Kippenberg, Hans G.

Gewalt als Gottesdienst

Religionskriege im Zeitalter der Globalisierung

Du sollst nicht töten? Die neue Gewalt in den Religionen

Eine Welle religiöser Gewalt verunsichert die Welt – und seit dem 11. September zunehmend den Westen. Islamische, christliche und jüdische Eiferer sind bereit, sich selbst und andere in einem Kampf gegen das Böse zu töten. Hans G. Kippenberg geht den spektakulären Gewalttaten der letzten Jahrzehnte nach und macht deutlich, daß die Globalisierung eine neue – unfriedliche – Epoche der Religionsgeschichte einläutet.
Hans G. Kippenberg beschreibt anhand zahlreicher Fälle, weshalb Religionsgemeinschaften gerade im Zeitalter der Globalisierung so mächtig geworden sind und warum sich in den letzten Jahrzehnten religiös begründete Gewalt ausgebreitet hat. Er deckt dabei überraschend ähnliche Muster in den großen Religionen auf. Christliche, islamische und jüdische Gemeinschaften sehen sich durch Mächte des Bösen bedroht; kleine aktivistische Gruppen rufen zum blutigen Kampf für die gottgefällige Ordnung auf. Dabei kommen Gewaltakte und kollektiver Selbstmord christlicher Gruppen in den USA ebenso zur Sprache wie Selbstmordoperationen von Muslimen im Nahen Osten, die Gewalt zionistischer Siedler, der Kriegszug junger Muslime gegen die USA am 11. September 2001 und der Krieg gegen den Terror. Gewalt, so das Fazit dieses provozierenden Buches, ist keine fremde und störende Zutat zur Religion, sondern kann selbst zum Gottesdienst werden.

Inhalt
Vorwort 

1. Einführung: Gewalt als religiöse Gemeinschaftshandlung
 
Darf man religiöse Gewalt verstehen wollen? 
Religiöse Gewaltpraktiken
Wie intolerant ist der Monotheismus? 
Religiöse Gemeinschaften als Träger von Gewalthandlungen 
Religiöse Rahmungen gemeinschaftlicher Handlungen 
 
2. Der Machtzuwachs religiöser Vergemeinschaftung  
Die Ambivalenz religiöser Gemeinschaftlichkeit 
Gemeindereligiosität in Judentum, Christentum und Islam 
Religiöse Gemeinschaften als zivilgesellschaftliche Akteure 
Verantwortungs- und Gesinnungsethik 
 
3. Konflikte mit alternativen Religionsgemeinden: USA 1978 und 1993 
Peoples Temple 
Mord und Selbstmord 
Kollidierende Handlungsskripte im Kampf um Waco 
Weltbilder müssen übersetzt werden 
Religiöse Handlungsmodelle und Gewalt 
 
4. Jeder Tag Aschura, jedes Grab Kerbala: Iran 1977–1981 
Ein schiitisches Umsturzritual wird neu inszeniert 
Die Tyrannei der Verwestlichung 
Kerbala wird zum Handlungsmodell 
Inszenierungen des Märtyrertodes 
Die Kategorie des Fundamentalismus 
Die USA bleiben gefangen in ihren eigenen Annahmen 
 
5. Die «Partei Gottes» greift in den Krieg ein: Libanon 1975–2000 
Die Macht der libanesischen Religionsgemeinschaften 
Die Aktivierung der Schiiten und das Verschwinden ihres Imams Musa al-Sadr 
Hizbollah: Die Partei Gottes entsteht 
Märtyrer zwischen individueller Entscheidung und gemeinsamer Verantwortung 
Die Hizbollah als zivilgesellschaftlicher Akteur 

6. Israels Kriege der Erlösung 
Eine zweideutige Resolution der Vereinten Nationen 
Der säkulare Zionismus und seine ultraorthodoxen Gegner 
Eine heilsgeschichtliche Umdeutung der zionistischen  Besiedlung Palästinas 
Konflikte zwischen der Regierung Israels und den Siedlern 
Strafe für die Nicht-Besiedlung der «Erlösten Gebiete» 
Siedlergewalt gegen den Friedensprozess 
Postzionismus 

7. Eifern für das Stiftungsland Palästina  
Islam und Islamismus in Palästina 
Die erste Intifada 
Die gesegnete Intifada der Grenzkämpfer 
Palästina als Stiftungsland des Propheten 
Märtyreroperationen bzw. Selbstmordanschläge 
Das Verhältnis der Hamas zu Israel: «Koexistenz im Konflikt» 

8. Amerikanische Protestanten bereiten den endzeitlichen Kriegsschauplatz in Palästina vor 
Die Entsäkularisierung der US-Außenpolitik 
Prämillenarische Konstruktionen zeitgenössischer Politik 
Das Wunder der Wiederherstellung Israels 
Die Popularisierung des prämillenarischen Geschichtsbildes 
 
9. Am 11. September 2001: Ein Kriegszug auf dem Wege Gottes 
Jihadisten in Afghanistan werden zur Basis eines weltweiten Netzwerks 
Kriegerischer Jihad als Maxime von Gesinnungsethik 
Al-QaÝida: Knotenpunkt weltweiter Netzwerke 
Die Hamburger Zelle und die Vorbereitung des Kriegszugs 
Die geistliche Anleitung für den 11. September 
Die Kultivierung eines Kriegerethos in der Diaspora 
 
10. Ein grenzenloser Krieg der USA gegen den Terror  
Das amerikanische Konzept von Terrorismus  
«Der Ruf der Geschichte»: Ein globaler Krieg von ungewisser Dauer 
Ein Angriff auf das Sozialkapital islamischer Netzwerke 
Die Suspendierung des Kriegsrechts für gefangene Jihadisten 
 
11. Schlussbetrachtung: Religionskriege im Zeitalter  der Globalisierung 
Neue Formen religiöser Gemeinschaftlichkeit und Gewalt 
Heilsgeschichtliche Deutungsrahmen und Handlungsskripte 
Heilsgeschichtliche Szenarien religiöser Gewalt 
Wie kann man den Zyklus religiöser Gewalt unterbrechen?

Anmerkungen 
Literatur 
Register