Ludwig Landmann-Preis für Saul Friedländer

Ludwig Landmann-Preis für Saul Friedländer


Auszeichnung für Mut und Haltung

Die Gesellschaft der Freunde und Förderer des Jüdischen Museums verleiht erstmals den "Ludwig-Landmann Preis für Mut und Haltung" an den Historiker Prof. Dr. Saul Friedländer. Die aufgrund der Corona-Pandemie um eineinhalb Jahre verschobene Preisverleihung findet am 27. Juni im Schauspielhaus Frankfurt statt und wird ab ab 11 Uhr love auf dem YouTube-Kanal des Jüdischen Museums gestreamt.

"Mit dem Preis möchte die Gesellschaft der Freunde und Förderer des Jüdischen Museums an das Vermächtnis von Ludwig Landmann erinnern, der als letzter demokratisch gewählter Oberbürgermeister Frankfurts vor der nationalsozialistischen Machtübernahme dank seiner visionären Regierungspolitik, Frankfurt in den Jahren 1924 - 1933 zu einer modernen Metropole entwickelte," so der Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft der Freunde und Förderer, Andreas von Schoeler. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft wurde Landmann 1933 seines Amtes enthoben, seiner Pension beraubt und in die Flucht getrieben. Er starb 1945 verarmt im niederländischen Exil.

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wurde anlässlich der Wiedereröffnung des neuen Jüdischen Museums ins Leben gerufen. Mit Saul Friedländer wird ein renommierter Historiker und Zeitzeuge für sein Lebenswerk ausgezeichnet, der sich intensiv mit der Shoa und der Geschichte des Nationalsozialismus auseinandergesetzt und in seinen Werken insbesondere die Situation der verfolgten Jüdinnen und Juden thematisert hat. "Schließlich sind ihre Stimmen unverzichtbar, wenn wir zu einem Verständnis für diese Vergangenehit gelangen wollen", so Friedländer.

Die Laudatio auf den Preisträger hält der ehemalige Bundesaußenminister Dr. Joschka Fischer. Ferner sprechen der Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt der Stadt Frankfurt Peter Feldmann, der ehemalige Oberbürgermeister, Andreas von Schoeler, und die Direktorin des Jüdischen museums, Prof. Dr. Mijam Wenzel.

Saul Friedländer erhält ihn für sein Lebenswerk. Saul Friedländer wurde am 11. Oktober 1932 in Prag als Sohn jüdischer Eltern geboren. Nach der Besetzung der Tschechoslowakei durch die deutsche Wehrmacht floh die Familie im März 1939 nach Paris. Er überlebte die nationalsozialistische Verfolgung und den Zweiten Weltkrieg unter falschem Namen in französischen Kinderheimen. Seine Eltern wurden 1942 bei einem Fluchtversuch in die Schweiz verhaftet und deportiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wanderte Saul Friedländer nach Israel aus und studierte Geschichte. Er lehrte u. a. von 1969 bis 1975 an der Hebräischen Universität in Jerusalem, anschließend an der Universität Tel Aviv, und hat seit 1988 die Professur für Geschichte an der University of California, Los Angeles, inne.

Saul Friedländer hat sich zeitlebens intensiv mit der Schoa und der Geschichte des Nationalsozialismus beschäftigt. In der Bundesrepublik Deutschland bekannt wurde er durch das viel diskutierte Buch Pius XII. und das Dritte Reich  ebenso wie durch seine Autobiografie Wenn die Erinnerung kommt, in der er seine traumatischen Erfahrungen als Kind und Jugendlicher sowie die Geschichte des eigenen Überlebens beschreibt. Friedländer kritisierte mehrfach die Perspektive, unter der die Schoa in Kunst und Literatur dargestellt und in der Geschichtswissenschaft beschrieben wird (u.a. in Kitsch und Tod. Der Widerschein des Nazismus. Frankfurt am Main 1984). Er betonte stets, dass die Situation der einzelnen verfolgten Jüdinnen und Juden dabei von zentraler Bedeutung sein müsse. Wie diese in eine zusammenhängende Geschichtsschreibung integriert werden kann, zeigt Friedländer in seinem zweibändigen Werk Das Dritte Reich und die Juden (Bd.1: Die Jahre der Verfolgung 1933–1939. München 1998; Bd. 2: Die Jahre der Vernichtung 1939–1945. München 2006). Für dieses Standardwerk wurde er 2007 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2008 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Während der Gedenkstunde im Deutschen Bundestag 2019 anlässlich des Jahrestags der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar 1945 forderte er als Gastredner die Bundesrepublik Deutschland auf, weltweit gegen nationalistische und demokratiefeindliche Tendenzen, gegen Rassismus und Antisemitismus zu kämpfen und sich uneingeschränkt für Freiheit und Menschlichkeit zu engagieren.

(aus der Pressemitteilung des Jüdischen Museums, 23. Juni 2021)

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