Herbert, Ulrich

Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert

Deutschland im 20. Jahrhundert – das sind zwei Weltkriege, eine gescheiterte Demokratie, Hitler-Diktatur und Holocaust, ein 40 Jahre lang geteiltes Land. Aber es ist auch Sozialstaat, Wohlstand, Liberalisierung und Globalisierung, eine erfolgreiche Demokratie und die längste Friedensperiode der europäischen Geschichte. Ulrich Herberts lang erwartetes Werk ist die brillante Vermessung eines ungeheuren Jahrhunderts – und ein Maßstab, an dem sich Zeitgeschichte künftig wird messen lassen müssen.
Die deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert sieht Herbert durch zwei Perspektiven bestimmt, die zueinander in Widerspruch stehen. Zum einen die großen Kriege und Katastrophen, die das deutsche 20. Jahrhundert in zwei Teile spalten – vor und nach 1945. Deutschland ist das Land, in dem die radikalen Ideologien von links und rechts erdacht wurden, und das einzige, in dem sie jeweils staatliche Form annahmen. Das prägt die erste wie die zweite Hälfte des Jahrhunderts. Zum anderen der Aufstieg der modernen Industriegesellschaft, der über die verschiedenen politischen Systeme hinweg zu jahrzehntelangen Auseinandersetzungen um die soziale und politische Ordnung führt. Erst 1990 scheinen sie gelöst, als der Sozialismus zusammenbricht. Aber am Ende des Jahrhunderts ist die Debatte um die Leistungen und Defizite des Kapitalismus wieder voll entbrannt. Diesen gewaltigen Prozess legt Ulrich Herbert mit einer Präzision und Tiefenschärfe frei, wie sie nur selten in der Geschichtsschreibung begegnet. Kriege und Terror, Utopie und Politik, Kapitalismus und Sozialstaat, Sozialismus und demokratische Gesellschaft, Geschlechter und Generationen, Kultur und Lebensstile, europäische Integration und Globalisierung: Wie diese widersprüchlichen Ereignisse und Entwicklungen strukturiert und aufeinander bezogen sind, davon handelt dieses Buch.

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Bibliografie

978-3-406-66051-1

Erschienen am 08. Mai 2014

1451 S.

In Leinen

Hardcover 39,95 € Kaufen
Inhalt

Vorwort

Einleitung
 

 

Erster Teil: 1870 bis 1918
 

1. Deutschland um 1900: Der Fortschritt und seine Kosten
Wirtschaftlicher Aufstieg  – Die Neuerfi ndung der Welt  – Gesellschaftliche Wandlungsdynamik – Fortschrittsbegeisterung und Orientierungskrise – Radikale Antworten auf die Krise der bürgerlichen Gesellschaft
 

2. Das Neue Reich
Das Erbe Bismarcks – Ende der liberalen Ära – Neuer Kurs – Reich und Weltreich – Flottenbau und «Weltpo litik» – Stabile Krise – Radikaler Nationalismus – Vor dem Krieg
 

3. Die Macht des Krieges
Kriegsbeginn – Geist und Ideen von 1914 – Abnutzungskrieg – Kriegswirtschaft – Innenpolitische Konfrontation – Auswirkungen der Oktoberrevolution – Märzoffensive und Zusammenbruch – Der Erste Weltkrieg in der deutschen Geschichte



Zweiter Teil: 1919 bis 1933
 

4. Revolution und Republik
Revolution und konstitutionelle Bewegung – Aufstand von links – Versailles und die Folgen – Kapp-Putsch und Ruhrkrieg – Reparationen und Erfüllungspolitik – Verkehrte Welt – Die totale Krise – Prekäre Stabilisierung
 

5. Deutschland um 1926: Zwischen Krieg und Krise 
Wirtschaft zwischen den Krisen – Sozialpolitische Steuerungsversuche – Klassen, Geschlechter, Generationen – Kultur der Großstadt – Kritik und Gegenentwürfe – Zukunftsperspektiven
 

6. Die Zerstörung der Republik
Krise des Parlamentarismus – Weltwirtschaftskrise – Die radikale Linke – Die radikale Rechte – Der Aufstieg der NSDAP und die Entmachtung des Parlaments – Varianten der Diktatur – Entscheidung für Hitler


Dritter Teil: 1933 bis 1945
 

7. Die Dynamik der Gewalt
«Machtergreifung» – Sicherung der Diktatur – Politik gegen die Juden – Funktionswandel des Terrors – Rüstungsboom und Arbeitsschlacht – Aufrüstung und Außenpolitik – Arbeiter, Bauern, Bürger – Kriegskurs – Kristallnacht – Am Vorabend des Krieges
 

8. Die Zerstörung Europas 
Besatzungspolitik – Polnische Juden – Kriegswirtschaft und Arbeitseinsatz – «Euthanasie» – Hegemonie – Kriegsplanungen – Barbarossa – Umsteuerung auf den langen Krieg
 

9. Deutschland um 1942: Völkermord und Volksgemeinschaft
Helene Holzman – Vergeltung – Endlösung – Zwangsarbeit – Volksgemeinschaft im Krieg – Volksstimmung und Massenkultur 
 

10. Untergang
Rückzug – Terror und Totaler Krieg – Perspektiven des Widerstands – Krieg in Deutschland – Das Ende – Nach dem Dritten Reich 



Vierter Teil: 1945 bis 1973
 

11. Nachkrieg
Stunde Null – Stunde der Alliierten – Umgestaltung – Politischer Neuaufbau – Kalter Krieg und deutsche Teilung – Sommer 1948 – Vergangenheit und Zukunft – Zwei Staatsgründungen 
 

12. Wiederaufbau in Westdeutschland
Wirtschaftswunder – Westintegration im Kalten Krieg – Innere Stabilisierung – Sozialpolitik – Reintegration der NS-Anhänger – Entschädigung der NS-Opfer – Gesellschaft in den fünfziger Jahren – Alltagskultur – Abendland und Sittlichkeit 
 

13. Das sozialistische Experiment
Das kommunistische Projekt – Sowjetisierung – Vom 17. Juni zum 13. August – Sozialismus durch Wissenschaft und Technik – Prag und Bonn – Das Ende der Ära Ulbricht 
 

14. Vorboten des Wandels
Deutschlandpolitik im Kalten Krieg – Krise und Kritik der Ära Adenauer – Vergangenheitsbewältigung – Das schnelle Ende der Regierung Erhard
 

15. Deutschland um 1965: Zwischen den Zeiten
Zwei Gesellschaften – Aufstieg und Unterschichtung – Euphorie der Modernität: Neues Bauen – Atom: Hoffnung dieser Zeit – Planungsoptimismus – Konsum und Populärkultur – In einem heimgesuchten Land
 

16. Reform und Revolte
Moderne Politik – Internationale Protestbewegung – Strukturmerkmale der Revolte – Emphase des Neuanfangs – Ostpolitik – Innere Reformen – Modell Deutschland



Fünfter Teil: 1973 bis 2000
 

17. Krise und Strukturwandel
Das Ende von Bretton Woods und die erste Ölpreiskrise – Strukturwandel – Gesellschaftlicher Wandel und zeitgenössische Deutung – Aporien der Industriegesellschaft – Terrorismus – Politik als Krisenmanagement – Alte und neue Fronten – Weltwirtschaftskrise und Weltwirtschaftspolitik – Das Ende der sozialliberalen Ära
 

18. Weltwirtschaft und nationale Politik
Globalisierung und nationale Wirtschaftspolitik – Innenpolitische Transformationen – Von der Ausländerdebatte zur Asylkampagne – Politische Kultur der achtziger Jahre – Rückkehr der Geschichte – Deutschland, die Sowjetunion und das Ende des Kalten Krieges – Europäische Beschleunigung
 

19. Aufschwung, Krise und Zerfall der DDR
Die Hauptaufgabe – Integration und Opposition – Schuldenkrise – Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung
 

20. Deutschland um 1990: Zweierlei Vereinigung
Erosion des Ostblocks – Ein deutscher Herbst – Demos und Ethnos – Gipfeldiplomatie – Die Einheit und ihre Kosten – Die deutsche Einheit und die Europäische Union
 

21. Neue Einheit
Das Ende der Geschichte? – Vereinigungskrise – In der neuen Weltordnung – Asylpolitik und multikulturelle Gesellschaft – Maastricht – Zwei Vergangenheiten
 

22. Millennium
New Economy – Rot-Grün und der Krieg im Kosovo – Dritte und Neue Wege – Das Ende des 20. Jahrhunderts


Anhang
Anmerkungen
Verzeichnis der Abkürzungen
Quellen und Literatur
Dank
Personenindex

Pressestimmen

Pressestimmen

„Wer es liest, begreift, dass Geschichte nicht vergeht.“
Michael Garthe, Die Rheinpfalz, 29. Oktober 2014



"Gerade in diesem Jahr vielfältigen Gedenkens kommt dieses großartige Geschichtsbuch wie gerufen."
Südwest Presse, 21. Juli 2014



"Ulrich Herbert ist ein großer Wurf gelungen. Man muss diesem Geschichtsbuch wünschen, dass es hilft, die Deutschen über ihre Abgründe und ihr Glück aufzuklären."
Thomas Schmid, Die literarische Welt, 17. Mai 2014



„Hier gelingt Herbert alles, die Mischung von Detail und Deutung, von Argumentation und Erzählung ist vollendet.“
Tim B. Müller, Zeitschrift für Ideengeschichte, 04/2014



"Ulrich Herbert hat ein Buch vorgelegt, das für eine Generation dennoch zu dem Referenzwerk der Deutschen in der europäischen Geschichte werden könnte."
Erhard Schütz, Der Freitag, 26. Juni 2014



"ein überaus anregendes Buch"
Carsten Kretschmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. Mai 2014



"Die beste Gesamtdarstellung, die bisher erschienen ist."
Dirk Walter, Münchner Merkur, 16. September 2014



"Staunenswert."
Fachbuchjournal, 06/2016



„(…) ein großartiges Buch, ein intellektueller Genuss. Es fordert den Leser: zum Nachlesen, Nachdenken, ja, zum Widerspruch, vor allem aber zum Lernen.“
Victor Mauer, Neue Züricher Zeitung am Sonntag, 29. Juni 2014



"überaus anregend und stets in einer meisterlichen Intensität."
Edgar Wolfrum, Neue Züricher Zeitung, August 2014



"Spannend und vielseitig"
perlentaucher.de, Juni 2014



"Ein Grundlagenwerk, das das Nachdenken über die deutsche Geschichte in der Moderne unbedingt bereichert."
Niels Beintker, Deutschlandfunk, 19. Mai 2014



„Man muss es lesen, um Deutschland im 21. Jahrhundert zu verstehen.“
Dorothee Hochstetter, Militärgeschichte, Oktober 2014



"die Konzentration und Intensität, mit der Herbert das ungeheure Material bündelt, (...) ist beeindruckend."
Michael Wildt, HSozKult HU Berlin, 22. September 2014



" (...) eine beeindruckende Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert - eine Bilanz politischer Entscheidungen in Zeiten technokratischer Raserei."
Patrick Bahners, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. Mai 2014



"Mit erzählerischer Kompetenz und analytischer Präzision blättert Ulrich Herbert auf fast 1.500 Seiten ein Panorama des Jahrhunderts auf."
Hermann Theißen, SWR2 Buch der Woche, Juni 2014



„Ein neues, herausragendes Standardwerk zur Deutschen Geschichte des 20. Jahrhundert.“
Michael Garthe, Die Rheinpfalz, 11. November 2014