Merken

Leupold, Dagmar

Nach den Kriegen

Roman eines Lebens

Zweimal mißlingt der Abschied vom Vater. So muß sie ihn sich schreibend erfinden, ihn im Roman seines Lebens Gestalt gewinnen lassen. Dagmar Leupolds Roman über ihren Vater Rudolf Leupold (1913-1986) geht, dicht, anschaulich, zugleich fragend und deutend, den Spuren eines Lebens nach, das sich, hinter einem Wall familiärer Legenden verborgen, erst nachträglich fassen läßt. Dabei wird die alles entscheidende Dynamik dieses Lebens erkenntlich, der geradezu verzweifelte Geltungsdrang, der sich mal im Deutschnationalismus, mal in der Mathematik den ersehnten Erfolg verspricht, zuletzt aber in dem – unerfüllten – Wunsch gipfelt: zu schreiben. Der Vater, in der deutschen Enklave Bielitz geboren, die 1918 polnisch wurde, spricht beide Sprachen fließend und ist mathematisch hochbegabt. Vom Gefühl nationaler Kränkung und der Hoffnung auf Karriere getragen, hat er sich im NS-System dabei mehr engagiert, als die Tochter zu seinen Lebzeiten ahnte. Der im Krieg versehrte, von Schlaflosigkeit gequälte, manchmal genialisch-charismatische, oft aber auch die Familie mit Tiraden und Wutausbrüchen strapazierende Vater ist nach dem Krieg eher ein Liberaler.
Dagmar Leupolds literarische Recherche bietet nicht den alle Lücken schließenden, alle Wunden heilenden Familienroman, sondern ist eine kluge, poetisch aufgeladene, tief in die Konkretion versenkte Erkundung einer Generation.


Teilen

Seite drucken

E-Mail

Der Code wurde in die Zwischenablage kopiert.

Bibliografie

978-3-406-52325-0

2. Auflage, 2004

223 S.

Hardcover

Schlagwörter

Hardcover 17,90 € Kaufen
Pressestimmen

Pressestimmen

"(...) ihr Text kann bestens bestehen neben Reinhard Jirgls Die Unvollendeten (2003) oder Christoph Heins Landnahme (2004) (...) Alles in allem jedoch eine wunderbare Erzählung über die Unmöglichkeit des Verstehens und die Notwendigkeit des unausgesetzten kontrafaktischen Versuchs eben hierzu – mithin ein gelungenes Stück Literatur."
Werner Jung, Frankfurter Rundschau, 5. Januar 2005



"Immerhin gelingen köstlich komische Episoden, wenn es gilt, des Vaters Geltungsdrang zu karikieren. Die Darstellung der deutschen Aufbaujahre wiederum hält sich in den Grenzen der Klischees, die nun einmal bei den Linken über diese Zeit im Umlauf sind. Aber wiederum ist die Autorin imstande, die latente Unzufriedenheit, von der sie nun einmal glaubt, daß sie für die Wirtschaftswunder-Ära typisch gewesen sei, wenigstens in prägnante Formulierungen zu fassen: „Gegen das Verlorene kam das Gewonnene nicht an“, lautet beispielsweise eine von ihnen.§
Tilman Krause, Die Welt, 24. Dezember 2004



"Als stünden sie in einem geheimen Dialog miteinander, reflektieren beide Schriftstellerinnen jeweils auf etwa halber Wegstrecke über die Beschaffenheit dieses ausschließenden Erzählens."
Christina Bylow, Der Tagesspiegel, 19. Dezember 2004



"Der Vater erscheint – und das ist die Stärke des Buches – als schillernde und widersprüchliche Figur."
Jörg Magenau, Literaturen, Dezember 2004



"Wer die Zeit »nach dem Krieg« erlebt hat, wird hier vieles – vielleicht sich selber – wiedererkennen. Wer die Wiederaufbauzeit nicht aus eigener Erfahrung kennt, bekommt hier ein kräftiges Stück Mentalitätsgeschichte der jungen Bundesrepublik in die Hand – und ein schönes Erzählbuch."
Rolf Michaelis, Die Zeit, 7. Oktober 2004



"Dagmar Leupold beginnt ein Suchbild über Rudolf Leupold. Wie sie das tut, ist ungewöhnlich und klug. Entstanden ist eine Collage aus fiktionaler Prosa und Kindheitsbildern, historischer Dokumentation, soziologischem und literaturkritischem Essay."
Angelika Overath, Neue Zürcher Zeitung, 14. September 2004



"Erschüttert stellt die 1955 geborene Dagmar Leupold in ihrem Roman Nach den Kriegen fest, dass ihr der Vater Rudolf Leupold bis zuletzt fremd geblieben ist. Erst als er an Krebs stirbt, weiß sie: Der Krieg geht mitten durch die Familie, ein Graben. Auf der einen Seite diejenigen, die ihn erlebt, und auf der anderen Seite diejenigen, die ihn nicht erlebt haben. Der Lehrer Leupold ist nach 1945 gedanklich nie aus dem Krieg zurückgekehrt. Das Trauma wirkt fort. (...) Dagmar Leupold verfasst eine kluge Meta-Erzählung über die Aporie des Erinnerns; die Frage, was wir überhaupt wissen können, wird selbst zum Gegenstand des Erzählens. (...) Leupold, Wackwitz, Medicus, Timm – sie alle schärfen den Blick für Nuancen, die in der gegenwärtigen Debatte um Täter und Opfer, um Vertriebene und Entschädigungen zu verschwinden drohen, wie ein besonders bizarres Beispiel zeigt."
Marus Sander, Stuttgarter Zeitung, 31. August 2004



"Ein kluges, tief greifendes Buch über Krieg und Familie."
Claudia Voigt, KulturSpiegel, 26. Juli 2004



}

Bibliografische Reihen

Bibliografie

978-3-406-52325-0

2. Auflage , 2004

223 S.

Hardcover

Hardcover 17,90 € Kaufen

Leupold, Dagmar

Nach den Kriegen

Roman eines Lebens

Zweimal mißlingt der Abschied vom Vater. So muß sie ihn sich schreibend erfinden, ihn im Roman seines Lebens Gestalt gewinnen lassen. Dagmar Leupolds Roman über ihren Vater Rudolf Leupold (1913-1986) geht, dicht, anschaulich, zugleich fragend und deutend, den Spuren eines Lebens nach, das sich, hinter einem Wall familiärer Legenden verborgen, erst nachträglich fassen läßt. Dabei wird die alles entscheidende Dynamik dieses Lebens erkenntlich, der geradezu verzweifelte Geltungsdrang, der sich mal im Deutschnationalismus, mal in der Mathematik den ersehnten Erfolg verspricht, zuletzt aber in dem – unerfüllten – Wunsch gipfelt: zu schreiben. Der Vater, in der deutschen Enklave Bielitz geboren, die 1918 polnisch wurde, spricht beide Sprachen fließend und ist mathematisch hochbegabt. Vom Gefühl nationaler Kränkung und der Hoffnung auf Karriere getragen, hat er sich im NS-System dabei mehr engagiert, als die Tochter zu seinen Lebzeiten ahnte. Der im Krieg versehrte, von Schlaflosigkeit gequälte, manchmal genialisch-charismatische, oft aber auch die Familie mit Tiraden und Wutausbrüchen strapazierende Vater ist nach dem Krieg eher ein Liberaler.
Dagmar Leupolds literarische Recherche bietet nicht den alle Lücken schließenden, alle Wunden heilenden Familienroman, sondern ist eine kluge, poetisch aufgeladene, tief in die Konkretion versenkte Erkundung einer Generation.

Webcode: https://www.chbeck.de/12796

Pressestimmen

"(...) ihr Text kann bestens bestehen neben Reinhard Jirgls Die Unvollendeten (2003) oder Christoph Heins Landnahme (2004) (...) Alles in allem jedoch eine wunderbare Erzählung über die Unmöglichkeit des Verstehens und die Notwendigkeit des unausgesetzten kontrafaktischen Versuchs eben hierzu – mithin ein gelungenes Stück Literatur."
Werner Jung, Frankfurter Rundschau, 5. Januar 2005


"Immerhin gelingen köstlich komische Episoden, wenn es gilt, des Vaters Geltungsdrang zu karikieren. Die Darstellung der deutschen Aufbaujahre wiederum hält sich in den Grenzen der Klischees, die nun einmal bei den Linken über diese Zeit im Umlauf sind. Aber wiederum ist die Autorin imstande, die latente Unzufriedenheit, von der sie nun einmal glaubt, daß sie für die Wirtschaftswunder-Ära typisch gewesen sei, wenigstens in prägnante Formulierungen zu fassen: „Gegen das Verlorene kam das Gewonnene nicht an“, lautet beispielsweise eine von ihnen.§
Tilman Krause, Die Welt, 24. Dezember 2004


"Als stünden sie in einem geheimen Dialog miteinander, reflektieren beide Schriftstellerinnen jeweils auf etwa halber Wegstrecke über die Beschaffenheit dieses ausschließenden Erzählens."
Christina Bylow, Der Tagesspiegel, 19. Dezember 2004


"Der Vater erscheint – und das ist die Stärke des Buches – als schillernde und widersprüchliche Figur."
Jörg Magenau, Literaturen, Dezember 2004


"Wer die Zeit »nach dem Krieg« erlebt hat, wird hier vieles – vielleicht sich selber – wiedererkennen. Wer die Wiederaufbauzeit nicht aus eigener Erfahrung kennt, bekommt hier ein kräftiges Stück Mentalitätsgeschichte der jungen Bundesrepublik in die Hand – und ein schönes Erzählbuch."
Rolf Michaelis, Die Zeit, 7. Oktober 2004


"Dagmar Leupold beginnt ein Suchbild über Rudolf Leupold. Wie sie das tut, ist ungewöhnlich und klug. Entstanden ist eine Collage aus fiktionaler Prosa und Kindheitsbildern, historischer Dokumentation, soziologischem und literaturkritischem Essay."
Angelika Overath, Neue Zürcher Zeitung, 14. September 2004


"Erschüttert stellt die 1955 geborene Dagmar Leupold in ihrem Roman Nach den Kriegen fest, dass ihr der Vater Rudolf Leupold bis zuletzt fremd geblieben ist. Erst als er an Krebs stirbt, weiß sie: Der Krieg geht mitten durch die Familie, ein Graben. Auf der einen Seite diejenigen, die ihn erlebt, und auf der anderen Seite diejenigen, die ihn nicht erlebt haben. Der Lehrer Leupold ist nach 1945 gedanklich nie aus dem Krieg zurückgekehrt. Das Trauma wirkt fort. (...) Dagmar Leupold verfasst eine kluge Meta-Erzählung über die Aporie des Erinnerns; die Frage, was wir überhaupt wissen können, wird selbst zum Gegenstand des Erzählens. (...) Leupold, Wackwitz, Medicus, Timm – sie alle schärfen den Blick für Nuancen, die in der gegenwärtigen Debatte um Täter und Opfer, um Vertriebene und Entschädigungen zu verschwinden drohen, wie ein besonders bizarres Beispiel zeigt."
Marus Sander, Stuttgarter Zeitung, 31. August 2004


"Ein kluges, tief greifendes Buch über Krieg und Familie."
Claudia Voigt, KulturSpiegel, 26. Juli 2004