Wieser, Wolfgang

Gehirn und Genom

Ein neues Drehbuch für die Evolution

Die Evolution und ihre Theorie benötigen ein neues Drehbuch. Zufall, strukturelle Zwänge und das Treiben „egoistischer Gene“ erklären nicht alles. Das Auftreten des menschlichen Gehirns auf der Bühne der Evolution stellt eine Zäsur dar. Seitdem haben das Stück und seine Inszenierung entscheidende Dimensionen hinzugewonnen.
Die Evolution des Menschen vollzog sich zwar auf genetischer Grundlage, läßt sich aber dadurch allein nicht hinreichend erklären. Erbgut und Gehirn trugen und tragen auf je eigene, durchaus konkurrierende Weise zur Dynamik des evolutionären Geschehens bei. Schon in ihren zeitlichen Dimensionen unterscheiden sie sich gewaltig. Der Beitrag des Genoms zur Evolution wird in Tausenden bis Millionen von Jahren oder in Hunderten bis Tausenden von Generationen gemessen, der Beitrag des Gehirns jedoch in Minuten, Tagen, Jahren bzw. in einer einzigen Generation. Das Menschengehirn ist in der Lage, aus seinen Auseinandersetzungen mit der Umwelt etwas ganz anderes zu machen als die Erbanlagen. Die Mehrzahl seiner Hervorbringungen sind autonome Leistungen, für die das Genom keine Anweisungen parat hat. Der international renommierte Evolutionsbiologe Wolfgang Wieser zeichnet ein neues, revolutionäres Bild der Evolution, in der neben dem „egoistischen Gen“ das Gehirn die zweite Hauptrolle spielt und es auch auf die Vererbung erworbener Eigenschaften ankommt.

Teilen

Seite drucken

E-Mail

Der Code wurde in die Zwischenablage kopiert.

Bibliografie

978-3-406-55634-0

Erschienen am 15. März 2007

Statt 22,90 € jetzt nur noch 9,95 €

285 S.

Gebunden

Hardcover 9,95 € Kaufen
Inhalt
1. Prolog: „Das Erwachen der Menschheit“
1.1 Aufbruch
Phylogenetische Evolution
Kulturelle Evolution
1.2 Phasen der kulturellen Evolution
1.3 Zeithorizonte und die Emanzipation des Individuums

2. Über den Umgang mit Wirklichkeiten und Möglichkeiten
2.1 Erkenntnisfähigkeit und Wahrheitssuche
2.2 Triumph der Konstruktion
2.3 Wie kommt die Wirklichkeit in den Kopf? – Realität und Wirklichkeit
2.4 Wissenschaftsrevolution oder Wissenschaftsentwicklung: Hommage à Ludwik Fleck

3. Blättern im Buch des Lebens
3.1 Logistik der Anpassung
Kurze Geschichte eines kontextunabhängigen Gens
Lange Geschichte eines kontextabhängigen Gens
3.2 Logistik der Entwicklung
Neue Vielfalt, neue Kontrollen
3.3 Evolution des Individuums
Historische Aspekte
Epigenetische Aspekte

3.4 Selbstorganisation und offene Kontrolle

4. Anatomie eines Konflikts
4.1 „Das vernetzte Gehirn“
Faserdynamik
Neuronale Netzte: Dynamik. Koordination, Selektion
4.2 Prägung: Ontogenetische und phylogenetische Aspekte
Zeitfenster
4.3 Von Ameisen und Menschen
4.4 Fährten zu Homo sapiens

5. Ein neues Drehbuch für die Evolutionstheorie
5.1 Exegese von Gemeinplätzen
5.2 Mikrobenwelt
Rezente Vielfalt
Prokaryote Evolution: Zurück zu den Müttern
5.3 Zwischenspiel
5.4 Kulturelle Evolution

6. „Humboldtsche Systeme“
6.1 Digital und/oder analog: Schrift und/oder Sprache
6.2 Organismus und Sprache
Anatomie eines Vergleichs
Grenzen der Beliebigkeit

7. Innenwelt – Außenwelt
7.1 Spurensuche in den Labyrinthen des Verhaltens
Das Liebeslied der Taufliege
Erkenne deinen Nächsten!
Romeo und Julia
Tristan und Isolde
7.2 Spiegelneurosen und black boxes
7.3 Wie kommt die Welt in den Kopf? – Eine subjektive Erfahrung

8. Primatenwelt: Die soziale Dimension und die Suche nach dem Absoluten
8.1 Sozialisation
8.2 Anthropomorphismus
8.3 Rangordnung und Standesbewusstsein
8.4 Soziale Wirklichkeit als Kunst
„Kostbare Spielarten des Menschlichen“
„Gewaltphantasien“

8.5 Kunst als Wirklichkeit
Bild und Abbild
Von „gnostischen Neuronen“ zu neuronalen Netzen
Octopus vulgaris begegnet Piet Mondrian
Wege zum Aboluten

Anmerkungen
Zitierte Literatur
Register