Klaus Brinkbäumer & Stephan Lamby: Im Wahn

Klaus Brinkbäumer ging 2007 als Korrespondent des SPIEGEL nach New York. Von 2015 bis 2018 war er Chefredakteur des SPIEGEL. Er gewann u.a. den Egon-Erwin-Kisch-Preis, den Henri-Nannen-Preis und wurde 2016 Chefredakteur des Jahres. Seit 2018 schreibt er für DIE ZEIT und den Tagesspiegel. Zu seinen Büchern zählen "Der Traum vom Leben - Eine afrikanische Odyssee","Nachruf auf Amerika" und "Das kluge, lustige, gesunde, ungebremste, glückliche, sehr lange Leben" (zusammen mit Samiha Shafy). Er lebt in New York.

Profile: Zeit.de - Twitter - Facebook

Die Autoren

<p style="text-align: center;">(c) Mathieu Mazza</p>

(c) Mathieu Mazza

Stephan Lamby ist Fernsehautor und Produzent und war als freier Journalist in New York tätig. Er hat mit zahlreichen ARD-Dokumentationen das politische Deutschland abgebildet, darunter "Nervöse Republik", "Im Labyrinth der Macht", "Die Notregierung". Er wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Deutschen Fernsehpreis, der Goldmedaille der New York Festivals, der Goldenen Kamera und als Journalist des Jahres 2018. Ein Teil seiner Familie lebt in Amerika.

Profile: Twitter - Facebook

Die Vereinigten Staaten befinden sich mitten in einem neuen Bürgerkrieg, der mit den Waffen der Mediengesellschaft ausgetragen wird - und erleben in der Weltkrise 2020 eine multiple Katastrophe. Klaus Brinkbäumer und Stephan Lamby berichten von den zahlreichen Fronten. Nach vier Jahren einer fatalen Präsidentschaft sind die USA eine wütende, nur noch im Hass vereinte Nation. Die unterschiedlichen politischen Lager haben ihre diplomatischen Beziehungen abgebrochen und stehen sich auf medialen Schlachtfeldern gegenüber. Die Kombattanten sind das Weiße Haus, Fox News, rechte Trolle und ultrakonservative Radiomoderatoren auf der einen, CNN, New York Times, Washington Post und progressive Blogger auf der anderen Seite. Apokalyptische Szenarien, wahnhafte Verdrehungen und permanente Attacken gegen den Feind bestimmen den politischen Alltag.
Die beiden Spitzenjournalisten Klaus Brinkbäumer und Stephan Lamby begannen im Juni 2019 mit ihren Recherchen, als Donald Trump seine Kampagne für die Wiederwahl eröffnete. Sie waren beim Vorwahlkampf der Demokraten dabei und beim Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Trump. Immer wieder recherchierten Brinkbäumer und Lamby im Weißen Haus und trafen die Stars der amerikanischen Medienwelt von heute. Sie spürten zudem auf, wie sich die USA seit Jahrzehnten von ihren eigenen Idealen entfernten, und warum aus der ehemals so angesehenen Nation ein Land wurde, das so viele Feinde hat. Von Januar 2020 an verfolgten sie die Ausbreitung des Corona-Virus in den USA und wurden schließlich Zeugen, wie der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz eine landesweite Protestwelle gegen Rassismus und Polizeigewalt auslöste. Ihr Buch ist eine investigative Kriegsreportage über ein zerfallendes Land, das seinen Kompass und seine Wahrheiten verloren hat.

<p>"Fünf Fragen" an Klaus Brinkbäumer und Stephan Lamby zu "Im Wahn" [Video, Youtube]</p>

"Fünf Fragen" an Klaus Brinkbäumer und Stephan Lamby zu "Im Wahn" [Video, Youtube]

Inhaltsverzeichnis

Prolog

1. Verfeindete Staaten
«Sie sind hinter euch her»
Der ältere Herr Biden
Der Korrespondent
Worte und Taten 
Ursünde 

2. Senderkrieg 
Das Monster nährt sich selbst
The Enemy of the American People
Drei Goldgräber und eine Goldgräberin

3. Parteienkrieg
Ein Telefonat
Gewaltenerosion 

4. Hurensöhne und Einbrecher 
Nixons Tricks 
Die Madman-Strategie
Der Kampfsport Politik 
Dirty Job
«Spiel es hart»

5. Stellvertreterkrieg
Rückkehr der Alphamänner 
Ein aufrechter Republikaner
Patrioten

6. Sweet Tweets 
Boom … Breaking News!
Agendasetting 2020
Die Toreintreter

7. Die Stunde der Amateure
Drohnenschlag 
Echt oder unecht, Hauptsache Rolex 
«Hängt sie auf!»
Winners and losers
Schatten
Es gibt sie doch, die eine Wahrheit 

8. Outbreak
Viele Spitzen vieler Eisberge
Netflix-Politik 
Worum es geht 
Ein Wunder
Wer entscheidet, was stimmt?
Methode Attacke 
Im Weltkrisenzentrum
Der Doktor und die Trump-Show 
Bruderliebe 
Besuch bei «The Donald»
Säuberung
Freiheitskämpfer
Das Netzwerk
Führungskraft 

9. Trauma
Im Weltkrisenzentrum II
…-gate
«Sie waren wir»
«I can’t breathe»
Das Schlachtfeld 
Kollaborateure

10. Duell 
Aufmacher 
Lähmungszustände

11. Wenn Demokratien sterben
Unabhängigkeitstag 
Eheprobleme 
Buddha, Gandhi, Obama, Trump
Der atlantische Graben 
Genuin katastrophal 

12. Epilog 
Dank
Register
Bibliographie
Editorische Notiz

Leseprobe

Prolog

Es erklang glockenklar, kein Misston in der Nähe, nur die lauschende Stille: das Geständnis aus dem Zentrum der Macht. «Wir machen das ständig», sagte Mick Mulvaney. Der Stabschef im Weißen Haus des Präsidenten Donald Trump erklärte am 17. Oktober 2019 explizit und auf mehrfache Nachfrage, dass Trumps Regierung fast 400 Millionen Dollar zurückgehalten habe, damit die ukrainische Regierung Ermittlungen gegen Joe Biden, Trumps politischen Gegner, aufnehme.
«Ja», sagte er erneut auf die Frage, ob diese Darstellung stimme. Und: «Get over it», kriegt euch wieder ein.
Es war deshalb ein Geständnis, weil genau diese Verknüpfung einer Gegenleistung mit den Dollar-Millionen, «quid pro quo» genannt, entscheidend war. Darum drehten sich die Ermittlungen für das Amtsenthebungsverfahren gegen Trump. Und deshalb war das Geständnis des Stabschefs eine Katastrophe für die Regierung der Vereinigten Staaten. Kurzfristig. In Washington, D.C., wurde darüber spekuliert, ob dieser Moment das Ende des Spektakels namens «Trump-Präsidentschaft» bedeute.
Doch nein. Wir leben in Zeiten, in denen selbst das, was zweifelsfrei wahr und dokumentiert ist, doch bestritten werden kann. Mitunter wird wenig später so wuchtig wie wortmächtig das glatte Gegenteil dessen behauptet, was wahr und dokumentiert ist – und mit der Zeit wird dann dieses Gegenteil geglaubt und damit zu einer alternativen Wahrheit. Und oft zur übermächtigen und damit zur scheinbar einzig wahren Wahrheit.
In den Tagen danach sagte Mulvaney, er sei absichtlich missverstanden worden. Diese gemeinen Medien! Diese «Fake News»!

weiterlesen

Links

  • ZEIT-Podcast: Ok, Amerika?
    "Klaus Brinkbäumer und Rieke Havertz lieben die USA, obwohl sie manchmal an ihnen verzweifeln. In diesem Podcast sprechen sie über aktuelle Debatten aus den USA und den Wahlkampf. Aber auch über Burger und Basketball, über das Silicon Valley und den Supreme Court, über Drogen und TV. Denn um US-Politik zu verstehen, muss man die Amerikaner verstehen – mit ihren Leidenschaften, Nöten und Eigenarten."
  • phoenix runde: Ok, Amerika?
    Es wird ernst: Zum ersten Mal trifft heute Nacht US-Präsident Donald Trump direkt auf seinen Herausforderer Joe Biden. Der Wahlkampf um das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten geht in die letzte, die entscheidende Phase.
    Anke Plättner diskutiert mit: -Gayle Tufts, Peter Rough, Stephan Lamby und Elmar Theveßen.
  • das! (NDR): Autoren Klaus Brinkbäumer und Stephan Lamby zu Gast
    Moderation: Inka Schneider.
  • DIE ZEIT - Die blaue Hand: Trump im Wahn
    Die Journalisten Klaus Brinkbäumer und Stephan Lamby sprachen über ihr neues USA-Buch Im Wahn. Anthony Scaramucci, für sehr kurze Zeit enger Mitarbeiter von Donald Trump, war live zugeschaltet. Moderation: Ileana Grabitz, ZEIT ONLINE

Längst geht es nicht mehr um Amerika, sondern ausschließlich um den Machterhalt eines Mannes mit einem kruden, aus der Zeit gefallenen und völlig moralbefreiten Weltbild, dem jedes Mittel recht ist. Lüge, Hetze, Machtmissbrauch, Gewalt gegen das eigene Volk, ja sogar Bürgerkrieg – ist nicht mehr undenkbar. Die bittere Erkenntnis von zwei intensiven Beobachtern der Entwicklung.

ttt, Max Moor