Der C.H.Beck-Fragebogen

Hans Pleschinski ist einer der gebildetsten, vielseitigsten Autoren der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, einer der unterhaltsamsten und zugleich feinfühligsten und er ist der einzige echte Ritter unter den deutschen Schriftstellern: Hans Pleschinski (Jahrgang 1956), Autor von Romanen wie „Leichtes Licht“, „Königsallee“ und „Wiesenstein“ und Herausgeber etwa des „Geheimen Tagebuchs des Herzogs von Croÿ“, ist Chevalier dans l’Ordre des Arts et des Lettres der Republik Frankreich.  Im ehemaligen Zonenrandgebiet aufgewachsen, ist der studierte Germanist und Theaterwissenschaftler und Kenner nicht nur der französischen Literaturgeschichte und des Barock, immer ein Freund auch Sachsens gewesen, ein Liebhaber eines historisch kundigen, weltläufigen, polyglotten und kunstbegeisterten Deutschlands, das es immer schon gab und auch durch ihn weiterhin gibt.

Photo © Isolde Ohlbaum

1. Was haben Sie im Studium fürs Leben gelernt?
Wenn Du einen Groschen verdienst, gib nicht zwei aus. Und zeitweise in Alexandrinern zu sprechen.
 

2. Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?
Das Geschirr meiner Eltern am Straßenrand verkauft. Mit sieben oder acht.

 

3. Wie sieht ein gelungener Tag in Ihrem Leben aus?
Eine geschmeidige Abfolge von Geist und Sinnlichkeit. 

 

4. Was nehmen Sie sich immer wieder vor?
Mindestens wöchentlich Gäste um den Tisch zu versammeln. Endlich einmal zwanglos nach Ferrara zu fahren. Das Rauchen zu vergessen ...

 

5. Was ertragen Sie nur mit Humor?
Das Altern. Allerdings blieb das Lachen bisher aus.

 

6. Ein großes „Beinahe“ in Ihrem Leben?
Als mich ein französischer Geigenvirtuose mit Schloss in der Normandie adoptieren wollte. Ich war siebzehn. Es zerschlug sich: Ich hatte Eltern und Furcht.

 

7. Der beste Ort der Welt, der beste Ort in München?
Im Gischtsprühen der nächtlichen Atlanktikbrandung von Teneriffa zu jauchzen. Mein Bett und meine Couch, auf der ich nachmittags schlafe.

 

8. Welche Künstler beeindrucken Sie?
Die entfesselten und die disziplinierten. Die einen verbrennen hell und schnell und anderen sind in ihrer Sorgfalt aufgehoben. Jim Morrison oder Hans-Werner Henze, Rimbaud oder Thomas Mann. Und man weiß ja nicht, ob ein kurzes oder langes Leben vorteilhafter ist.

 

9. Welche Eigenschaften schätzen Sie an einem Menschen am meisten?
Vertrauen. Zuverlässigkeit.

 

10. Ihr liebstes Smalltalk-Thema?
Wie könnte München gegenüber Berlin seine Bedeutung behalten. Und ist Leipzig nicht eigentlich die spannendste deutsche Stadt?

 

11. Welcher Illusion geben Sie sich gerne hin?
Dass irgendwelche Erben irgendwo beim Sichten einer Hinterlassenschaft ein Buch von mir in die Hand nehmen, es betrachten und nicht wegwerfen.

 

12. Welche Zeitungen, Magazine und Blogs lesen Sie?
Auf Lesereisen gerne die Lokalzeitungen. Sie fächern Regionen und das Innere unseres Landes auf. Auch das 'Isenhagener Kreisblatt' in meiner Lüneburgischen Heimat. Ich erfahre, welcher Jugendliche sechsundvierzig Jahre nach mir Kreismeister im Vielseitigkeitsreiten geworden ist. Zumeist reiten heute Mädchen. Seltsam. (Spielen alle Jungs nur Fußball?)

 

13. Ihre Lieblingsbuchhandlung?
Welche wohl? Die Buchhäuser meines Viertels.

 

14. Ihr Lieblingsmuseum?
Letztlich Versailles. Da das Prunk-Raumschiff rettungslos überlaufen ist, kann man diesen Höhepunkt schöner menschlicher Anmaßung nunmehr am besten vom Gemüsegarten des Königs aus betrachten und über ihn sinnieren.

 

15. Welchen Satz haben Sie sich zuletzt aus einem Buch notiert?
Ich unterstreiche eher. Tja, tatsächlich aus 'Faust I' die Verse der gestrandeten Sternschnuppe: "Aus der Höhe schoss ich her/Im Stern- und Feuerscheine,/Liege nun im Grase quer,/Wer hilft mir auf die Beine?" - Tragödie und Liebreiz in Vollendung.

 

16.Welches Buch würde niemand in Ihrer Bibliothek erwarten?
'Das rote Blut der Einsamkeit' von Gabi Lenz.

 

17. Ein Buch, das Ihr Leben verändert hat?
Gustav Schwabs 'Sagen des Klassischen Altertums'. Ich entdeckte jungen brennenden Herzens, dass ich Patroklos, der Gefährte Achills sein wollte, sein musste, sonst wollte ich nicht leben ... Das zeitigte mancherlei Folgen.

 

 

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