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Kaufner, Dominik Alexander

Kloster, Stadt und Umland

Wirtschaftliche, memoriale und personelle Verflechtungen der Benediktinerabtei St. Emmeram in Regensburg (975-1326)

Die prägende Rolle, die geistliche Einrichtungen für die Entwicklung der städtischen Gesellschaft und Wirtschaft spielten, wird heute allgemein anerkannt. Die Formulierung ‚Kloster, Stadt und Umland‘ trägt der Tatsache Rechnung, dass das Kloster St. Emmeram zwar in der Stadt verankert war, aber auch mit dem Umland der Stadt in wechselseitiger Beziehung stand. Die von mir angestrebte Untersuchung möchte zeigen, dass das Kloster in hohem Maße in die Stadt und deren regionales Umfeld integriert war und dass seine Stellung im Gefüge der städtischen Gesellschaft darauf beruhte, dass urbane Gruppen, insbesondere Angehörige der urbanen Eliten, auf unterschiedlichste Weise mit dem Kloster verbunden waren. Ausgangspunkt meiner Untersuchung stellt die um die Jahrtausendwende zu beobachtende Neupositionierung des Klosters als Reaktion auf eine zunehmende Königsferne dar. Außerdem ergab sich mit der Loslösung vom Hochstift Regensburg im Jahre 975 auch im Verhältnis zum Regensburger Bischof eine ganz grundlegende Veränderung. Der Untersuchungszeitraum endet mit der Exemtion des Klosters im Jahre 1326, durch die das Streben der Mönche nach mehr Selbstständigkeit zunächst einmal zu einem Abschluss kam. Der Streit um die Selbstständigkeit des Klosters hatte sich seit der Jahrtausendwende wie ein roter Faden durch die Geschichte des Klosters gezogen.
Die Abtei St. Emmeram eröffnet dabei die Perspektive eines Benediktinerklosters, das schon früh, lange vor den Bettelorden, in einer sich allmählich emanzipierenden Stadt als sozialer Akteur auftrat. Dieses prominente Fallbeispiel ist daher in besonderer Weise geeignet, grundsätzliche Aussagen über das Zusammenwirken städtischer Klöster mit ihrem urbanen Umfeld zu treffen – nicht zuletzt, weil die wechselseitigen Beziehungen im Gegensatz zu den Mendikanten bis zu den Anfängen von Stadt und Kloster zurückverfolgt werden können.
Grundlegende Fragestellungen drehen sich vor allem um das ‚Wer?‘ und ‚Wie?‘: Welche Personengruppen standen in Beziehung zum Kloster und traten gleichsam in die Lücke, die das Nachlassen der königlichen Aufmerksamkeit hinterlassen hatte? Wie gestaltete sich dieses Verhältnis zwischen dem Kloster und den mit dem Kloster verbundenen Kreisen? Die Auswertung der Quellen macht deutlich, dass dabei Gruppenbeziehungen sowohl innerhalb als auch außerhalb des Klosters eine große Rolle spielten. Dieses Beziehungsgeflecht bestimmte in hohem Maße, wer zum Kreis der vom Kloster Begünstigten zählte und wer zu dessen ‚Freunden‘/‚amici‘ gerechnet wurde. Es illustriert die wirtschaftlichen, memorialen und personellen Beziehungen des Klosters zur Stadt und zur Bürgerschaft und zeigt dadurch zugleich ganz deutlich, dass Repräsentationsbedürfnis, Frömmigkeit, Sorge um das Seelenheil und wirtschaftliche Aspekte ganz eng, wenn nicht untrennbar, miteinander verwoben waren.

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Bibliografie

978-3-406-10787-0

Erschienen am 21. Oktober 2019

IX, 450 S., mit 11 Abbildungen und 10 Diagrammen

Hardcover

Hardcover 49,00 € Kaufen

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Bibliografie

978-3-406-10787-0

Erschienen am 21. Oktober 2019

IX, 450 S., mit 11 Abbildungen und 10 Diagrammen

Hardcover

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Kaufner, Dominik Alexander

Kloster, Stadt und Umland

Wirtschaftliche, memoriale und personelle Verflechtungen der Benediktinerabtei St. Emmeram in Regensburg (975-1326)

Die prägende Rolle, die geistliche Einrichtungen für die Entwicklung der städtischen Gesellschaft und Wirtschaft spielten, wird heute allgemein anerkannt. Die Formulierung ‚Kloster, Stadt und Umland‘ trägt der Tatsache Rechnung, dass das Kloster St. Emmeram zwar in der Stadt verankert war, aber auch mit dem Umland der Stadt in wechselseitiger Beziehung stand. Die von mir angestrebte Untersuchung möchte zeigen, dass das Kloster in hohem Maße in die Stadt und deren regionales Umfeld integriert war und dass seine Stellung im Gefüge der städtischen Gesellschaft darauf beruhte, dass urbane Gruppen, insbesondere Angehörige der urbanen Eliten, auf unterschiedlichste Weise mit dem Kloster verbunden waren. Ausgangspunkt meiner Untersuchung stellt die um die Jahrtausendwende zu beobachtende Neupositionierung des Klosters als Reaktion auf eine zunehmende Königsferne dar. Außerdem ergab sich mit der Loslösung vom Hochstift Regensburg im Jahre 975 auch im Verhältnis zum Regensburger Bischof eine ganz grundlegende Veränderung. Der Untersuchungszeitraum endet mit der Exemtion des Klosters im Jahre 1326, durch die das Streben der Mönche nach mehr Selbstständigkeit zunächst einmal zu einem Abschluss kam. Der Streit um die Selbstständigkeit des Klosters hatte sich seit der Jahrtausendwende wie ein roter Faden durch die Geschichte des Klosters gezogen.
Die Abtei St. Emmeram eröffnet dabei die Perspektive eines Benediktinerklosters, das schon früh, lange vor den Bettelorden, in einer sich allmählich emanzipierenden Stadt als sozialer Akteur auftrat. Dieses prominente Fallbeispiel ist daher in besonderer Weise geeignet, grundsätzliche Aussagen über das Zusammenwirken städtischer Klöster mit ihrem urbanen Umfeld zu treffen – nicht zuletzt, weil die wechselseitigen Beziehungen im Gegensatz zu den Mendikanten bis zu den Anfängen von Stadt und Kloster zurückverfolgt werden können.
Grundlegende Fragestellungen drehen sich vor allem um das ‚Wer?‘ und ‚Wie?‘: Welche Personengruppen standen in Beziehung zum Kloster und traten gleichsam in die Lücke, die das Nachlassen der königlichen Aufmerksamkeit hinterlassen hatte? Wie gestaltete sich dieses Verhältnis zwischen dem Kloster und den mit dem Kloster verbundenen Kreisen? Die Auswertung der Quellen macht deutlich, dass dabei Gruppenbeziehungen sowohl innerhalb als auch außerhalb des Klosters eine große Rolle spielten. Dieses Beziehungsgeflecht bestimmte in hohem Maße, wer zum Kreis der vom Kloster Begünstigten zählte und wer zu dessen ‚Freunden‘/‚amici‘ gerechnet wurde. Es illustriert die wirtschaftlichen, memorialen und personellen Beziehungen des Klosters zur Stadt und zur Bürgerschaft und zeigt dadurch zugleich ganz deutlich, dass Repräsentationsbedürfnis, Frömmigkeit, Sorge um das Seelenheil und wirtschaftliche Aspekte ganz eng, wenn nicht untrennbar, miteinander verwoben waren.
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