Amartya Sen ist brillant, aufrichtig, bescheiden, grundsympathisch - und in Deutschland noch zu entdecken.“ So fasst es treffend der „Tagesspiegel“ zusammen. Dabei hat der große indische Ökonom und Philosoph die Welt mit seinen Arbeiten so nachhaltig verändert wie kaum ein anderer Intellektueller unserer Zeit. Seine bahnbrechenden Überlegungen zur Entwicklungsökonomie haben die Entwicklungspolitik revolutioniert, seine Studien über Identität und soziale Gerechtigkeit neue Maßstäbe gesetzt. Die Befähigung zu einem gelingenden Leben nicht nur für die Privilegierten, sondern auch für die Benachteiligten und Schwachen ist sein Lebensthema, ob es um die Rechte indischer Frauen geht, um den Schutz religiöser Minderheiten, den Kampf gegen die Kinderarbeit oder faire Handelsbedingungen zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden. Ein Robin Hood mit der Intelligenz eines Albert Einstein – so ist Amartya Sen zum Vorbild einer ganzen Generation geworden. Der Nobelpreis und mehr als 100 Ehrendoktorate auf der ganzen Welt legen davon Zeugnis ab. In diesem Monat wird ihm der Friedenspreis des deutschen Buchhandels verliehen. geforscht und ist in großen Zeitungen genauso präsent wie in sozialen Netzwerken.

1. Was haben Sie im Studium fürs Leben gelernt?
Ich habe gelernt, dass die Welt groß ist und jeder von uns in ihr herzlich willkommen sein sollte.
 

2. Womit haben Sie Ihr ersten Geld verdient?
Das müssen die kleinen Aufwandsentschädigungen gewesen sein, die ich von meinen Eltern erhielt.

3. Wie sieht ein gelungener Tag in Ihrem Leben aus?
Ein Tag, an dem ich genug Zeit habe, das zu lesen, was ich möchte.

 

4. Was nehmen Sie sich immer wieder vor?
Mit Freunden zu reden.
 

5. Was ertragen Sie nur mit Humor? 
Den gleichen Witz noch einmal zu hören.

 

6. Ein großes "Beinahe" in Ihrem Leben?
Ich hatte beinahe ein langes Gespräch mit Mahatma Gandhi, als er unsere Schule besuchte, aber seine Aufpasser schoben ihn zu einem anderen Treffen und ließen den kleinen Amartya wissen, dass er das Gespräch ein andermal fortsetzen müsse …

7. Der beste Ort der Welt?
Mein meistgeliebter Ort muss das Dorf meiner Vorfahren sein, Shantiniketan, in dem ich geboren wurde. Mein Lieblingsplatz dort ist die offene Veranda an der Hinterseite unseres Zuhauses, von wo aus ich die Welt sehen konnte.

 

8. Welche Künstler beeindrucken Sie?
Viele, aber Leonardo da Vinci nicht weniger als alle anderen.
 

9. Welche Eigenschaften schätzen Sie an einem Menschen am meisten?
Die Eigenschaft, sich nicht bewusst zu sein, großartige Eigenschaften zu haben.

10. Ihr liebstes Smalltalk-Thema?
Wie man die Welt unterhaltsamer machen kann!
 

11. Welcher Illusion geben Sie sich gerne hin?
Ein langes „Nachleben“ nach einem ebenso langen „Vorleben“!
 

12. Welche Zeitungen, Magazine und Blogs lesen Sie?
The New York Times, The Guardian, Ananda Bazar Patrika, The Economist, The New Yorker.
 

13. Ihre Lieblingsbuchhandlung?
Heffers in der Trinity Street in Cambridge.
 

14. Ihr Lieblingsmuseum?
Das British Museum in London.

15. Welchen Satz haben Sie sich zuletzt aus einem Buch notiert?
Keinen.

 

16. Welches Buch würde niemand in Ihrer Bibliothek erwarten?
Die Bücher über Luftfahrttechnik, die von einem Kurs stammen, den ich genommen habe, als ich Volkswirtschaft am MIT unterrichtet habe.


17. Ein Buch, das Ihr Leben verändert hat?
Das sind viele – ich bin sehr beeindruckbar. Das erste war vielleicht eine Anthologie mit Gedichten von Kazi Nazrul Islam in bengalischer Sprache.

 

 

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