Hannah Fry, Hello World

Liebe Leserin, lieber Leser,

mein Name ist Hannah Fry.

Ich bin Mathematikerin und Moderatorin und möchte Ihnen mein Buch «Hello World» vorstellen. Obwohl es von Algorithmen handelt, ist es eigentlich kein Buch über Algorithmen. Es geht um Menschen. Es geht darum, wer wir sind, wohin wir gehen und was wichtig ist für uns – und wie sich das durch Technologie verändert. Ich verspreche keine fertigen Antworten, aber ich hoffe, das Buch wird Ihre Sicht auf die Welt verändern.

Viel Vergnügen bei der Lektüre wünscht Ihnen

Ihre Hannah Fry

Das hier ist kein Buch über Algorithmen. Es geht um Menschen. Es geht darum, wer wir sind, wohin wir gehen und was wichtig ist für uns – und wie sich das durch Technologie verändert. Ich verspreche keine fertigen Antworten, aber ich hoffe, das Buch wird Ihre Sicht auf die Welt verändern.

Die Sachbuch-Bestenliste für Juni 2019, Rang 10
Die Sachbuch-Bestenliste von Deutschlandfunk Kultur, dem ZDF und der ZEIT

Sie sind eines Verbrechens angeklagt. Wer soll über Ihr Schicksal entscheiden? Ein menschlicher Richter oder ein Computer-Algorithmus? Sie sind sich absolut sicher? Sie zögern womöglich? In beiden Fällen sollten Sie das Buch der jungen Mathematikerin und Moderatorin Hannah Fry lesen, das mit erfrischender Direktheit über Algorithmen aufklärt, indem es von Menschen handelt.

Keine Dimension unserer Welt, in der sie nicht längst Einzug gehalten haben: Algorithmen, diese unscheinbaren Folgen von Anweisungen, die im Internet sowieso, aber auch in jedem Computerprogramm tätig sind, prägen in wachsendem, beängstigendem Ausmaß den Alltag von Konsum, Finanzen, Medizin, Polizei, Justiz, Demokratie und sogar Kunst. Sie sortieren die Welt für uns, eröffnen neue Optionen und nehmen uns Entscheidungen ab - schnell, effektiv, gründlich. Aber sie tun das häufig, ohne uns zu fragen, und sie stellen uns vor neue, keineswegs einfach zu lösende Dilemmata. Vor allem aber: Wir neigen dazu, Algorithmen als eine Art Autorität zu betrachten, statt ihre Macht in Frage zu stellen. Das öffnet Menschen, die uns ausbeuten wollen, Tür und Tor. Es verhindert aber auch, dass wir bessere Algorithmen bekommen. Solche, die uns bei Entscheidungen unterstützen, anstatt über uns zu verfügen. Die offenlegen, wie sie zu einer bestimmten Entscheidung gelangen. Demokratische, menschliche Algorithmen. Dafür plädiert dieses Buch-zugänglich, unterhaltsam, hochinformativ.   

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Hannah Fry ist außerordentliche Professorin für Mathematik am University College London und erforscht mithilfe mathematischer Modelle Muster menschlichen Verhaltens im städtischen Raum. Sie hat mit Verwaltungen, Polizei, Gesundheitsexperten und Supermarktketten zusammengearbeitet und an wissenschaftlichen Fernsehdokumentationen und Podcasts mitgewirkt. Die Zahl der Aufrufe ihrer TED-Talks geht in die Millionen. 

<p>Foto: ©<span> Peter Bartlett</span></p>

Foto: © Peter Bartlett

Vom Nutzen und Nachteil der Algorithmen für unser Leben

Hannah Fry im Gespräch

Wann kam Ihnen zum ersten Mal die Idee zu diesem Buch?
Nach der Promotion habe ich darüber geforscht, was in London während der gewalttätigen Ausschreitungen im Jahr 2011 geschah. Das war eine retrospektive Untersuchung, die Unruhen hatten sich bereits ereignet. Wir erhielten Daten von der Polizei und interpretierten sie in der Absicht, zukünftig Vorhersagen darüber zu machen, wo Unruheherde dieser Art entstehen. Ich ging dann nach Berlin für einen Vortrag und war ganz schön unbedarft und naiv. Scherzhaft sagte ich: «Von mir könnt ihr erfahren, wie man Krawalle in Schach hält.» Wenn es eine Stadt in der Welt gibt, in der man aus eigener, historischer Erfahrung weiß, was es heißt, von einem Polizeistaat unterdrückt zu werden, dann ist das aber Berlin. Die haben mich auf der Bühne buchstäblich zerrissen. Für mich war das ein massiver Weckruf. Man kann nicht müßig herumsitzen und an diesen Sachen herumdoktern, ohne die Folgen zu bedenken. 
Und dann merkte ich, dass Regierungen wirklich schlechte Algorithmen für wirklich wichtige Dinge verwenden. Mein erster Gedanke war, dass die Menschen, die die Algorithmen schreiben, nicht mit denen sprechen, die sie dann einsetzen, und dass die Menschen, die die Algorithmen benutzen, wiederum nicht mit jenen sprechen, deren Leben massiv davon beeinflusst wird. Und mein zweiter Gedanke war, dass es wichtig wäre, diese Kluft zwischen den drei Gruppen zu überwinden. 

Welche Erfahrung hat Sie beim Schreiben des Buches am meisten überrascht? 
Ich habe meine Ansichten über viele Dinge geändert, während ich an dem Buch geschrieben habe. Als ich mich etwa mit den Algorithmen beschäftigte, die vorhersagen, ob jemand eine Straftat begeht, war ich zuerst erschrocken über die Vorstellung, dass etwas derart Fehleranfälligem eine solche Macht eingeräumt wird über die Zukunft einer Person. Doch wer sich damit auskennt, weiß, dass Kritik allein hier nicht fair ist, sondern dass man sich auch mit den Alternativen befassen muss. Und da hat mich überrascht, wie schlecht Menschen in diesen Dingen sind; die Urteilsverzerrungen, denen wir unterliegen, sind einfach unglaublich. So muss man sich selbst bei Systemen mit großen Problemen fragen, wie man das beste Ergebnis zustande bringt.
Ich habe jahrelang in der Informationswissenschaft gearbeitet, aber ich habe mir keinen Begriff davon gemacht, welche Mengen an Daten Datenvermittler tatsächlich von uns haben. Da gibt es die Standarddinge wie Name, Alter, Geschlecht, Körpergröße. Aber eben auch Dinge wie die, ob man schon einmal hat abtreiben lassen oder eine Fehlgeburt hatte, oder was die geheimen sexuellen Vorlieben sind. Alles, was wir online machen, wird nicht nur überwacht, sondern diese Informationen werden gebündelt, verkauft und weiterverkauft, um uns zu manipulieren. Cambridge Analytica ist nur die Spitze des Eisbergs. 
Die Pflege unserer Daten ist ein kostbares Gut. Nehmen Sie 23andMe, diesen DNA-Test zur Ahnenforschung. Während man uns mit der Möglichkeit ködert, herauszufinden, ob wir Wikinger oder was auch immer sind, häuft die Fima Datenbestände an, die unvorstellbar wertvoll sind. Sie schaffen es tatsächlich, dass Leute sie auch noch dafür bezahlen, ihre DNA zu dieser Datenbank hinzuzufügen. Genial!

In welcher Hinsicht unterscheidet sich das Buch, das Sie tatsächlich geschrieben haben, von dem, das Sie ursprünglich schreiben wollten? 
Ich nahm an, das würde ein lustiger Ausflug und nach sechs Monaten wäre ich fertig. Es war viel härter, als ich dachte. Die Fragen, die sich stellen, sind wirklich komplex, sie lassen keine einfachen Antworten zu. Um etwas zu schreiben, das zu lesen sich lohnt, musste ich tief eintauchen, sorgfältig recherchieren. Es war mehr Recherchearbeit, als ich für meine Dissertation aufgewendet habe.

Welche Person hat Sie und Ihr Buch besonders beeinflusst?
Hans Rosling, der Mediziner und Statistiker. Man nannte ihn auch den Mick Jagger der TED-Talks. Er verstarb letztes Jahr. Ich finde ihn inspirierend, denn sein Thema war im Wesentlichen Statistik, und das ist nicht gerade etwas, womit die Leute unmittelbar warm werden. Rosling hat verstanden, dass das Publikum bei einem öffentlichen Vortrag an erster Stelle steht. Jeder von uns mag Humor, Witz, ein bisschen Albernheit. Er versetzte sein Publikum in gute Stimmung, indem er es zum Lachen brachte, und dann konfrontierte er es mit der Botschaft, um die es ihm eigentlich ging. Das ist bemerkenswert, und darin ist er mein großes Vorbild. 

Abschließende Frage: Sie haben 50 Wörter, um jemanden davon zu überzeugen, «Hello World» zu lesen. 
Das hier ist kein Buch über Algorithmen. Es geht um Menschen. Es geht darum, wer wir sind, wohin wir gehen und was wichtig ist für uns – und wie sich das durch Technologie verändert. Ich verspreche keine fertigen Antworten, aber ich hoffe, das Buch wird Ihre Sicht auf die Welt verändern.

Stimmen zum Buch

«Eine flott geschriebene, dabei nachdenkliche und außerordentlich ausgewogene Darstellung, was Algorithmen, die zunehmend unser Leben beherrschen, können und was sie nicht können … Dieser wunderbar zugängliche Leitfaden, der leichtfüßig von einer Geschichte zur anderen hüpft, ohne dem Leser die entscheidenden Fragen zu ersparen, verdient einen Platz auf der Bestsellerliste.»
Oliver Moody, The Times

«Mit erfrischender Direktheit erklärt Fry, was Künstliche Intelligenz, selbstlernende und komplizierte Algorithmen wirklich bedeuten, und verbindet das mit einigen prägnanten Gedanken zum Cambridge-Analytica-Skandal, zu fahrerlosen Autos und vielen anderen nervtötenden Phänomenen unserer Zeit … Dieses Buch beweist, warum gute Wissenschaftsautoren so wichtig sind.»
Katy Guest, Guardian

«Hannah Frys meisterhafter und unterhaltsamer Weckruf sollte Pflichtlektüre für alle sein, die gedankenlos unser Schicksal den Algorithmen überantworten.»
David Rowan, WIRED

«Ein populärwissenschaftliches Glanzstück. Hannah Fry ist eine kluge Führerin zu den Leistungen – und zu den Schrecken – unserer zunehmend datengesteuerten Welt.»
Alex Bellos

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