergangenheit gewinnt man, wenn man sie von den weltweiten Wendepunkten im Jahr 1979 her betrachtet. Denn in diesem Jahr häuften sich globale Ereignisse, die Türen zu unserer Gegenwart aufstießen. In zahlreichen Ländern kam es zu Revolutionen, Umbrüchen und Krisen, die viele Herausforderungen unserer heutigen Welt ankündigten – wie den islamischen Fundamentalismus, globale Flüchtlingsbewegungen, marktliberale Reformen oder auch Energieprobleme. Meist vollzogen sich diese Ereignisse in weiter Ferne, waren aber zugleich eng mit der Geschichte unserer Gegenwart verbunden.

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Leseprobe zum Herunterladen (PDF)

Pressestimmen

"Frank Böschs Buch ist ein wunderbarer Brunnen, aus dem man gar nicht genug schöpfen kann. Es enthält eine Fülle von Erkenntnissen, deren viele auch Kenner der Zeitgeschichte packen werden."
Süddeutsche Zeitung, Franziska Augstein

"Für seine These, dass 1979 eine Zeitenwende war, findet Bösch eindeutige Belege und klare Argumente. Sein Buch bietet eine neue Perspektive und füllt so eine Leerstelle in der deutschen Geschichtswissenschaft und Erinnerungskultur."
Deutschlandfunk Kultur, Moritz Behrendt

"Frank Bösch ist mit ‚1979‘ ein wichtiger Fund gelungen!"
Handelsblatt, Michael Brackmann

"Ein Beispiel für die Wissenschaftsdisziplin jüngste Zeitgeschichte, wie sie besser kaum sein kann."
WELT.de, Sven Felix Kellerhoff

"Bösch trennt die Ereignisse in Kapitel - und fügt sie doch durch oftmals überraschende Bezüge immer wieder zusammen in eine ,große Erzählung‘. So entsteht Globalgeschichte."
Der Tagesspiegel, Frank Herold

"Sehr erhellend. Eine sehr lesenswerte Lektüre."
General Anzeiger, Christel Engeland