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Prodi, Paolo

Eine Geschichte der Gerechtigkeit

Vom Recht Gottes zum modernen Rechtsstaat

Paolo Prodis klar und transparent geschriebenes Buch ist ein Glanzstück politischer Ideengeschichte und fächerübergreifender Gelehrsamkeit. Es bietet nicht nur einen fundierten historischen Überblick über die Entwicklung des Gerechtigkeitsgedankens, sondern liefert zugleich den geistesgeschichtlichen Hintergrund, vor dem sich die aktuellen Debatten um Gewissen und Gesetz in ihrer ganzen Problematik und Reichweite besser verstehen lassen.
Paolo Prodi entwirft ein eindrucksvolles und weitgespanntes Panorama der Gerechtigkeitsvorstellungen, das vom Alten Testament und der griechischen Antike bis in die Gegenwart reicht. Ausgangspunkt sind dabei die religiös geprägten Auffassungen von iustitia, nach denen Gerechtigkeit zwischen den Menschen und Gerechtigkeit Gottes eng miteinander verbunden sind. Ab dem 13. Jahrhundert kommt es jedoch allmählich zu einem Pluralismus der Rechtsordnungen (Kirchenrecht, Naturrecht, Römisches Recht …) und der Gerichte. In der Folge treten das von verschiedenen konkurrierenden Instanzen gesetzte Recht und die Erfordernisse des nun individuell werdenden Gewissens auseinander. An die Stelle des allwissenden Gottes tritt mehr und mehr der allmächtige und omnipräsente Staat, der nun auch Gewissensfragen rechtlich zu regeln versucht. Und dieser Konflikt zwischen dem Gewissen des einzelnen und dem allgemeinen Gesetz der großen Institutionen bestimmt bis heute die Gerechtigkeitsproblematik, etwa in Fragen der Abtreibung, der Sterbehilfe oder der manipulierenden Eingriffe in die menschlichen Gene.
Von Paolo Prodi. Aus dem Italienischen von Annette Seemann. Aus dem Italienischen von Annette Seemann.

Inhalt
Vorwort

I. Gerechtigkeit der Menschen, Gerechtigkeit Gottes

  • 1. Jerusalem und Athen
  • 2. Von der Synagoge zur Kirche
  • 3. Die Urkirche und Rom
  • 4. Bußpraxis und Rechtsprechung in der Kirche der ersten Jahrhunderte
  • 5. Im christlichen Reich des Morgenlandes: Die Gerechtigkeit des Staates ist die Gerechtigkeit Gottes
  • 6. Die Ursprünge des Dualismus des Forums im Abendland
  • 7. Die Bußbücher
  • 8. Abaelard und die Geburt der christlichen Ethik

II. Die Gerechtigkeit der Kirche

  • 1. Die Papstrevolution
  • 2. Die Geburt des kanonischen Rechts als Ordnung
  • 3. Die Definition der Buße als Sakrament
  • 4. Das «De poenitentia» bei Gratian und den Dekretisten
  • 5. Die Verpflichtung zur jährlichen Beichte «proprio sacerdoti»
  • 6. Die ersten «Summae confessorum»
  • 7. Die Inquisition und die geheime Sünde
  • 8. Die Exkommunikation, die «reservierten Sünden» und die Entwicklung der Pönitenziarie

III. Utrumque ius in utroque foro

  • 1. Der Pluralismus der Institutionen
  • 2. Naturrecht und römisches Recht
  • 3. Das Problem des «ius commune»
  • 4. Allgemeine und partikulare Rechte
  • 5. Utrumque ius in utroque foro
  • 6. Die Geburt des öffentlichen Strafrechts
  • 7. Die «differentiae inter ius canonicum et civile»
  • 8. Die Unterschiede zwischen kanonischem Recht und Theologie: «ius fori» und «ius poli»
  • 9. Das Gesetz als Problem

IV. Der Konflikt zwischen Gewissen und Gesetz

  • 1. Der Aufstieg des positiven Gesetzes
  • 2. Der Papst als Souverän: Gesetzgeber und Richter
  • 3. Die Justiz der Fürsten
  • 4. Die neuen normativen Welten
  • 5. Der Bruch zwischen Gewissen und positivem Recht: Jean Gerson
  • 6. Die moralische Norm zwischen göttlichem und positivem Recht
  • 7. Gewissenspflicht beim positiven Recht?
  • 8. Strafgesetz und moralisches Gesetz
  • 9. Angst und Beichte, Sünde und Straftat am Vorabend der Reformation

V. Die evangelisch-reformierte Lösung

  • 1. Konfessionalisierung und die Entstehung der Landeskirchen
  • 2. Das radikale Christentum
  • 3. Zwei Reiche und drei Foren: Die evangelische Kirche zwischen Bewegung und Institution
  • 4. Die Stadt, das neue Jerusalem
  • 5. Vom kanonischen Recht zum «ius ecclesiasticum protestantium»
  • 6. Die «Kirchenordnungen»
  • 7. Das innere Forum und die Privatbeichte
  • 8. Die öffentliche Buße und die Exkommunikation
  • 9. Sünde und Straftat

VI. Die katholisch-tridentinische Lösung

  • 1. Das Konzil von Trient und die Moderne
  • 2. Das Konzil von Trient und das kanonische Recht
  • 3. Der Niedergang des kanonischen Rechts
  • 4. Das Bußforum: Die tridentinische Beichte
  • 5. Das bischöfliche Forum
  • 6. Die Beichte und die «reservatio casuum»
  • 7. Die Gerichte der römischen Kurie
  • 8. Zwischen «Regimen reipublicae christianae» und indirekter Macht
  • 9. Paolo Sarpi

VII. Die Norm: Das Recht der Moral

  • 1. Die Verrechtlichung des Gewissens
  • 2.. Die Geburt der Moraltheologie
  • 3. Die Traktate «de iustitia et iure»
  • 4. Vom Naturrecht zur Naturrechtsphilosophie
  • 5. Die protestantische Ethik
  • 6. Die weltliche Ethik
  • 7. Hugo Grotius
  • 8. Gewissensgesetze versus positive Gesetze
  • 9. Der «Fall» Pascal
  • 10. Die katholische Norm der Moral
  • 11. Von der evangelischen Norm zum moralischen Gesetz Kants

VIII. Die Norm: Die Rechtsmoral

  • 1. Die Sakralisierung des Rechts
  • 2. Macht und Recht: Omnipotenz und Souveränität
  • 3. Wissenschaft und Allwissenheit des Staates
  • 4. Sünde und Vergehen
  • 5. Subjektive Rechte und Verfassungen
  • 6. Die Ursprünge des alleinigen Rechts des Staates, Strafen zu garantieren
  • 7. Die zwei Gesichter des neuen Strafrechts
  • 8. Recht und Moral im Zeitalter der Verfassungen und Kodifikationen
  • 9. Die christliche Moral
  • 10. Sünde und Straftat im Zeitalter der Kodifikationen

IX. Aktuelle Überlegungen: Die eindimensionale Norm

  • 1. Nur eine Geschichte
  • 2. Die begrifflichen Bausteine: Moralische und rechtliche Norm
  • 3. Vom Pluralismus der Institutionen zum modernen Dualismus
  • 4. Moralische Norm und Kirchen: Die Diagnose Dietrich Bonhoeffers
  • 5. Kanonisches Recht, Sünde und Straftat
  • 6. Eine Ethik ohne Kirche?
  • 7. Die eindimensionale Norm

Anmerkungen
Personenregister

Empfehlungen

}

Bibliografische Reihen

Bibliografie

978-3-406-49519-9

2. Auflage , 2005

488 S.

Hardcover (In Leinen)

Hardcover (In Leinen) 48,00 € Kaufen

Prodi, Paolo

Eine Geschichte der Gerechtigkeit

Vom Recht Gottes zum modernen Rechtsstaat

Paolo Prodis klar und transparent geschriebenes Buch ist ein Glanzstück politischer Ideengeschichte und fächerübergreifender Gelehrsamkeit. Es bietet nicht nur einen fundierten historischen Überblick über die Entwicklung des Gerechtigkeitsgedankens, sondern liefert zugleich den geistesgeschichtlichen Hintergrund, vor dem sich die aktuellen Debatten um Gewissen und Gesetz in ihrer ganzen Problematik und Reichweite besser verstehen lassen.
Paolo Prodi entwirft ein eindrucksvolles und weitgespanntes Panorama der Gerechtigkeitsvorstellungen, das vom Alten Testament und der griechischen Antike bis in die Gegenwart reicht. Ausgangspunkt sind dabei die religiös geprägten Auffassungen von iustitia, nach denen Gerechtigkeit zwischen den Menschen und Gerechtigkeit Gottes eng miteinander verbunden sind. Ab dem 13. Jahrhundert kommt es jedoch allmählich zu einem Pluralismus der Rechtsordnungen (Kirchenrecht, Naturrecht, Römisches Recht …) und der Gerichte. In der Folge treten das von verschiedenen konkurrierenden Instanzen gesetzte Recht und die Erfordernisse des nun individuell werdenden Gewissens auseinander. An die Stelle des allwissenden Gottes tritt mehr und mehr der allmächtige und omnipräsente Staat, der nun auch Gewissensfragen rechtlich zu regeln versucht. Und dieser Konflikt zwischen dem Gewissen des einzelnen und dem allgemeinen Gesetz der großen Institutionen bestimmt bis heute die Gerechtigkeitsproblematik, etwa in Fragen der Abtreibung, der Sterbehilfe oder der manipulierenden Eingriffe in die menschlichen Gene.
Von Paolo Prodi. Aus dem Italienischen von Annette Seemann. Aus dem Italienischen von Annette Seemann.
Webcode: https://www.chbeck.de/12444

Inhalt

Vorwort

I. Gerechtigkeit der Menschen, Gerechtigkeit Gottes

  • 1. Jerusalem und Athen
  • 2. Von der Synagoge zur Kirche
  • 3. Die Urkirche und Rom
  • 4. Bußpraxis und Rechtsprechung in der Kirche der ersten Jahrhunderte
  • 5. Im christlichen Reich des Morgenlandes: Die Gerechtigkeit des Staates ist die Gerechtigkeit Gottes
  • 6. Die Ursprünge des Dualismus des Forums im Abendland
  • 7. Die Bußbücher
  • 8. Abaelard und die Geburt der christlichen Ethik

II. Die Gerechtigkeit der Kirche

  • 1. Die Papstrevolution
  • 2. Die Geburt des kanonischen Rechts als Ordnung
  • 3. Die Definition der Buße als Sakrament
  • 4. Das «De poenitentia» bei Gratian und den Dekretisten
  • 5. Die Verpflichtung zur jährlichen Beichte «proprio sacerdoti»
  • 6. Die ersten «Summae confessorum»
  • 7. Die Inquisition und die geheime Sünde
  • 8. Die Exkommunikation, die «reservierten Sünden» und die Entwicklung der Pönitenziarie

III. Utrumque ius in utroque foro

  • 1. Der Pluralismus der Institutionen
  • 2. Naturrecht und römisches Recht
  • 3. Das Problem des «ius commune»
  • 4. Allgemeine und partikulare Rechte
  • 5. Utrumque ius in utroque foro
  • 6. Die Geburt des öffentlichen Strafrechts
  • 7. Die «differentiae inter ius canonicum et civile»
  • 8. Die Unterschiede zwischen kanonischem Recht und Theologie: «ius fori» und «ius poli»
  • 9. Das Gesetz als Problem

IV. Der Konflikt zwischen Gewissen und Gesetz

  • 1. Der Aufstieg des positiven Gesetzes
  • 2. Der Papst als Souverän: Gesetzgeber und Richter
  • 3. Die Justiz der Fürsten
  • 4. Die neuen normativen Welten
  • 5. Der Bruch zwischen Gewissen und positivem Recht: Jean Gerson
  • 6. Die moralische Norm zwischen göttlichem und positivem Recht
  • 7. Gewissenspflicht beim positiven Recht?
  • 8. Strafgesetz und moralisches Gesetz
  • 9. Angst und Beichte, Sünde und Straftat am Vorabend der Reformation

V. Die evangelisch-reformierte Lösung

  • 1. Konfessionalisierung und die Entstehung der Landeskirchen
  • 2. Das radikale Christentum
  • 3. Zwei Reiche und drei Foren: Die evangelische Kirche zwischen Bewegung und Institution
  • 4. Die Stadt, das neue Jerusalem
  • 5. Vom kanonischen Recht zum «ius ecclesiasticum protestantium»
  • 6. Die «Kirchenordnungen»
  • 7. Das innere Forum und die Privatbeichte
  • 8. Die öffentliche Buße und die Exkommunikation
  • 9. Sünde und Straftat

VI. Die katholisch-tridentinische Lösung

  • 1. Das Konzil von Trient und die Moderne
  • 2. Das Konzil von Trient und das kanonische Recht
  • 3. Der Niedergang des kanonischen Rechts
  • 4. Das Bußforum: Die tridentinische Beichte
  • 5. Das bischöfliche Forum
  • 6. Die Beichte und die «reservatio casuum»
  • 7. Die Gerichte der römischen Kurie
  • 8. Zwischen «Regimen reipublicae christianae» und indirekter Macht
  • 9. Paolo Sarpi

VII. Die Norm: Das Recht der Moral

  • 1. Die Verrechtlichung des Gewissens
  • 2.. Die Geburt der Moraltheologie
  • 3. Die Traktate «de iustitia et iure»
  • 4. Vom Naturrecht zur Naturrechtsphilosophie
  • 5. Die protestantische Ethik
  • 6. Die weltliche Ethik
  • 7. Hugo Grotius
  • 8. Gewissensgesetze versus positive Gesetze
  • 9. Der «Fall» Pascal
  • 10. Die katholische Norm der Moral
  • 11. Von der evangelischen Norm zum moralischen Gesetz Kants

VIII. Die Norm: Die Rechtsmoral

  • 1. Die Sakralisierung des Rechts
  • 2. Macht und Recht: Omnipotenz und Souveränität
  • 3. Wissenschaft und Allwissenheit des Staates
  • 4. Sünde und Vergehen
  • 5. Subjektive Rechte und Verfassungen
  • 6. Die Ursprünge des alleinigen Rechts des Staates, Strafen zu garantieren
  • 7. Die zwei Gesichter des neuen Strafrechts
  • 8. Recht und Moral im Zeitalter der Verfassungen und Kodifikationen
  • 9. Die christliche Moral
  • 10. Sünde und Straftat im Zeitalter der Kodifikationen

IX. Aktuelle Überlegungen: Die eindimensionale Norm

  • 1. Nur eine Geschichte
  • 2. Die begrifflichen Bausteine: Moralische und rechtliche Norm
  • 3. Vom Pluralismus der Institutionen zum modernen Dualismus
  • 4. Moralische Norm und Kirchen: Die Diagnose Dietrich Bonhoeffers
  • 5. Kanonisches Recht, Sünde und Straftat
  • 6. Eine Ethik ohne Kirche?
  • 7. Die eindimensionale Norm

Anmerkungen
Personenregister