Navid Kermani: Morgen ist da

Navid Kermanis Meisterreden, erstmals in einem Band

Navid Kermani hat die öffentliche Rede zu einer Kunst gemacht, über die das Land staunt - nicht nur mit seiner berühmten Rede im Bundestag zum Grundgesetz oder der Dankrede zum Friedenspreis in der Paulskirche. Immer wieder überraschte er seine Zuhörer, klärte sie auf, stieß Debatten an, verstörte oder rührte zu Tränen. Das Buch versammelt Kermanis bedeutendste Reden aus den vergangenen zwanzig Jahren und bringt damit eine der ältesten Gattungen der Literatur zu neuer Geltung.
Wie bedankt man sich angemessen für einen Preis, der einem zunächst aberkannt worden ist? Wie erklärt man Amerika kurz nach der Wahl Donald Trumps seine Liebe? Was sagt ein Deutscher mit iranischen Wurzeln über Auschwitz? Welche Worte bleiben am Grab des eigenen Vaters? Und kann ein Kölner objektiv bleiben, wenn er über den 1. FC Köln spricht? Navid Kermani scheut in seinen großen Reden keine Herausforderung und fordert damit auch seine Zuhörer heraus, sich von bekannten Denkmustern zu lösen. In seinem ureigenen Spannungsfeld von klassischer deutscher Literatur, islamischer Mystik, amerikanischer Gegenkultur und europäischem Geist findet Kermani immer neue Gedankenbögen, die auch den Leser bis zur letzten Zeile fesseln.

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Das Hörbuch: Reden für die Freiheit, Parlando.

Große Theaterreise 2019/2020

7. November: Düsseldorf Schauspielhaus
9. November: Basel Internationales Literaturfestival, Unionshaus im Volkshaus Basel
12. November Wien Akademietheater
14. November Tübingen Sparkassen Carré, Kronensaal
15. November Essligen Esslinger Literaturtag "LesART"
16. November Hannover BUCHLUST-FESTIVAL, Literaturhaus Hannover
17. November Osnabrück Großes Haus der Städtischen Bühne

20. November München Kammerspiele
22. November Frankfurt am Main Schauspiel Frankfurt
2. Dezember Köln Stiftersaal des Wallraf-Richartz-Museum
4. Dezember Berlin Berliner Ensemble
5. Dezember Hamburg Thalia Theater
6. Dezember Dresden Schauspielhaus - Kleines Haus
7. Dezember Stuttgart Hospitalhof
13. Februar Siegen Apollo-Theater

Reservierungen und aktuelle Informationen

Navid Kermani

Navid Kermani lebt als freier Schriftsteller in Köln. Für seine Romane, Essays und Reportagen erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den Kleist-Preis, den Joseph-Breitbach-Preis sowie den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Kermaninavid

© Julian Baummann www.julianbaumann.com

Einer der einflussreichsten Denker Deutschlands
Deutsche Welle

Videos mit Navid Kermani

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

  • Laudatio auf den iranischen Schriftstellerverband bei der Verleihung des Sonderpreises zum Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis
  • Zum Tod der ungeborenen Sofía
  • Zum Dank für den Jahrespreis der Helga und Edzard Reuter-Stiftung Berlin
  • Auf der Konferenz «Dialog mit der islamischen Welt»
  • Zum 50. Jahrestag der Wiedereröffnung des Burgtheaters
  • Zum Dank für den Hessischen Kulturpreis
  • Allianz-Lecture über Europa
  • Zur Eröffnung der Lessingtage 
  • Zum Dank für den Heinrich-von-Kleist-Preis
  • Zur Eröffnung der 83. Hauptversammlung der Goethe-Gesellschaft
  • Laudatio auf Angelika Neuwirth bei der Verleihung des Sigmund-Freud-Preises
  • Zum 65. Jahrestag der Verkündung des Grundgesetzes
  • Zum Dank für den Joseph-Breitbach-Preis
  • Auf der Trauerkundgebung für die Opfer der Pariser Anschläge
  • Zum Dank für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
  • Zum Tod von Rupert Neudeck
  • Zum Dank für den Marion-Dönhoff-Preis für internationale Verständigung und Versöhnung
  • Zum Tod von Jaki Liebezeit
  • Zum zwanzigsten Jahrestag des Bestehens des Lehrstuhls für Jüdische Geschichte und Kultur
  • Zum Dank für den Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen
  • Zum Tod von Djavad Kermani
  • Zum Tod von Karl Schlamminger
  • Laudatio auf Norbert Lammert bei der Verleihung des Leo-Baeck-Preises
  • Zum Dank für den deutsch-polnischen Samuel-Bogumil-Linde-Literaturpreis
  • Zum siebzigsten Geburtstag des 1. FC Köln
  • Zum Gedenken an Egon Ammann
  • Zur Eröffnung des XXI. Weltkongresses der Internationalen Gesellschaft für Analytische Psychologie (IAAP) sowie zum fünfundzwanzigjährigen Bestehen der C. G. Jung-Gesellschaft Köln 
  • Dinner-Speak auf der Investment-Konferenz der Flossbach von Storch AG (Leseprobe)
  • Epilog über meinen Buchhändler Ömer Özerturgut

Editorische Notiz

Leseprobe

Dinner-Speak auf der Investment-Konferenz der Flossbach von Storch AG

Königswinter, Grandhotel Petersberg, 11. September 2019

Sehr geehrte Vorstände der Flossbach von Storch AG,
sehr geehrte Anlegerinnen und Anleger, meine Damen und Herren,

gestatten Sie mir, mit einer Geschichte zu beginnen, einer Geschichte aus alter Zeit und von fernem Ort. Es soll sich in der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts in Nischapur zugetragen haben, einer Stadt im Nordosten des heutigen Irans, daß ein zerlumpter, närrischer alter Mann in eine Drogerie trat. Wenn ich sage Drogerie, meine Damen und Herren, dürfen Sie sich natürlich keinen dm oder Roßmann vorstellen mit Shampoos und Spülmitteln. Drogerien in jener Zeit und zumal entlang der Seidenstraße, das waren Schatzkammern voll von wohlriechenden Essenzen, sündhaft teuren Elixieren, lebenswichtigen Medikamenten, seltenen Mineralien und sorgsam gemischten Kräutern aus aller Welt. Und so waren die Drogisten auch keine bloßen Händler, sondern zugleich Apotheker, Ärzte, Alchemisten und Parfümeure, alles in einem, und sie waren angesehene und sehr vermögende Bürger ihrer Stadt. Und in eine dieser Schatzkammern, die Drogerie von Nischapur, trat nun ein Bettler, ein Verrückter, ein Vagabund, das war auf den ersten Blick nicht klar, mit langen verfilzten Haaren jedenfalls, einem strähnigen weißen Bart und einem bloßen Lumpen um den Leib. Er stellte sich mitten in den Laden, in dem gerade kein anderer Kunde war, und schaute sich lange um, ohne ein Wort zu sagen. Allmählich wurde der Drogist hinter seiner Ladentheke unruhig, ein noch recht junger, bei aller Bildung doch auch zielstrebiger Geschäftsmann, der fürchtete, daß der närrische Alte die Kundschaft verstören würde, die jeden Augenblick eintreten konnte. Suchst du etwas Bestimmtes? sprach er den Alten an. Aber der Alte blickte nur weiterhin mit großen Augen auf die vollgefüllten Regale und blieb stumm. Endlich forderte ihn der Drogist auf zu gehen.

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In die rhetorische Linie, die von den großen antiken Rednern bis in die Zukunft eines wirklich geeinten Europa reicht, gehört Navid Kermani an prominenter Stelle.
Gerd Ueding in der Laudatio zur Verleihung des Cicero-Rednerpreises 2012