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Frei, Norbert

1945 und wir

Das Dritte Reich im Bewußtsein der Deutschen

Sechs Jahrzehnte sind vergangen, seit Hitlers Herrschaft im Bunker unter der Reichskanzlei ihr Ende fand. Doch die Erinnerung an die NS-Zeit erscheint gegenwärtiger denn je. Liegt der Grund dafür – paradoxerweise – im Aussterben der Zeitzeugen? Und was hieße das für die Zukunft? 1945 und wir ist eine aktuelle Analyse des Umgangs der Deutschen mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit.
Für das Selbstverständnis der Bundesrepublik wurde der kritische Rückbezug auf die Erfahrungen des „Dritten Reiches“ seit den sechziger Jahren wichtig. Nach einem langen Jahrzehnt der Verdrängung setzte damals ein, was als „Vergangenheitsbewältigung“ die politische Kultur unseres Landes prägte. Diese Epoche geht nun zu Ende – nicht jedoch die Politik mit der Vergangenheit: Im Gange ist, vorangetrieben von der Generation der Kriegskinder, den späteren Achtundsechzigern, nichts weniger als eine Neujustierung unserer Geschichtsverhältnisse. In die Gedächtniskultur einer globalisierten Holocaust-Erinnerung drängt jetzt – und das ist augenscheinlich ein Problem – die intensive Verlebendigung von Bombenkrieg, Flucht und Vertreibung.

Inhalt
1945 und wir
Die Gegenwart und die Vergangenheit

Deutsche Lernprozesse
NS-Vergangenheit und Generationenfolge seit 1945

Abschied von der Zeitgenossenschaft
Der Nationalsozialismus und seine Erforschung auf dem Weg in die Geschichte

Die Rückkehr des Rechts
Justiz und Zeitgeschichte nach dem Holocaust

Epochenjahr 1933
Der 30. Januar entschwindet dem historischen Bewußtsein

Mythos Stalingrad
Die «Kriegswende» in der Wahrnehmung der Deutschen

«Volksgemeinschaft»
Erfahrungsgeschichte und Lebenswirklichkeit de Hitler-Zeit

Erinnerungskampf
Der 20. Juli 1944 in den Bonner Anfangsjahren

Von deutscher Erfindungskraft
Oder: Die Kollektivschuldthese in der Nachkriegszeit

Auschwitz und die Deutschen
Geschichte, Geheimnis, Gedächtnis

Anhang
Anmerkungen
Abkürzungen
Textnachweise
Personenregister

Pressestimmen

Pressestimmen

"Das Buch beeindruckt durch die Stringenz, mit der es das Vergangenheitsverhältnis der Nachkriegszeit als eine Folge von "deutschen Lernprozessen" sichtbar macht. (...) Seine mit Scharfsinn und Schärfe betriebene Argumentation ist dabei, dem Verlust der Zeitgenossenschaft seine Chance abzuringen: eine Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, die sich von der bloßen, oft nur nachtretenden Kritik an der Bundesrepublik löst und sich sozusagen auf eigene Beine stellt. Frei führt selbst die Leitfigur dafür ein: Sie heißt „gelernte Zeitgenossenschaft“."
Hermann Rudolph, Der Tagesspiegel, 30. Mai 2005



"Beim Lesen wird klar, daß Frei ein Mann mit einer Mission ist. Er will, daß die öffentliche Wahrheit allein durch den rationalen Diskurs bestimmt wird, sieht also einen Widerspruch zwischen Wahrheit und Öffentlichkeit, die gerade in unseren medialen Zeiten immer problematischer wird. Daher sind diese Essays auch ein heroischer Versuch, die Geschichtswissenschaft vor Bildern und emotionalen Reaktionen zu retten, die sich nun gleichberechtigt, wenn nicht sogar übermächtig vor sie drängen."
Natan Sznaider, Die Welt, 21. Mai 2005



"Der in Jena lehrende deutsche Historiker Norbert Frei ist den Gründen für diesen Erinnerungs-Boom nachgegangen. Er kommt zu dem Schluss, dass wir tatsächlich am Ende einer Epoche angelangt sind, die im Begriff ist, Geschichte zu werden. Sowohl auf Opfer- wie auf Täterseite sterben die Zeitzeugen aus. Forschung, Analyse und Interpretationen liegen in den Händen Nachgeborener. Was wir erleben, ist das letzte Aufgebot derer, die dabei waren und noch einmal selbst erzählen wollen, wie es wirklich war. Was wir erleben, ist aber auch der Versuch der Geschichtsschreibung, analysierend und korrigierend in die Flut angeblich authentischer Erinnerungen einzugreifen. (...) Auf eindrückliche Art und Weise zeigt der Autor auf, dass Vergangenheitsbewältigung im Nachkriegsdeutschland kein in sich geschlossener Vorgang war, sondern ein langer, noch nicht abgeschlossener Prozess, der erst in den letzten zehn, fünfzehn Jahren „zu einem eigenständigen Thema der zeitgeschichtlichen Forschung“ geworden ist. Entsprechend interessant ist es, zu verfolgen, welche Phasen der Schuldverleugnung bzw. Schuldzuweisung die deutsche Nachkriegsgesellschaft durchlaufen und wie lange es gedauert hat, bis über die Erforschung verbrecherischer Strukturen hinaus auch die Frage nach der Verstrickung des Einzelnen in die wissenschaftliche Untersuchung einbezogen wurde."
Klara Obermüller, Neue Zürcher Zeitung am Sonntag, 8. Mai 2005



"Dieses Buch ist eine scharfsinnige, klar bis elegant formulierte Beschreibung deutscher Befindlichkeit – und auf ihres Wandels. In zehn Aufsätzen zeichnet der Jenaer Historiker Norbert Frei nach, wie die Deutschen, „Erfinder und Weltmeister der ‘Vergangenheitsbewältigung‘“, mit dem unbequemen Erbe der NS-Zeit umgegangen sind, von 1945 bis heute."
Stern, 31. März 2005



"Frei beschäftigt sich in seinem Buch (...) mit der Bedeutung des Generationenwechsels im Umgang mit der NS-Zeit. Diesen Umgang in Politik, öffentlichem Diskurs und der mit beiden eng verflochtenen Zeitgeschichtsforschung seit 1945 bis heute zu periodisieren, ist der Verdienst von Freis spannend zu lesender historischer Analyse."
Angela Gutzeit, Frankfurter Rundschau, 16. März 2005



"Seine elegant formulierten Analysen zeigen eindringlich, wie elementar ein aufgeklärtes Geschichtsbewusstsein für den Abbau kollektiver Mythen ist – wozu die langlebige Vorstellung gehört, selbst das „erste Opfer“ Hitlers gewesen zu sein."
Dietmar Süß, Süddeutsche Zeitung, 15. März 2005



"Das dem Buch seinen Namen gebende Anfangskapitel behandelt eine bekannte Paradoxie: Wie nämlich die Vergangenheit, die uns Tag für Tag entrückt, doch ebenso Tag für Tag schärfer ins Blickfeld gerät. (...) Eine Epoche, sagt Frei, findet ihr Ende; und mit Entschiedenheit wirft sich der neuerdings in Jena lehrende Historiker – anders als viele seiner Kollegen mit einem glasklaren Stil begabt, der aus ebensolchen Gedanken erwächst – in den Kampf um die Deutung dessen, was seit 1945 hinter den Deutschen liegt – und was auf sie zukommen wird in den kommenden Jahrzehnten."
Cord Aschenbrenner, Neue Zürcher Zeitung, 9. März 2005



"Brilliante Analysen des Umgangs der Deutschen mit der Hitler-Zeit im Wandel der Jahrzehnte."
Die Zeit, 24. Februar 2005



"Historiker sind nicht für Bequemlichkeiten zuständig, sie führen uns das Prekäre, das Unbehagliche vor Augen – jedenfalls wenn sie ihr Metier verstehen wie Norbert Frei. Er, der nach Jahren in Bochum jetzt in Jena lehrt, ist zurzeit sicherlich einer der deutungsmächtigsten deutschen Zeithistoriker. In seinem schmalen, aber gehaltvollen Band liefert er dafür einen neuen Beweis. (...) Norbert Frei trägt seinen Teil dazu bei, dass wir es uns nicht zu bequem machen. Seine Analysen sind messerscharf, seine Sprache ebenso luzide wie prägnant auf den Punkt."
Edgar Wolfrum, Die Zeit, 24. Februar 2005



Empfehlungen

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Bibliografische Reihen

Bibliografie

978-3-406-52954-2

224 S.

Hardcover

Hardcover 19,90 € Kaufen
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Frei, Norbert

1945 und wir

Das Dritte Reich im Bewußtsein der Deutschen

Sechs Jahrzehnte sind vergangen, seit Hitlers Herrschaft im Bunker unter der Reichskanzlei ihr Ende fand. Doch die Erinnerung an die NS-Zeit erscheint gegenwärtiger denn je. Liegt der Grund dafür – paradoxerweise – im Aussterben der Zeitzeugen? Und was hieße das für die Zukunft? 1945 und wir ist eine aktuelle Analyse des Umgangs der Deutschen mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit.
Für das Selbstverständnis der Bundesrepublik wurde der kritische Rückbezug auf die Erfahrungen des „Dritten Reiches“ seit den sechziger Jahren wichtig. Nach einem langen Jahrzehnt der Verdrängung setzte damals ein, was als „Vergangenheitsbewältigung“ die politische Kultur unseres Landes prägte. Diese Epoche geht nun zu Ende – nicht jedoch die Politik mit der Vergangenheit: Im Gange ist, vorangetrieben von der Generation der Kriegskinder, den späteren Achtundsechzigern, nichts weniger als eine Neujustierung unserer Geschichtsverhältnisse. In die Gedächtniskultur einer globalisierten Holocaust-Erinnerung drängt jetzt – und das ist augenscheinlich ein Problem – die intensive Verlebendigung von Bombenkrieg, Flucht und Vertreibung.
Webcode: https://www.chbeck.de/12890

Inhalt

1945 und wir
Die Gegenwart und die Vergangenheit

Deutsche Lernprozesse
NS-Vergangenheit und Generationenfolge seit 1945

Abschied von der Zeitgenossenschaft
Der Nationalsozialismus und seine Erforschung auf dem Weg in die Geschichte

Die Rückkehr des Rechts
Justiz und Zeitgeschichte nach dem Holocaust

Epochenjahr 1933
Der 30. Januar entschwindet dem historischen Bewußtsein

Mythos Stalingrad
Die «Kriegswende» in der Wahrnehmung der Deutschen

«Volksgemeinschaft»
Erfahrungsgeschichte und Lebenswirklichkeit de Hitler-Zeit

Erinnerungskampf
Der 20. Juli 1944 in den Bonner Anfangsjahren

Von deutscher Erfindungskraft
Oder: Die Kollektivschuldthese in der Nachkriegszeit

Auschwitz und die Deutschen
Geschichte, Geheimnis, Gedächtnis

Anhang
Anmerkungen
Abkürzungen
Textnachweise
Personenregister

Pressestimmen

"Das Buch beeindruckt durch die Stringenz, mit der es das Vergangenheitsverhältnis der Nachkriegszeit als eine Folge von "deutschen Lernprozessen" sichtbar macht. (...) Seine mit Scharfsinn und Schärfe betriebene Argumentation ist dabei, dem Verlust der Zeitgenossenschaft seine Chance abzuringen: eine Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, die sich von der bloßen, oft nur nachtretenden Kritik an der Bundesrepublik löst und sich sozusagen auf eigene Beine stellt. Frei führt selbst die Leitfigur dafür ein: Sie heißt „gelernte Zeitgenossenschaft“."
Hermann Rudolph, Der Tagesspiegel, 30. Mai 2005


"Beim Lesen wird klar, daß Frei ein Mann mit einer Mission ist. Er will, daß die öffentliche Wahrheit allein durch den rationalen Diskurs bestimmt wird, sieht also einen Widerspruch zwischen Wahrheit und Öffentlichkeit, die gerade in unseren medialen Zeiten immer problematischer wird. Daher sind diese Essays auch ein heroischer Versuch, die Geschichtswissenschaft vor Bildern und emotionalen Reaktionen zu retten, die sich nun gleichberechtigt, wenn nicht sogar übermächtig vor sie drängen."
Natan Sznaider, Die Welt, 21. Mai 2005


"Der in Jena lehrende deutsche Historiker Norbert Frei ist den Gründen für diesen Erinnerungs-Boom nachgegangen. Er kommt zu dem Schluss, dass wir tatsächlich am Ende einer Epoche angelangt sind, die im Begriff ist, Geschichte zu werden. Sowohl auf Opfer- wie auf Täterseite sterben die Zeitzeugen aus. Forschung, Analyse und Interpretationen liegen in den Händen Nachgeborener. Was wir erleben, ist das letzte Aufgebot derer, die dabei waren und noch einmal selbst erzählen wollen, wie es wirklich war. Was wir erleben, ist aber auch der Versuch der Geschichtsschreibung, analysierend und korrigierend in die Flut angeblich authentischer Erinnerungen einzugreifen. (...) Auf eindrückliche Art und Weise zeigt der Autor auf, dass Vergangenheitsbewältigung im Nachkriegsdeutschland kein in sich geschlossener Vorgang war, sondern ein langer, noch nicht abgeschlossener Prozess, der erst in den letzten zehn, fünfzehn Jahren „zu einem eigenständigen Thema der zeitgeschichtlichen Forschung“ geworden ist. Entsprechend interessant ist es, zu verfolgen, welche Phasen der Schuldverleugnung bzw. Schuldzuweisung die deutsche Nachkriegsgesellschaft durchlaufen und wie lange es gedauert hat, bis über die Erforschung verbrecherischer Strukturen hinaus auch die Frage nach der Verstrickung des Einzelnen in die wissenschaftliche Untersuchung einbezogen wurde."
Klara Obermüller, Neue Zürcher Zeitung am Sonntag, 8. Mai 2005


"Dieses Buch ist eine scharfsinnige, klar bis elegant formulierte Beschreibung deutscher Befindlichkeit – und auf ihres Wandels. In zehn Aufsätzen zeichnet der Jenaer Historiker Norbert Frei nach, wie die Deutschen, „Erfinder und Weltmeister der ‘Vergangenheitsbewältigung‘“, mit dem unbequemen Erbe der NS-Zeit umgegangen sind, von 1945 bis heute."
Stern, 31. März 2005


"Frei beschäftigt sich in seinem Buch (...) mit der Bedeutung des Generationenwechsels im Umgang mit der NS-Zeit. Diesen Umgang in Politik, öffentlichem Diskurs und der mit beiden eng verflochtenen Zeitgeschichtsforschung seit 1945 bis heute zu periodisieren, ist der Verdienst von Freis spannend zu lesender historischer Analyse."
Angela Gutzeit, Frankfurter Rundschau, 16. März 2005


"Seine elegant formulierten Analysen zeigen eindringlich, wie elementar ein aufgeklärtes Geschichtsbewusstsein für den Abbau kollektiver Mythen ist – wozu die langlebige Vorstellung gehört, selbst das „erste Opfer“ Hitlers gewesen zu sein."
Dietmar Süß, Süddeutsche Zeitung, 15. März 2005


"Das dem Buch seinen Namen gebende Anfangskapitel behandelt eine bekannte Paradoxie: Wie nämlich die Vergangenheit, die uns Tag für Tag entrückt, doch ebenso Tag für Tag schärfer ins Blickfeld gerät. (...) Eine Epoche, sagt Frei, findet ihr Ende; und mit Entschiedenheit wirft sich der neuerdings in Jena lehrende Historiker – anders als viele seiner Kollegen mit einem glasklaren Stil begabt, der aus ebensolchen Gedanken erwächst – in den Kampf um die Deutung dessen, was seit 1945 hinter den Deutschen liegt – und was auf sie zukommen wird in den kommenden Jahrzehnten."
Cord Aschenbrenner, Neue Zürcher Zeitung, 9. März 2005


"Brilliante Analysen des Umgangs der Deutschen mit der Hitler-Zeit im Wandel der Jahrzehnte."
Die Zeit, 24. Februar 2005


"Historiker sind nicht für Bequemlichkeiten zuständig, sie führen uns das Prekäre, das Unbehagliche vor Augen – jedenfalls wenn sie ihr Metier verstehen wie Norbert Frei. Er, der nach Jahren in Bochum jetzt in Jena lehrt, ist zurzeit sicherlich einer der deutungsmächtigsten deutschen Zeithistoriker. In seinem schmalen, aber gehaltvollen Band liefert er dafür einen neuen Beweis. (...) Norbert Frei trägt seinen Teil dazu bei, dass wir es uns nicht zu bequem machen. Seine Analysen sind messerscharf, seine Sprache ebenso luzide wie prägnant auf den Punkt."
Edgar Wolfrum, Die Zeit, 24. Februar 2005