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Badinter, Elisabeth

Der Konflikt

Die Frau und die Mutter

"Elisabeth Badinter sorgt mit ihren Thesen erneut für einen handfesten Skandal."
Martina Meister, Frankfurter Rundschau

Die Freiheiten, die sich Frauen einmal erkämpft haben, sind seit 30 Jahren zunehmend bedroht – in Deutschland noch mehr als in Frankreich. Elisabeth Badinter, Feministin, Philosophin und Bestsellerautorin, macht dafür die neuen Ideale von der perfekten Mutter verantwortlich. Sie flößen allen Müttern ein schlechtes Gewissen ein, die ihrem Kind nicht ständig den Vorrang vor sich selbst, ihrem Partner und ihrem Beruf einräumen.
„Ich bin eine mittelmäßige Mutter, wie vermutlich die meisten Frauen“, sagt Elisabeth Badinter. Doch so freimütig äußern sich heute nur wenige. Dominiert wird das neue Mutterbild vom Diktat der Natur. Natürlich sei, so heißt es, die ständige Nähe zwischen Mutter und Kind; sie sei für die gesamte Entwicklung des Kindes unverzichtbar. Natürlich sei das Stillen; es sei daher weit über das erste Jahr hinaus moralisch geboten. Und überhaupt müsse man Frauen über ihre natürliche Mutterrolle definieren. Aber was ist wirklich natürlich? Und sollen Frauen im Namen der Natur wieder verzichten lernen?

Elisabeth Badinter scheidet in ihrer klugen Polemik die Wahrheiten von den Mythen des nur angeblich Natürlichen. Gegen das moralische Diktat der Natur setzt sie die Freiheit der Frauen, ihr eigenes Leben und die Beziehung zu ihren Kindern selbst zu gestalten. Schließlich führt die Angst, keine vollkommene Mutter sein zu können, gerade in Deutschland bei vielen Frauen zum Verzicht auf Kinder. Ein weitsichtiges Buch, das zum Umdenken zwingt.
Von Elisabeth Badinter. Aus dem Französischen von Ursula Held und Stephanie Singh.

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Bibliografie

978-3-406-60801-8

Erschienen am 15. Januar 2014

Statt 17,95 € jetzt nur noch 7,95 €

2. Auflage, 2010

222 S.

Hardcover

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Inhalt
Vorwort zur deutschen Ausgabe: Rabenmütter oder Pelikanmütter?

Vorwort: Die stille Revolution


TEIL I: EINE BESTANDSAUFNAHME
Erstes Kapitel: Die Ambivalenzen der Mutterschaft
Die Qualen der Freiheit
Die Folgen der Ambivalenz


TEIL II: DIE NATURALISTISCHE OFFENSIVE
Zweites Kapitel: Die Heilige Allianz der «Reaktionäre»
Von der Umweltpolitik zur ökologischen Mutterschaft
Wie die Wissenschaft den Mutterinstinkt wiederentdeckte
Die 180-Grad-Wende des Feminismus


Drittes Kapitel: Mütter, ihr seid ihnen alles schuldig!
Mutterschaft und Askese
Der Kampf um die Milch
Die Bilanz


Viertes Kapitel: Die Herrschaft des Babys
Erst die Mutter, dann der Vater
Erst das Baby, dann das Paar
Erst das Kind, dann die Frau



TEIL III: WENN DIE LAST ZU GROSS WIRD …
Fünftes Kapitel: Die Vielfalt weiblicher Ambitionen
Die Mutterfrau
Von der Verweigerung zum ständigen Aufschub
Frau und Mutter


Sechstes Kapitel: Der Gebärstreik
Wo die mütterlichen Pflichten am stärksten belasten
Die Herausbildung eines neuen Lebensstils
Auf der Suche nach einer neuen Definition der Weiblichkeit


Siebtes Kapitel: Der Fall Frankreich
« Mittelmäßige» Mütter, aber immerhin Mütter …
Eine alte Tradition: Erst die Frau, dann die Mutter



Anmerkungen
Literatur
Pressestimmen

Pressestimmen

"'Die Mutter', sagt die französische Philosophin Elisabeth Badinter, 'wird als Säugetier angepriesen. Das steht im Zentrum dieser Ideologie des Mutterinstinkts. Irgendwie gibt es da eine unbewusste Parallele zwischen der menschlichen Mutter und der Katzenmutter. Wenn die kleinen Katzen auf die Welt kommen, legen die Katzenweibchen ein sehr stereotypes Verhalten der totalen Selbstaufopferung gegenüber ihren Jungen an den Tag. Und man möchte glauben, dass das bei Frauen genauso ist.' Badinter nennt das 'religiösen Naturalismus', und der macht sich in vielen Bereichen breit."
Anna Bernard, ZDF aspekte, 11. März 2011



"Währen die einen sich rühmen, alles für ihr Kind zu tun, sprechen sich andere Frauen genau gegen diesen Trend aus: die französische Philosophin und Feministin Elisabeth Badinter zum Beispiel. Gerade ist ihr Buch 'Der Konflikt. Die Frau und die Mutter' auf deutsch erschienen. Badinter spricht sich gegen den derzeitigen Trend zum Stillen aus. Die Organisation 'La Leche Liga' beschreibt sie als eine Mafia, die die Emanzipation rückgängig machen will. Dabei stört Badinter sich nicht am Stillen selbst, sondern an der Vehemenz mit der junge Mütter dazu aufgefordert werden. 'Mütter, die lieber die Flasche geben und sich deshalb nicht in gleicher Weise mit ihrem Baby körperlich verbunden fühlen können, werden stigmatisiert', schreibt sie. 'Die Botschaft ist klar: Eine gute Mutter ist eine Mutter, die stillt.' Wer sich diesem Ideal widersetze, müsse eine immense Charakterstärke aufbringen."
FOCUS Online, Oktober 2010



"Fast 30 Jahre nach ihrer einflussreichen Kulturgeschichte der Mutterschaft, legt Badinter nun eine Art 'Mutterliebe revisited' vor. 'Der Konflikt. Die Frau und die Mutter' macht gleich im Titel klar, dass sich die Dinge nicht zum Besseren verändert haben. Auch in Frankreich, wenn auch dort mit Verzögerung. Badinters Analyse ist kühl und selbstbewusst."
Julia Kospach, Der Falter, Buchbeilage zur Messe 39/2010, 29. September 2010



"Ihr Thema ist auch weniger das Glück, das Kinder ihren Eltern geben können. Was Badinter stattdessen will, ist nichts weniger als die Frau aus ihrer Mutterrolle zu befreien, in die sie immer mehr gedrängt werde. (…) Es geht ihr um das Schicksal der feministischen Bewegung, der sie in den 70ern angehörte und die sie im Rückzug sieht – wegen dem allgemein gültigen Zurück-zur-Natur, wegen einer 'Naturalisierung' der Mutterschaft, der sich viele Frauen zunehmend widerstandslos ergeben würden."
Vladimir Balzer, Deutschlandradio Kultur, 13. September 2010



"Deutsche Frauen bekommen wenig Kinder. Das sagt Thilo Sarrazin. Seine These: Deutschland schrumpft und verdummt, weil die Besten und Klügsten keine Kinder mehr zur Welt bringen. (…) Gründe für den Geburtenrückgang in der so genannten Mittelschicht nennt Sarrazin nicht. Fakt ist: Kinderlose deutsche Frauen sind meist gut ausgebildete Akademikerinnen. Aber warum? Die französische Philosophin Elisabeth Badinter spricht von einem ‚Gebärstreik’. Badinters These besagt, der deutsche Mutterwahn treibe selbstbestimmte Frauen regelrecht in die Kinderlosigkeit."
3sat Kulturzeit, 9. September 2010



"Die französische Feministin Elisabeth Badinter macht in ihrem aktuellen Buch ‚Der Konflikt: Die Frau und die Mutter’ das Stillen als Ausdruck eines neuen Mütterideals verantwortlich für die Stagnation der Gleichberechtigung. Nachdem wir gestern mit der deutschen Philosophin und Literaturprofessorin Barbara Vinken gesprochen haben, die die Meinung Badinters weitgehend teilt, will ich jetzt mit einer Mutter und Karrierefrau sprechen, die noch in der DDR sozialisiert wurde, Katrin Göring-Eckardt von Bündnis 90/Die Grünen, hat Familie und Karriere immer miteinander verbunden."
Katrin Heise, Deutschlandradio Kultur, 8. September 2010



Barbara Vinken im Gespräch mit Susanne Führer:
"Führer: Die französische Philosophin Elisabeth Badinter ist sehr beunruhigt, denn die Gleichberechtigung von Frau und Mann, für die sie - sie ist Jahrgang 1944 -, für die sie jahrzehntelang gekämpft hat, die sei in großer Gefahr. Die Wirtschaftskrise und das Ideal der guten, der perfekten Mutter sorgen nämlich dafür, meint sie, dass die Frauen wieder zu Hause bleiben und sich um Kinder und Haushalt kümmern, während die Männer das Geld verdienen. Alles wie früher also. Darüber, dagegen hat Elisabeth Badinter ein Buch geschrieben, es heißt ‚Der Konflikt: Die Frau und Mutter’. In Frankreich ist das ein heiß diskutierter Bestseller, der inzwischen auch auf Deutsch vorliegt. Am Telefon ist jetzt die Feministin und Publizistin Barbara Vinken, Professorin für Literaturwissenschaft an der Uni München. Guten Morgen! (...)
Vinken: (...) Badinter behandelt das Stillen vor allen Dingen als ein ideologisches Gebot, das die Frauen, eben wie man ja weiß, an die Kinder bindet und sie damit für andere, also für Berufstätigkeit oder zur Ehefrau, eben ungeeignet macht. Da muss man sehen, dass es inzwischen in Frankreich ganz anders ist als in Deutschland. In Frankreich empfehlen die klassischen Erziehungsbücher, das mit dem Ehemann oder mit dem Partner abzusprechen, ob man stillen soll. (...)
Aber ich finde, das Hauptargument von der Badinter ist wirklich ein bedenkenswertes: In einer Gesellschaft, die lustorientiert ist - was man auch für unsere Gesellschaften sagen kann -, gleichzeitig aber das Mutterideal, von der Mutter so viel gefordert wird, dass sie dieser Lustbesetzung oder man kann auch sagen, der Pflicht, die daran gebunden ist, glaubt, nicht nachgehen zu können, hat das für den Fortbestand von Gesellschaft ein ganz, ein (...) Ja, es führt dazu, dass diese Gesellschaft nicht mehr fortbesteht. Und das ist ja praktisch in Deutschland der Fall."
Susanne Führer und Barbara Vinken, Deutschlandradio Kultur, 7. September 2010



"In ihrem neuen Buch, das in Frankreich für Furore sorgte und nun auch hierzulande die Gemüter erhitzt, tritt Elisabeth Badinter gegen solchen ‚Naturalismus’ an, der die hart erkämpften Freiheiten und Gleichheitsrechte der Frauen in Frage stelle. Eindringlich warnt sie vor einer Rückkehr zum traditionellen Rollenbild, das den Männern erlaube, sich ohne weibliche Konkurrenz ihrem Beruf zu widmen und im Haushalt keinen Finger krumm zu machen."
Marion Lühe, Märkische Allgemeine, 3. September 2010



"Was die Autorin besonders erzürnt: Auch beruflich erfolgreiche Geschlechtsgenossinnen zeigen sich für den vermeintlichen Ruf von Mutter Natur empfänglich. Sie werfen ihren Filofax in die Seine, fortan diktiert der kindliche Stoff- und Windelwechselrhythmus ihren Terminkalender. Der Spross aus der Welt, wo Muttermilch und Öko-Honig fließen, dankt es mit einem optimierten Hirn. (…) Viele Sätze schneiden tief ins Mutterherz, doch Badinter verletzt auf hohem Niveau. Kühl und klug argumentiert sie, allein das macht die Schrift der Französin zur anregenden Ausnahme auf dem deutschen Erregungs-Buchmarkt."
Christiane Florin, Rheinischer Merkur, 2. September 2010



Ester Elionore Haldimann im Gespräch mit Elisabeth Badinter:
"Elisabeth Badinter ist in Frankreich eine streitbare Größe. Die Philosophin und Feministin verurteilt die neuen Ideale der perfekten, natürlichen Mutter als feministischen Rückschritt, sie ist gegen die Opferrolle der Frau. Und sie wehrt sich gegen die strikte Unterscheidung der Identität von Männern und Frauen. (…)
[Badinter:] Eine Mutter ist auch eine Frau. Wir berücksichtigen, dass die Frau soziale, kulturelle und gesellschaftliche Verpflichtungen hat. Diese Frau wird respektiert und bewundert. Sie gilt in Frankreich nicht als Rabenmutter. Das französische Frauenmodell macht Frauen nicht nur zur Mutter. Diese Schlüsselidee vereint die finanzielle Unabhängigkeit der Frau, ihre persönlichen Interessen und die Kinder."
Ester Elionore Haldimann, Welt der Frau, September 2010



"In ihrem neuen Buch, das in Frankreich für Furore sorgte, tritt Elisabeth Badinter gegen den ‘Naturalismus’ an, der die hart erkämpften Freiheiten und Gleichheitsrechte der Frauen in frage stellte. Unter der Berufung auf angeborene Mutterinstinkte kehre eine wachsende Zahl junger Französinnen zum traditionellen Rollenbild zurück – ganz im Sinne der Männer, die sich ohne weibliche Konkurrenz ihrem Beruf widmen könnten und im Haushalt keinen Finger krumm zu machen bräuchten."
Marion Lühe, Tages-Anzeiger, 31. August 2010



"Woran es liegt, dass sich an dieser Ungleichbehandlung noch immer nichts geändert hat? Wir wissen es doch. Die französische Soziologin Elisabeth Badinter hat in ihrem jüngsten Buch 'Der Konflikt. Die Frau und die Mutter' wieder aufgezeigt, dass in jenen europäischen Ländern die meisten Kinder geboren werden, in denen man es den Frauen ermöglicht – durch Kindertagesstätten und Halbtagsjobs etwa – Beruf und Familie zu verbinden. Zugleich gab sie aber zu bedenken, es sei damit nicht getan. Man brauche 'eine tiefgreifende feministische Reform der Gesellschaft, welche die Politik genauso wie die Unternehmen umfasst, vor allem aber auch die Männer selbst'. Erst wenn diese einsehen, dass Gleichberechtigung nicht nur die Rolle der Frauen, sondern auch ihre eigene verändert, hätten die Frauen eine Chance, ihnen wirklich gleichgestellt zu sein. Elisabeth Badinter stellt zu Recht fest, dass an diesem Punkt zu wenig geschehen ist. Man hört es an jenen Stimmen, die immer öfter und zunehmend frustriert darauf hinweisen, dass es einfach nicht möglich sei, Kinder und Beruf unter einen Hut zu bekommen."
Lena Bopp, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Februar 2011



"Elisabeth Badinter hat ein sehr kluges Buch gegen den weltweit, jedoch vor allem in Deutschland grassierenden Mutterwahn geschrieben: 'Der Konflikt – Die Frau und die Mutter' (Buchauszug in der aktuellen Print-EMMA). Die Philosophin und Mutter dreier Kinder kritisiert darin scharf die Rückkehr zum 'traditionellen Naturalismus', zum Stillzwang und der Das-Kind-braucht-die-Mutter-Ideologie. Was für große Aufregung in Deutschland unter den emanzipierten Journalistinnen sorgt."
EMMA, 31. August 2010



"Elisabeth Badinter, 66, gilt in Frankreich als Meinungs-Supermacht. Durch die Radikalität ihrer feministischen Thesen provoziert die Professorin für Philosophie an der Pariser Eliteuniversität École Polytechnique seit Jahrzehnten quer durch alle ideologischen Lager. Auch mit ihrem jüngsten Buch 'Der Konflikt. Die Frau und die Mutter' (eben erschienen bei C.H.Beck) löste die Mutter dreier Kinder, die mit Robert Badinter, dem ehemaligen Justizminister von Francois Mitterrand, verheiratet ist, Zorn und heftige Kritik aus vor allem unter den Feministinnen im grünen Lager."
Angelika Hager, Profil, 30. August 2010



"Madame Badinter, in Ihrem neuen Buch ’Der Konflikt’ sagen Sie, die Emanzipation sei in Gefahr, weil die Frauen in die Rolle der Vollzeitmutter gedrängt werden. Würden Sie sich heute noch für Kinder entscheiden?
Ich muss Ihnen ehrlich sagen: Ich bin nicht sicher. Als ich Mutter wurde, Anfang der Sechzigerjahre, stand es gar nicht zur Debatte, kinderlos zu bleiben. Ich bekam mit 22 mein erstes Kind. Innerhalb von dreieinhalb Jahren hatte ich drei. Aber wenn ich jetzt 30 wäre und in Deutschland oder auch in der Schweiz leben würde, würde ich vielleicht kinderlos bleiben. (…) [Immer] mehr rational denkende Frauen [machen] einfach keine Kinder mehr. Das wiederum wird zum veritablen Problem: für die Rente, für die ganze Gesellschaft. Und welches Land möchte sich schon in Luft auflösen, weil die Frauen keine Kinder mehr haben? (...) Ich bin Kämpferin, ja eine Partisanin für die Freiheit. Ich befinde mich im Krieg mit all denen, die sich nach Einheitsmodellen richten. Es gibt Frauen, die ihr Glück darin finden, zu stillen und 24 Stunden mit dem Baby zusammen zu sein, und das sollen sie auch so machen. (...)
Die Philosophin Elisabeth Badinter, 66, löst mit ihrer Streitschrift ’Der Konflikt’ eine Großdebatte aus. Die französische Frauenrechtlerin beschreibt darin, wie Frauen in die Rolle der perfekten Mutter gedrängt werden und ihre Karrieren vernachlässigen."
Oliver Zihlmann und Claudia Schmid, SonntagsZeitung, 29. August 2010



Elisabeth Badinter im Gespräch mit Jeanne Rubner:
"Sie haben eine Tochter. Was sagt die eigentlich zu Ihren Thesen?
Sie ist sehr, sehr solidarisch. Ich habe ihr mein Buchmanuskript gegeben und hatte etwas Angst, dass sie mich kritisieren würde. Aber nein. Sie findet es richtig, was ich schreibe. Dabei ist die sehr zufrieden mit ihrem Leben. Sie ist 43, hat einen Job, zwei Kinder.
Waren Sie eine gute Mutter?
Nein – wie die große Mehrheit der Frauen war ich eher eine schlechte Mutter. Wir treffen doch oft Entscheidungen für unsere Kinder, die sich später als falsch herausstellen. Die Mutter, von der wir alle träumen, die ist so rar wie Mozart. Ich kenne nur eine einzige; sie ist ausgeglichen, ihre Kinder sind ausnehmend gut geraten. Das Geheimnis liegt wohl in der richtigen Distanz. Außerdem können wir für das eine Kind eine gute Mutter sein und für das andere eine weniger gute. (...)
Wie muss eine Welt aussehen, in der Frauen nicht benachteiligt sind?
So banal es klingt: Es ist das Prinzip Teilen. Partner müssen ihre Aufgaben teilen. Es ist undenkbar, dass wir weiterhin akzeptieren, dass Männer sich weigern, Verantwortung für die Familie, für den Haushalt zu übernehmen. Darüber müssen wir reden, auch wenn es manchen verstaubt vorkommt. Ich träume seit langem davon, dass ein französischer Präsident eine große, intelligente Rede über die unglaubliche Ungerechtigkeit im Privatleben hält. Ich weiß, dass es schwierig ist, das lässt sich nicht in einer Generation ändern. Und als Frau mag man auch nicht immer zu Hause herumschreien oder dem Mann den Putzeimer in die Hand drücken, das belastet ja das Leben ungemein. Aber wir dürfen es den Männern nicht zu leicht machen. (...)"
Jeanne Rubner, Süddeutsche Zeitung, 28. August 2010



"In Deutschland wäre es undenkbar, dass ein Buch wie Elisabeth Badinters 'Der Konflikt. Die Frau und die Mutter' geschrieben würde. Das liegt nicht nur an der Person der Autorin, einer Intellektuelle, wie man sie hier kaum finden wird: Elisabeth Badinter, Mutter von drei Kindern, Ehefrau des früheren Justizministers Robert Badinter, hat eine brillante akademische Karriere gemacht. Ja mehr noch, ihre Bücher führen die Bestsellerlisten an. Dabei ist sie Aufsichtsratsvorsitzende von Publicis, der von ihrem Vater gegründeten, viertgrößten Kommunikationsagentur der Welt. Im öffentlichen Leben Frankreichs ist sie so etwas wie die Hohepriesterin der republikanischen Werte. So hat sie sich kürzlich für das Verbot der Burka in öffentlichen Räumen eingesetzt. Zu den Werten der Republik gehört für sie der in der Revolution geforderte, im anschließenden terreur verlorene Kampf um die Gleichheit der Geschlechter. In Deutschland gibt es keine weibliche Figur aus der Großbourgeoisie, die mit intellektueller Verve eine derart exponierte Position vertritt. Aber nicht nur das ist bemerkenswert. Ein Buch über den Konflikt zwischen Mutter und Frau könnte man in Deutschland nicht schreiben, weil es diesen Konflikt nicht gibt. (…) Alles, was Badinter in ihrem Buch als ein Drohszenario an die Wand malt, das in Zukunft einmal wahr werden könnte, ist in Deutschland immer schon schlichte Realität."
Barbara Vinken, taz, 28. August 2010



"Der Aufschrei in Frankreich war riesig, als die feministische Philosophin und Soziologin Elisabeth Badinter ihre provokanten Thesen zur 'Tyrannei der Mütterlichkeit' vorstellte. Innerhalb von Tagen an der Spitze der Bestsellerlisten, erregte das Plädoyer gegen die Rückkehr zur Mütterlichkeit als Zentrum weiblicher Identität die Gemüter. Dabei liest sich die Streitschrift eher wie ein Plädoyer gegen deutsche Zustände – denn in Frankreich ist die Begeisterung für das Stillen, für die Aufgabe des Berufs mit der Familiengründung und die Überhöhung des Mythos der Mutterliebe gar nicht so weit verbreitet. Spannend wird daher die Reaktion in Deutschland, wo das Buch 'Der Konflikt. Die Frau und die Mutter' nächste Woche erscheint. (…) Der Werdegang Badinters, der dreifachen Mutter und Professorin, verleiht ihren Thesen besonderen Nachdruck. Als 22-Jährige bekam sie ihr erstes Kind, zusammen mit dem Anwalt und späteren Justizminister Robert Badinter; sie wurde Professorin an der Elitehochschule École Polytechnique und ist Präsidentin des Aufsichtsrates der Kommunikationsfirma Publicis ihres Vaters."
Andrea Nüsse, Der Tagesspiegel, 27. August 2010



"Nach Jahrzehnten der Auseinandersetzung, schreibt Badinter, funktioniere die männliche Herrschaft ungebrochen. 'Nach wie vor teilen sie sich Geld, Macht, Einfluss.' Während die Mädels streiten, was eine gute Mutter ist, wird andernorts Karriere gemacht. (…) Einen Ausweg sieht Badinter in einer Familienpolitik, die Eltern ermöglicht, gleich nach der Geburt die Kinder partnerschaftlich zu versorgen."
Susanne Mayer, Die Zeit, 26. August 2010



'Frauen sind keine Schimpansen'
Die französische Philosophin Elisabeth Badinter über Mutterliebe und Mutterwahn, Rückschritte der feministischen Bewegung und das Streben nach dem perfekten Kind
SPIEGEL: Frau Badinter, Sie haben drei erwachsene Kinder, waren Sie eine gute Mutter?
Badinter: Eine sehr mittelmäßige, wie in Wahrheit die Mehrheit aller Mütter. Ich habe immer versucht, das Maximum zu geben für meine Kinder, aber ich habe aus heutiger Sicht auch vieles falsch gemacht, deshalb würde ich mich als absolut durchschnittliche Mutter bezeichnen.
SPIEGEL: Sie sind eine Anhängerin von Simone de Beauvoir, die die Mutterschaft rigoros ablehnte. Feministin und Mutter – war das für Sie nie ein Widerspruch?
Badinter: Nein, ich wollte diese Kinder, und ich wollte sie schnell hintereinander. (…) Ich gehöre zu dieser Generation von Frauen, die Kinder bekommen haben, ohne das Für und Wider abzuwägen. Das war für mich selbstverständlich. Und ich habe jede dieser drei Schwangerschaften als eine der besten Zeiten meines Lebens in Erinnerung. (…)
SPIEGEL: Sie beschreiben in Ihrem Buch 'Der Konflikt', wie der Druck auf Frauen, die Kinder haben wollen, heute wächst. Es reicht nicht mehr, Mutter zu sein, man sollte eine perfekte Mutter sein, die lange und ausschließlich stillt, die lange beim Kind bleibt, die es optimal fördert.
Badinter: Wir erleben zurzeit eine bedenkliche Entwicklung, einen Rückfall in längst überwundene Zeiten. Auf Französische heißt dieses Phänomen 'l’enfant roi' – das Kind ist der König. (…)
SPIEGEL: Was ist so schlimm am Stillen?
Badinter: Überhaupt nichts, aber ich glaube, es gibt kaum eine intimere und persönlichere Entscheidung. Wenn eine Frau das möchte, wunderbar, wenn sie es nicht möchte, auch gut. Das geht Politiker gar nichts an. (…)
SPIEGEL: Sie empfinden schon die Empfehlung zu stillen als Rückschritt für die Emanzipation der Frau?
Badinter: Noch mal, ich finde es wunderbar, wenn sich eine Frau dafür entscheidet. Aber das sollte freiwillig geschehen. Ich beobachte hier in Frankreich seit einigen Jahren mit großer Sorge eine Bewegung, die ein Zurück zur Natur einfordert und sich dabei als Avantgarde der Moderne empfindet.
Britta Sandberg, Spiegel-Gespräch, Der Spiegel, 23. August 2010



"Die Interessen der Mutter stünden eindeutig hinter denen des Kindes zurück. Die Frauen würden unter Druck gesetzt, möglichst lang zu Hause zu bleiben, zu stillen und waschbare Windeln zu verwenden. Das französische Umweltministerium habe vor zwei Jahren sogar vorgeschlagen, eine Steuer auf Wegwerfwindeln einzuführen, kritisierte Elisabeth Badinter."
21. August 2010, Deutschlandradio Kultur



"Sollte Deutschland seine Zusammenarbeit mit Frankreich in der Familienpolitik verstärken? Glauben Sie, dass die deutsche Normalbürgerin vom französischen Modell überzeugt ist? Ich glaube das nicht. Der Mentalitätswandel wird Zeit brauchen. Ich glaube, es sollte auf keinen Fall zu viel das französische Modell angepriesen werden, das könnte die Deutschen nerven."
Michaela Wiegel im Gespräch mit Elisabeth Badinter, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 25. Juli 2010



Christina Bylow im Gespräch mit Elisabeth Badinter:
"Christina Bylow: Vor kurzem hat die 33-jährige konservative deutsche Familienministerin Kristina Schröder behauptet, der 'frühe Feminismus' habe übersehen, dass 'Partnerschaft und Kinder Glück spenden'. Radikale Feministinnen hätten Homosexualität als Lösung der Benachteiligung der Frau proklamiert. Alice Schwarzer hat sich in einem offenen Brief gegen diese Behauptungen gewehrt. Was halten Sie von dieser Debatte?
Elisabeth Badinter: Alice Schwarzer hatte recht, diese Äußerungen nicht ohne Reaktion durchgehen zu lassen. Das ist eine solche Karikatur des Feminismus, eine wirklich skandalöse Verzerrung. Ich kenne diese Ministerin nicht, aber sie scheint eine alter Anklage in Erinnerung zu rufen – dass feministisch gleich lesbisch sein bedeute und Lesben Frauen seine, die Männer und Kinder hassen. Feministinnen sind Monster! Solche Karikaturen sind inakzeptabel. Es ist notwendig, daran zu erinnern, dass die Frauen der westlichen Länder im 20. und 21. Jahrhundert gerade dem militanten Feminismus ihre Wahlfreiheit verdanken. Erst der Feminismus hat den Frauen die Möglichkeit gegeben, den Moment zu wählen, in dem sie eine Familie gründen oder eben nicht, und zu entscheiden, wie sie als Familie leben. Ich glaube keinen Moment lang, dass Feministinnen in ihrer Gesamtheit gesagt haben, dass Kinder eine Quelle von Unglück sind, und dass man keine Kinder haben soll – das ist lächerlich. Sie haben aber sehr wohl gesagt, dass Kinder zu haben nicht nur Glück, sondern Sorgen und Anstrengungen bedeutet, und dass man dabei auch scheitern kann. Sie haben die Wahrheit gesagt, voilà."
Christina Bylow , Berliner Zeitung, 27. November 2010



"Ihre Streitschrift wird auch Deutschland spalten. (...) Elisabeth Badinter. Sie hat ein Buch geschrieben, das auf die Frage, warum man in Frankreich oder hierzulande nicht mehr Frauen ihres Schlages kennt, eine Antwort gibt. Denn dort wie hier gilt: Die Frau ist dem Mann zwar ebenbürtig. Aber für den Mann ändert sich dadurch nichts. Jetzt, dreißig Jahre später, tritt sie wieder mit einem Werk an, das die gesellschaftliche Stellung der Frauen schonungslos analysiert. Die kämpferische Verve, mit der sie ihrer Sorge Ausdruck verleiht, hat man lange nicht mehr erlebt – weder bei ihr noch bei anderen Autorinnen. Ende August wird 'Le conflit. La femme et la mère' (Der Konflikt. Die Frau und die Mutter) im C.H. Beck Verlag auf Deutsch erscheinen. Das Werk wird, so viel ist sicher, auch hierzulande für Diskussionen sorgen.
Wer hätte gedacht, dass es im Jahr 2010 wieder notwendig sein würde, auf Forderungen der Frauenbewegung der siebziger und achtziger Jahre zu pochen, die längst Konsens sein sollten? Doch offenbar ist das Recht auf Wahlfreiheit, ob eine Frau Mutter sein möchte oder nicht, und wenn ja, wie sie Mutterschaft beruflich und privat gestaltet, ebenso wenig eine Selbstverständlichkeit wie die auch praktische Gleichberechtigung der Geschlechter.
Man sollte sich Elisabeth Badinters zentralen Satz noch mal vergegenwärtigen: 'Das Kind ist der beste Verbündete des Mannes.' Was wäre, wenn sie recht hat?"
Lena Bopp, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. Juli 2010



"Wunderbar aber, das muss gesagt werden, ist an diesem neuen Buch von Badinter die polemische Verve, mit der die Autorin – selber Mutter von drei Kindern! – die absurden Zumutungen dieses Mutterbildes, das sie mit Erschrecken auf dem Vormarsch sieht, herausstreicht. Eines Bildes, das vermutlich den meisten deutschen LeserInnen als das natürlichste der Welt erscheint. Badinters Fazit muss jeder modernen Familienpolitik zu denken geben: Je stärker der Ruf nach der totalen Mutter erklingt, desto weniger Frauen werden tatsächlich Mutter."
Barbara Vinken, Emma, Sommer 2010



"Elisabeth Badinter warnt: Die Freiheit der Frau ist in Gefahr. Denn ein reaktionäres Mutterbild schleiche sich unbemerkt wieder in die Gesellschaft ein. In ihrem neuen Buch geht Badinter den Ursachen dieser wieder erstarkten Ideologie und der Zerrissenheit der Frau auf den Grund."
3sat Kulturzeit, 14. April 2010



"Ganz Frankreich diskutiert ein neues Buch von Elisabeth Badinter. In 'Der Konflikt – Die Frau und die Mutter' beschwört die Grande Dame des französischen Feminismus die Gefahr, die den Frauen von einer neuen Verklärung der Mutterrolle drohe. Von den Kinderpsychiatern bis zu den fundamentalistischen Verfechterinnen des Stillens, von einer Umweltbewegung, die Wegwerfwindeln besteuern will, bis zu den ins uferlose gewachsenen Ansprüchen an die Aufzucht von Kindern sieht Badinter eine unheilige Allianz am Werk: Mit subtilem Druck würden Frauen wieder zu ihrer 'natürlichen' Aufgabe ermuntert und damit zur Rückkehr ins Haus. Dies angesichts der Tatsache, dass heute jede zweite Ehe geschieden wird. Und vor dem Hintergrund einer Wirtschaftskrise, die den Berufsstress erhöht, die Arbeitssuche erschwert und die Lohnungleichheit zwischen Mann und Frau – dieses 'objektivste Thermometer der Gleichberechtigung' – zementiert."
Kathrin Meier-Rust, Neue Zürcher Zeitung, Bücher am Sonntag, 28. März 2010



"Sie ist die einzige Feministin des Landes, die für derartige Skandale sorgt. (...) Badinter ist eine jener Frauen, um die alle Welt Frankreich beneidet, weil sie anscheinend alles mühelos unter einen Hut bekommen, Kinder wie Karriere. (...) Badinter ist, das sei erwähnt, nicht prinzipiell gegen das Stillen. Sie plädiert vielmehr für die Entscheidungsfreiheit und gegen den gesellschaftlichen Druck, der auf junge Mütter ausgeübt wird.
Besonders provokativ wird ihr Buch in dem Augenblick, da sie das ‘unschuldige Baby’ als den neuen Unterdrücker der Frau sieht. Und mehr noch, der Nachwuchs wird, so Badinter, dank der neuen Ideologie des Zurück zur Natur ‘zum besten Alliierten der Unterdrückung durch die Männer’. Auf den ersten Blick wirken ihre Thesen unhaltbar skandalös. Doch auf den zweiten stellt sich die Frage, wie viel Realität in dem Szenario der Elisabeth Badinter steckt. Ehrlicherweise muss man ihr zugestehen, dass von Müttern tatsächlich immer mehr verlangt wird."
Martina Meister, Frankfurter Rundschau, 22. März 2010



Georges Desrues im Gespräch mit Elisabeth Badinter:
Badinter: (…) Aus sozialhistorischen Gründen gibt es in Frankreich weniger Druck und damit auch weniger Schuldgefühle bei Frauen, die Mütter sein und trotzdem arbeiten wollen.
profil: Das hieße, dass dieser Druck in Deutschland und Österreich stärker ist?
Badinter: In jedem Fall. Schon als ich vor dreißig Jahren in Deutschland war, um mein Buch Mutterliebe zu präsentieren, war ich erstaunt, wie viele Frauen sich verwundert, ja schockiert zeigten, dass ich meine drei kleinen Kinder in Frankreich zurückließ. Dieses Bild der Französin als schlechte Mutter ist auch heute noch sehr verbreitet. Hier geht es um ein konträres Mutterbild, das die niedrigen Geburtenraten in Deutschland und Österreich erklärt. Denn wenn eine Frau dem Druck, die perfekte Mutter zu sein, nicht standhält, entscheidet sie sich eben dafür, keine Kinder zu bekommen. Während in Frankreich der Anteil der kinderlosen Frauen seit den siebziger Jahren unverändert bei zehn Prozent liegt, ist er in Deutschland und Österreich doppelt bis dreifach so hoch.
profil: Dennoch orten Sie in Ihrem neuen Buch auch in Frankreich eine neue Gefahr für die Gleichberechtigung der Frau.
Georges Desrues, profil, 8. März 2010



"In Frankreich erzeugt Elisabeth Badinter große Aufregung mit ihrer Kritik am Mutterbild. (…) Die Errungenschaften der Frauenbewegung werden von einer ‚reaktionären Allianz’ aus Muttermilchfanatikern, ‚grünen’ Industriekritikern oder Apologeten einer ‚naturgemäßen’ Erziehung und Ernährung infrage gestellt. Mit dieser These löste Elisabeth Badinter in Frankreich eine neue Feminismusdebatte aus. (…) In zahlreichen Interviews hat sie seit dem Erscheinen ihrer Streitschrift betont, sie habe grundsätzlich nichts gegen die Muttermilch, ihr gehe es vielmehr darum, dass gewisse Kreise das Stillen als das einzig Wahre propagieren."
Rudolf Balmer, taz, 27. Februar 2010



"Nicht nur in Deutschland, auch in Frankreich stoßen zur Zeit zwei Epochen der weiblichen Emanzipation aufeinander. Staub hat hierzulande Alice Schwarzer mit ihrem Unmut über die Äußerungen von Familienministerin Kristina Schröder aufgewirbelt, Furore machte auch ihre Altersgenossin, die Französin Elisabeth Badinter, Professorin an der École polytechnique und Ehefrau von Mitterands Justizminister Robert Badinter, mit ihrem Buch 'Der Konflikt', in dem sie gegen die neue 'Avantgarde der Mutterschaft' polemisiert. Die Familienministerin wäre von Badinter sofort als Repräsentantin dieser Avantgarde entlarvt worden. Badinter hält die Aufwertung von Familienglück und Mutterliebe für ein Mittel, mit dem die konservative Männerwelt Frauen aus dem öffentlichen Leben wieder auszuschalten versucht."
Hannelore Schlaffer, Frankfurter Rundschau, 24. November 2010



"Badinter hat nun den Warnschuss abgefeuert – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Sie provoziert bewusst, um gehört zu werden. Ihr Anliegen ist in erster Linie, die Selbstbestimmung der Frauen zu schützen. In ihrer Streitschrift macht Badinter aber auch deutlich: Richtig oder falsch gibt es beim Thema Mutterschaft nicht. Jede Frau soll für sich selbst entscheiden können – aber Auswahlmöglichkeiten, die müsse man ihr geben! Eine Forderung, die nicht skandalös ist, sondern längst fällig war."
Christine Heckmann, Deutschlandfunk, 22. November 2010



Tanja Stelzer und Stephan Lebert im Gespräch mit Doris Schröder-Köpf:
"Zeit-Magazin:
Die französische Feministin Elisabeth Badinter argumentiert in ihrem Buch 'Der Konflikt. Die Frau und die Mutter', das wichtigste Indiz für den Fortschritt der Gleichberechtigung sei das Schrumpfen des Verdienstunterschieds zwischen Männern und Frauen. Das eigene Geld der Frauen ist der Schlüssel zur Emanzipation.
Schröder-Köpf: Sie hat recht! Eigenes Geld zu haben macht frei – und zwar nicht nur Frauen, sondern Männer ja auch. Der lange Kampf der Gewerkschaften, die ganze Tradition der Sozialdemokratie dreht sich darum: dass man ein gesichertes eigenes Einkommen hat, das nicht beliebig gekürzt oder weggenommen werden darf, weil dieses Einkommen Freiheit und Sicherheit bringt. Dass es noch immer diese Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, ist eine unglaublich große Diskriminierung. (…)
Zeit-Magazin: Noch mal Elisabeth Badinter: Sie sagt, die Generation der 30-Jährigen heute rechnet mit ihren Müttern ab, die immer so gestresst gewesen seien, weil sie versucht hätten, beruflich ihren Weg zu gehen und trotzdem Kinder zu haben. Die jungen Frauen wollten sich diese Belastung nicht antun und gingen wieder auf Rückzugsposition. Glauben Sie, dass da was dran ist?
Schröder-Köpf: Es stimmt, es ist einfach irrsinnig anstrengend, sowohl körperlich als auch seelisch, wenn man alles machen will. Man muss wahnsinnig diszipliniert sein, um das hinzukriegen. Man darf sich nie treiben lassen, man darf nie einfach mal rumsitzen. Ich kenne das und sehe das auch im Bekanntenkreis, bei den Eltern der Freunde unserer Kleinen, bei Leuten, die wesentlich jünger sind als ich und in diese Generation gehören, was für ein weiges Rennen und Organisieren das ist. Es würde mich nicht wundern, wenn da einige sagen: Das mache ich auf Dauer nicht mit!"
Tanja Stelzer und Stephan Lebert, Zeit-Magazin, 18. November 2010



"(...) Badinters Leistung ist es, Zusammenhänge zwischen Familienpolitik, gesellschaftlichen Modellen und Demographie herzustellen – und das auf sehr überzeugende Weise. Das Buch 'Der Konflikt' ist eine mutige Streitschrift. Sie nimmt die Ideologen des Mutterideals, die Reaktionären im pseudofortschrittlichen Gewand aufs Korn. Die Philosophin bekämpft jede Form von Intoleranz, plädiert dafür, dass alle Lebensmodelle respektiert werden – inklusive einem Leben ohne Kinder.
Manche junge Frauen, die den Kampf gegen Ungleichheit für überholt halten, werden die kämpferische Haltung von Elisabeth Badinter belächeln. Männer, die ihre Frauen am liebsten am Herd sehen, ebenfalls. Die Autorin, Jahrgang 1944, steht zu ihrem Alter und dem Vorwurf, die Emanzipation sei eine altmodische Angelegenheit."
Claire-Lise Buis, WDR 3, 14. November 2010



"Der französischen Rabenmutter geht es vorrangig um sich selbst; in ihrem hedonistischen Lebensplan ist die Sorge ums Kind nur als ein Punkt unter vielen vorgesehen. Genau so ist es aber gut, und so soll es auch bleiben, fordert Badinter in ihrem neuen Buch. Die Autorin hat eine zunehmende Bedrohung des Modells der Raben- oder Teilzeitmutter beobachtet. (…) Die vielfältigen Motive, Bedenken, Mühen und Hoffnungen rund um die Umstände der Mutterschaft sind klug beobachtet und brillant beschrieben. Die Autorin erzählt auch von den Ambivalenzen derjenigen Frauen, die erkennen mussten, dass sie die Mühen der Mutterschaft unterschätzt haben, und von Paaren, die keine Kinder bekommen konnten oder wollten. (…) Mit entsprechenden Betreuungsangeboten kann und muss der Staat helfen, doch das allein ist nicht genug. Letztlich baut Badinter auf die vertrauten Ingredienzien des klassischen Feminismus: Ideologiekritik. Einsicht. Freiheit, dazu eine gesunde Dosis Egoismus. Tatsächlich sind das wohl nicht die schlechtesten Helfer einer Mutter, die sich von Baby-Yoga, Hanf-Mehrfach-Windeln und Ratgebern von der Sorte 'Wie schlafen wir richtig?' belagert sieht."
Hilal Sezgin, Literaturen, Oktober/November 2010



"Der Konflikt, der im Inneren der Frau zwischen ihrer Rolle als Mutter und jener als Frau tobt, werde durch die Erwartungen an die perfekte Mutter auf die Spitze getrieben. Das Kernstück dieser Mutterschaft bildet das Stillen. Hier läuft Elisabeth Badinter sowohl wissenschaftlich als auch stilistisch zu Höchstformen auf (...). Den Argumenten von Stillanhängerinnen, die die Muttermilch zu einem übernatürlichen Elixier stilisieren und ihr fast magische Wirkung zuschreiben, begegnet Badinter mit viel Ironie und einer gesunden Portion Sarkasmus. In jener hochemotionalen Debatte um das psychische Gleichgewicht von Kind und Mutter tritt eine rationale Wissenschaftlerin auf den Plan und hält den Argumenten der Stillverfechterinnen wissenschaftliche Studien entgegen. Elisabeth Badinter ist die erste ernst zu nehmende Stimme, die daran erinnert, worum es hier geht: um den Körper einer Frau. Sie fordert schlicht und einfach, dass die Brüste der Mutter in der Verfügungsgewalt der Frau liegt."
Anna-Katharina Laggner, ORF-Hörfunk, 29. Oktober 2010



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Bibliografie

978-3-406-60801-8

Erschienen am 15. Januar 2014

Statt 17,95 € jetzt nur noch 7,95 €

2. Auflage , 2010

222 S.

Hardcover

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Badinter, Elisabeth

Der Konflikt

Die Frau und die Mutter

"Elisabeth Badinter sorgt mit ihren Thesen erneut für einen handfesten Skandal."
Martina Meister, Frankfurter Rundschau

Die Freiheiten, die sich Frauen einmal erkämpft haben, sind seit 30 Jahren zunehmend bedroht – in Deutschland noch mehr als in Frankreich. Elisabeth Badinter, Feministin, Philosophin und Bestsellerautorin, macht dafür die neuen Ideale von der perfekten Mutter verantwortlich. Sie flößen allen Müttern ein schlechtes Gewissen ein, die ihrem Kind nicht ständig den Vorrang vor sich selbst, ihrem Partner und ihrem Beruf einräumen.
„Ich bin eine mittelmäßige Mutter, wie vermutlich die meisten Frauen“, sagt Elisabeth Badinter. Doch so freimütig äußern sich heute nur wenige. Dominiert wird das neue Mutterbild vom Diktat der Natur. Natürlich sei, so heißt es, die ständige Nähe zwischen Mutter und Kind; sie sei für die gesamte Entwicklung des Kindes unverzichtbar. Natürlich sei das Stillen; es sei daher weit über das erste Jahr hinaus moralisch geboten. Und überhaupt müsse man Frauen über ihre natürliche Mutterrolle definieren. Aber was ist wirklich natürlich? Und sollen Frauen im Namen der Natur wieder verzichten lernen?

Elisabeth Badinter scheidet in ihrer klugen Polemik die Wahrheiten von den Mythen des nur angeblich Natürlichen. Gegen das moralische Diktat der Natur setzt sie die Freiheit der Frauen, ihr eigenes Leben und die Beziehung zu ihren Kindern selbst zu gestalten. Schließlich führt die Angst, keine vollkommene Mutter sein zu können, gerade in Deutschland bei vielen Frauen zum Verzicht auf Kinder. Ein weitsichtiges Buch, das zum Umdenken zwingt.
Von Elisabeth Badinter. Aus dem Französischen von Ursula Held und Stephanie Singh.
Webcode: https://www.chbeck.de/792905

Inhalt

Vorwort zur deutschen Ausgabe: Rabenmütter oder Pelikanmütter?

Vorwort: Die stille Revolution


TEIL I: EINE BESTANDSAUFNAHME
Erstes Kapitel: Die Ambivalenzen der Mutterschaft
Die Qualen der Freiheit
Die Folgen der Ambivalenz


TEIL II: DIE NATURALISTISCHE OFFENSIVE
Zweites Kapitel: Die Heilige Allianz der «Reaktionäre»
Von der Umweltpolitik zur ökologischen Mutterschaft
Wie die Wissenschaft den Mutterinstinkt wiederentdeckte
Die 180-Grad-Wende des Feminismus


Drittes Kapitel: Mütter, ihr seid ihnen alles schuldig!
Mutterschaft und Askese
Der Kampf um die Milch
Die Bilanz


Viertes Kapitel: Die Herrschaft des Babys
Erst die Mutter, dann der Vater
Erst das Baby, dann das Paar
Erst das Kind, dann die Frau



TEIL III: WENN DIE LAST ZU GROSS WIRD …
Fünftes Kapitel: Die Vielfalt weiblicher Ambitionen
Die Mutterfrau
Von der Verweigerung zum ständigen Aufschub
Frau und Mutter


Sechstes Kapitel: Der Gebärstreik
Wo die mütterlichen Pflichten am stärksten belasten
Die Herausbildung eines neuen Lebensstils
Auf der Suche nach einer neuen Definition der Weiblichkeit


Siebtes Kapitel: Der Fall Frankreich
« Mittelmäßige» Mütter, aber immerhin Mütter …
Eine alte Tradition: Erst die Frau, dann die Mutter



Anmerkungen
Literatur

Pressestimmen

"'Die Mutter', sagt die französische Philosophin Elisabeth Badinter, 'wird als Säugetier angepriesen. Das steht im Zentrum dieser Ideologie des Mutterinstinkts. Irgendwie gibt es da eine unbewusste Parallele zwischen der menschlichen Mutter und der Katzenmutter. Wenn die kleinen Katzen auf die Welt kommen, legen die Katzenweibchen ein sehr stereotypes Verhalten der totalen Selbstaufopferung gegenüber ihren Jungen an den Tag. Und man möchte glauben, dass das bei Frauen genauso ist.' Badinter nennt das 'religiösen Naturalismus', und der macht sich in vielen Bereichen breit."
Anna Bernard, ZDF aspekte, 11. März 2011


"Währen die einen sich rühmen, alles für ihr Kind zu tun, sprechen sich andere Frauen genau gegen diesen Trend aus: die französische Philosophin und Feministin Elisabeth Badinter zum Beispiel. Gerade ist ihr Buch 'Der Konflikt. Die Frau und die Mutter' auf deutsch erschienen. Badinter spricht sich gegen den derzeitigen Trend zum Stillen aus. Die Organisation 'La Leche Liga' beschreibt sie als eine Mafia, die die Emanzipation rückgängig machen will. Dabei stört Badinter sich nicht am Stillen selbst, sondern an der Vehemenz mit der junge Mütter dazu aufgefordert werden. 'Mütter, die lieber die Flasche geben und sich deshalb nicht in gleicher Weise mit ihrem Baby körperlich verbunden fühlen können, werden stigmatisiert', schreibt sie. 'Die Botschaft ist klar: Eine gute Mutter ist eine Mutter, die stillt.' Wer sich diesem Ideal widersetze, müsse eine immense Charakterstärke aufbringen."
FOCUS Online, Oktober 2010


"Fast 30 Jahre nach ihrer einflussreichen Kulturgeschichte der Mutterschaft, legt Badinter nun eine Art 'Mutterliebe revisited' vor. 'Der Konflikt. Die Frau und die Mutter' macht gleich im Titel klar, dass sich die Dinge nicht zum Besseren verändert haben. Auch in Frankreich, wenn auch dort mit Verzögerung. Badinters Analyse ist kühl und selbstbewusst."
Julia Kospach, Der Falter, Buchbeilage zur Messe 39/2010, 29. September 2010


"Ihr Thema ist auch weniger das Glück, das Kinder ihren Eltern geben können. Was Badinter stattdessen will, ist nichts weniger als die Frau aus ihrer Mutterrolle zu befreien, in die sie immer mehr gedrängt werde. (…) Es geht ihr um das Schicksal der feministischen Bewegung, der sie in den 70ern angehörte und die sie im Rückzug sieht – wegen dem allgemein gültigen Zurück-zur-Natur, wegen einer 'Naturalisierung' der Mutterschaft, der sich viele Frauen zunehmend widerstandslos ergeben würden."
Vladimir Balzer, Deutschlandradio Kultur, 13. September 2010


"Deutsche Frauen bekommen wenig Kinder. Das sagt Thilo Sarrazin. Seine These: Deutschland schrumpft und verdummt, weil die Besten und Klügsten keine Kinder mehr zur Welt bringen. (…) Gründe für den Geburtenrückgang in der so genannten Mittelschicht nennt Sarrazin nicht. Fakt ist: Kinderlose deutsche Frauen sind meist gut ausgebildete Akademikerinnen. Aber warum? Die französische Philosophin Elisabeth Badinter spricht von einem ‚Gebärstreik’. Badinters These besagt, der deutsche Mutterwahn treibe selbstbestimmte Frauen regelrecht in die Kinderlosigkeit."
3sat Kulturzeit, 9. September 2010


"Die französische Feministin Elisabeth Badinter macht in ihrem aktuellen Buch ‚Der Konflikt: Die Frau und die Mutter’ das Stillen als Ausdruck eines neuen Mütterideals verantwortlich für die Stagnation der Gleichberechtigung. Nachdem wir gestern mit der deutschen Philosophin und Literaturprofessorin Barbara Vinken gesprochen haben, die die Meinung Badinters weitgehend teilt, will ich jetzt mit einer Mutter und Karrierefrau sprechen, die noch in der DDR sozialisiert wurde, Katrin Göring-Eckardt von Bündnis 90/Die Grünen, hat Familie und Karriere immer miteinander verbunden."
Katrin Heise, Deutschlandradio Kultur, 8. September 2010


Barbara Vinken im Gespräch mit Susanne Führer:
"Führer: Die französische Philosophin Elisabeth Badinter ist sehr beunruhigt, denn die Gleichberechtigung von Frau und Mann, für die sie - sie ist Jahrgang 1944 -, für die sie jahrzehntelang gekämpft hat, die sei in großer Gefahr. Die Wirtschaftskrise und das Ideal der guten, der perfekten Mutter sorgen nämlich dafür, meint sie, dass die Frauen wieder zu Hause bleiben und sich um Kinder und Haushalt kümmern, während die Männer das Geld verdienen. Alles wie früher also. Darüber, dagegen hat Elisabeth Badinter ein Buch geschrieben, es heißt ‚Der Konflikt: Die Frau und Mutter’. In Frankreich ist das ein heiß diskutierter Bestseller, der inzwischen auch auf Deutsch vorliegt. Am Telefon ist jetzt die Feministin und Publizistin Barbara Vinken, Professorin für Literaturwissenschaft an der Uni München. Guten Morgen! (...)
Vinken: (...) Badinter behandelt das Stillen vor allen Dingen als ein ideologisches Gebot, das die Frauen, eben wie man ja weiß, an die Kinder bindet und sie damit für andere, also für Berufstätigkeit oder zur Ehefrau, eben ungeeignet macht. Da muss man sehen, dass es inzwischen in Frankreich ganz anders ist als in Deutschland. In Frankreich empfehlen die klassischen Erziehungsbücher, das mit dem Ehemann oder mit dem Partner abzusprechen, ob man stillen soll. (...)
Aber ich finde, das Hauptargument von der Badinter ist wirklich ein bedenkenswertes: In einer Gesellschaft, die lustorientiert ist - was man auch für unsere Gesellschaften sagen kann -, gleichzeitig aber das Mutterideal, von der Mutter so viel gefordert wird, dass sie dieser Lustbesetzung oder man kann auch sagen, der Pflicht, die daran gebunden ist, glaubt, nicht nachgehen zu können, hat das für den Fortbestand von Gesellschaft ein ganz, ein (...) Ja, es führt dazu, dass diese Gesellschaft nicht mehr fortbesteht. Und das ist ja praktisch in Deutschland der Fall."
Susanne Führer und Barbara Vinken, Deutschlandradio Kultur, 7. September 2010


"In ihrem neuen Buch, das in Frankreich für Furore sorgte und nun auch hierzulande die Gemüter erhitzt, tritt Elisabeth Badinter gegen solchen ‚Naturalismus’ an, der die hart erkämpften Freiheiten und Gleichheitsrechte der Frauen in Frage stelle. Eindringlich warnt sie vor einer Rückkehr zum traditionellen Rollenbild, das den Männern erlaube, sich ohne weibliche Konkurrenz ihrem Beruf zu widmen und im Haushalt keinen Finger krumm zu machen."
Marion Lühe, Märkische Allgemeine, 3. September 2010


"Was die Autorin besonders erzürnt: Auch beruflich erfolgreiche Geschlechtsgenossinnen zeigen sich für den vermeintlichen Ruf von Mutter Natur empfänglich. Sie werfen ihren Filofax in die Seine, fortan diktiert der kindliche Stoff- und Windelwechselrhythmus ihren Terminkalender. Der Spross aus der Welt, wo Muttermilch und Öko-Honig fließen, dankt es mit einem optimierten Hirn. (…) Viele Sätze schneiden tief ins Mutterherz, doch Badinter verletzt auf hohem Niveau. Kühl und klug argumentiert sie, allein das macht die Schrift der Französin zur anregenden Ausnahme auf dem deutschen Erregungs-Buchmarkt."
Christiane Florin, Rheinischer Merkur, 2. September 2010


Ester Elionore Haldimann im Gespräch mit Elisabeth Badinter:
"Elisabeth Badinter ist in Frankreich eine streitbare Größe. Die Philosophin und Feministin verurteilt die neuen Ideale der perfekten, natürlichen Mutter als feministischen Rückschritt, sie ist gegen die Opferrolle der Frau. Und sie wehrt sich gegen die strikte Unterscheidung der Identität von Männern und Frauen. (…)
[Badinter:] Eine Mutter ist auch eine Frau. Wir berücksichtigen, dass die Frau soziale, kulturelle und gesellschaftliche Verpflichtungen hat. Diese Frau wird respektiert und bewundert. Sie gilt in Frankreich nicht als Rabenmutter. Das französische Frauenmodell macht Frauen nicht nur zur Mutter. Diese Schlüsselidee vereint die finanzielle Unabhängigkeit der Frau, ihre persönlichen Interessen und die Kinder."
Ester Elionore Haldimann, Welt der Frau, September 2010


"In ihrem neuen Buch, das in Frankreich für Furore sorgte, tritt Elisabeth Badinter gegen den ‘Naturalismus’ an, der die hart erkämpften Freiheiten und Gleichheitsrechte der Frauen in frage stellte. Unter der Berufung auf angeborene Mutterinstinkte kehre eine wachsende Zahl junger Französinnen zum traditionellen Rollenbild zurück – ganz im Sinne der Männer, die sich ohne weibliche Konkurrenz ihrem Beruf widmen könnten und im Haushalt keinen Finger krumm zu machen bräuchten."
Marion Lühe, Tages-Anzeiger, 31. August 2010


"Woran es liegt, dass sich an dieser Ungleichbehandlung noch immer nichts geändert hat? Wir wissen es doch. Die französische Soziologin Elisabeth Badinter hat in ihrem jüngsten Buch 'Der Konflikt. Die Frau und die Mutter' wieder aufgezeigt, dass in jenen europäischen Ländern die meisten Kinder geboren werden, in denen man es den Frauen ermöglicht – durch Kindertagesstätten und Halbtagsjobs etwa – Beruf und Familie zu verbinden. Zugleich gab sie aber zu bedenken, es sei damit nicht getan. Man brauche 'eine tiefgreifende feministische Reform der Gesellschaft, welche die Politik genauso wie die Unternehmen umfasst, vor allem aber auch die Männer selbst'. Erst wenn diese einsehen, dass Gleichberechtigung nicht nur die Rolle der Frauen, sondern auch ihre eigene verändert, hätten die Frauen eine Chance, ihnen wirklich gleichgestellt zu sein. Elisabeth Badinter stellt zu Recht fest, dass an diesem Punkt zu wenig geschehen ist. Man hört es an jenen Stimmen, die immer öfter und zunehmend frustriert darauf hinweisen, dass es einfach nicht möglich sei, Kinder und Beruf unter einen Hut zu bekommen."
Lena Bopp, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Februar 2011


"Elisabeth Badinter hat ein sehr kluges Buch gegen den weltweit, jedoch vor allem in Deutschland grassierenden Mutterwahn geschrieben: 'Der Konflikt – Die Frau und die Mutter' (Buchauszug in der aktuellen Print-EMMA). Die Philosophin und Mutter dreier Kinder kritisiert darin scharf die Rückkehr zum 'traditionellen Naturalismus', zum Stillzwang und der Das-Kind-braucht-die-Mutter-Ideologie. Was für große Aufregung in Deutschland unter den emanzipierten Journalistinnen sorgt."
EMMA, 31. August 2010


"Elisabeth Badinter, 66, gilt in Frankreich als Meinungs-Supermacht. Durch die Radikalität ihrer feministischen Thesen provoziert die Professorin für Philosophie an der Pariser Eliteuniversität École Polytechnique seit Jahrzehnten quer durch alle ideologischen Lager. Auch mit ihrem jüngsten Buch 'Der Konflikt. Die Frau und die Mutter' (eben erschienen bei C.H.Beck) löste die Mutter dreier Kinder, die mit Robert Badinter, dem ehemaligen Justizminister von Francois Mitterrand, verheiratet ist, Zorn und heftige Kritik aus vor allem unter den Feministinnen im grünen Lager."
Angelika Hager, Profil, 30. August 2010


"Madame Badinter, in Ihrem neuen Buch ’Der Konflikt’ sagen Sie, die Emanzipation sei in Gefahr, weil die Frauen in die Rolle der Vollzeitmutter gedrängt werden. Würden Sie sich heute noch für Kinder entscheiden?
Ich muss Ihnen ehrlich sagen: Ich bin nicht sicher. Als ich Mutter wurde, Anfang der Sechzigerjahre, stand es gar nicht zur Debatte, kinderlos zu bleiben. Ich bekam mit 22 mein erstes Kind. Innerhalb von dreieinhalb Jahren hatte ich drei. Aber wenn ich jetzt 30 wäre und in Deutschland oder auch in der Schweiz leben würde, würde ich vielleicht kinderlos bleiben. (…) [Immer] mehr rational denkende Frauen [machen] einfach keine Kinder mehr. Das wiederum wird zum veritablen Problem: für die Rente, für die ganze Gesellschaft. Und welches Land möchte sich schon in Luft auflösen, weil die Frauen keine Kinder mehr haben? (...) Ich bin Kämpferin, ja eine Partisanin für die Freiheit. Ich befinde mich im Krieg mit all denen, die sich nach Einheitsmodellen richten. Es gibt Frauen, die ihr Glück darin finden, zu stillen und 24 Stunden mit dem Baby zusammen zu sein, und das sollen sie auch so machen. (...)
Die Philosophin Elisabeth Badinter, 66, löst mit ihrer Streitschrift ’Der Konflikt’ eine Großdebatte aus. Die französische Frauenrechtlerin beschreibt darin, wie Frauen in die Rolle der perfekten Mutter gedrängt werden und ihre Karrieren vernachlässigen."
Oliver Zihlmann und Claudia Schmid, SonntagsZeitung, 29. August 2010


Elisabeth Badinter im Gespräch mit Jeanne Rubner:
"Sie haben eine Tochter. Was sagt die eigentlich zu Ihren Thesen?
Sie ist sehr, sehr solidarisch. Ich habe ihr mein Buchmanuskript gegeben und hatte etwas Angst, dass sie mich kritisieren würde. Aber nein. Sie findet es richtig, was ich schreibe. Dabei ist die sehr zufrieden mit ihrem Leben. Sie ist 43, hat einen Job, zwei Kinder.
Waren Sie eine gute Mutter?
Nein – wie die große Mehrheit der Frauen war ich eher eine schlechte Mutter. Wir treffen doch oft Entscheidungen für unsere Kinder, die sich später als falsch herausstellen. Die Mutter, von der wir alle träumen, die ist so rar wie Mozart. Ich kenne nur eine einzige; sie ist ausgeglichen, ihre Kinder sind ausnehmend gut geraten. Das Geheimnis liegt wohl in der richtigen Distanz. Außerdem können wir für das eine Kind eine gute Mutter sein und für das andere eine weniger gute. (...)
Wie muss eine Welt aussehen, in der Frauen nicht benachteiligt sind?
So banal es klingt: Es ist das Prinzip Teilen. Partner müssen ihre Aufgaben teilen. Es ist undenkbar, dass wir weiterhin akzeptieren, dass Männer sich weigern, Verantwortung für die Familie, für den Haushalt zu übernehmen. Darüber müssen wir reden, auch wenn es manchen verstaubt vorkommt. Ich träume seit langem davon, dass ein französischer Präsident eine große, intelligente Rede über die unglaubliche Ungerechtigkeit im Privatleben hält. Ich weiß, dass es schwierig ist, das lässt sich nicht in einer Generation ändern. Und als Frau mag man auch nicht immer zu Hause herumschreien oder dem Mann den Putzeimer in die Hand drücken, das belastet ja das Leben ungemein. Aber wir dürfen es den Männern nicht zu leicht machen. (...)"
Jeanne Rubner, Süddeutsche Zeitung, 28. August 2010


"In Deutschland wäre es undenkbar, dass ein Buch wie Elisabeth Badinters 'Der Konflikt. Die Frau und die Mutter' geschrieben würde. Das liegt nicht nur an der Person der Autorin, einer Intellektuelle, wie man sie hier kaum finden wird: Elisabeth Badinter, Mutter von drei Kindern, Ehefrau des früheren Justizministers Robert Badinter, hat eine brillante akademische Karriere gemacht. Ja mehr noch, ihre Bücher führen die Bestsellerlisten an. Dabei ist sie Aufsichtsratsvorsitzende von Publicis, der von ihrem Vater gegründeten, viertgrößten Kommunikationsagentur der Welt. Im öffentlichen Leben Frankreichs ist sie so etwas wie die Hohepriesterin der republikanischen Werte. So hat sie sich kürzlich für das Verbot der Burka in öffentlichen Räumen eingesetzt. Zu den Werten der Republik gehört für sie der in der Revolution geforderte, im anschließenden terreur verlorene Kampf um die Gleichheit der Geschlechter. In Deutschland gibt es keine weibliche Figur aus der Großbourgeoisie, die mit intellektueller Verve eine derart exponierte Position vertritt. Aber nicht nur das ist bemerkenswert. Ein Buch über den Konflikt zwischen Mutter und Frau könnte man in Deutschland nicht schreiben, weil es diesen Konflikt nicht gibt. (…) Alles, was Badinter in ihrem Buch als ein Drohszenario an die Wand malt, das in Zukunft einmal wahr werden könnte, ist in Deutschland immer schon schlichte Realität."
Barbara Vinken, taz, 28. August 2010


"Der Aufschrei in Frankreich war riesig, als die feministische Philosophin und Soziologin Elisabeth Badinter ihre provokanten Thesen zur 'Tyrannei der Mütterlichkeit' vorstellte. Innerhalb von Tagen an der Spitze der Bestsellerlisten, erregte das Plädoyer gegen die Rückkehr zur Mütterlichkeit als Zentrum weiblicher Identität die Gemüter. Dabei liest sich die Streitschrift eher wie ein Plädoyer gegen deutsche Zustände – denn in Frankreich ist die Begeisterung für das Stillen, für die Aufgabe des Berufs mit der Familiengründung und die Überhöhung des Mythos der Mutterliebe gar nicht so weit verbreitet. Spannend wird daher die Reaktion in Deutschland, wo das Buch 'Der Konflikt. Die Frau und die Mutter' nächste Woche erscheint. (…) Der Werdegang Badinters, der dreifachen Mutter und Professorin, verleiht ihren Thesen besonderen Nachdruck. Als 22-Jährige bekam sie ihr erstes Kind, zusammen mit dem Anwalt und späteren Justizminister Robert Badinter; sie wurde Professorin an der Elitehochschule École Polytechnique und ist Präsidentin des Aufsichtsrates der Kommunikationsfirma Publicis ihres Vaters."
Andrea Nüsse, Der Tagesspiegel, 27. August 2010


"Nach Jahrzehnten der Auseinandersetzung, schreibt Badinter, funktioniere die männliche Herrschaft ungebrochen. 'Nach wie vor teilen sie sich Geld, Macht, Einfluss.' Während die Mädels streiten, was eine gute Mutter ist, wird andernorts Karriere gemacht. (…) Einen Ausweg sieht Badinter in einer Familienpolitik, die Eltern ermöglicht, gleich nach der Geburt die Kinder partnerschaftlich zu versorgen."
Susanne Mayer, Die Zeit, 26. August 2010


'Frauen sind keine Schimpansen'
Die französische Philosophin Elisabeth Badinter über Mutterliebe und Mutterwahn, Rückschritte der feministischen Bewegung und das Streben nach dem perfekten Kind
SPIEGEL: Frau Badinter, Sie haben drei erwachsene Kinder, waren Sie eine gute Mutter?
Badinter: Eine sehr mittelmäßige, wie in Wahrheit die Mehrheit aller Mütter. Ich habe immer versucht, das Maximum zu geben für meine Kinder, aber ich habe aus heutiger Sicht auch vieles falsch gemacht, deshalb würde ich mich als absolut durchschnittliche Mutter bezeichnen.
SPIEGEL: Sie sind eine Anhängerin von Simone de Beauvoir, die die Mutterschaft rigoros ablehnte. Feministin und Mutter – war das für Sie nie ein Widerspruch?
Badinter: Nein, ich wollte diese Kinder, und ich wollte sie schnell hintereinander. (…) Ich gehöre zu dieser Generation von Frauen, die Kinder bekommen haben, ohne das Für und Wider abzuwägen. Das war für mich selbstverständlich. Und ich habe jede dieser drei Schwangerschaften als eine der besten Zeiten meines Lebens in Erinnerung. (…)
SPIEGEL: Sie beschreiben in Ihrem Buch 'Der Konflikt', wie der Druck auf Frauen, die Kinder haben wollen, heute wächst. Es reicht nicht mehr, Mutter zu sein, man sollte eine perfekte Mutter sein, die lange und ausschließlich stillt, die lange beim Kind bleibt, die es optimal fördert.
Badinter: Wir erleben zurzeit eine bedenkliche Entwicklung, einen Rückfall in längst überwundene Zeiten. Auf Französische heißt dieses Phänomen 'l’enfant roi' – das Kind ist der König. (…)
SPIEGEL: Was ist so schlimm am Stillen?
Badinter: Überhaupt nichts, aber ich glaube, es gibt kaum eine intimere und persönlichere Entscheidung. Wenn eine Frau das möchte, wunderbar, wenn sie es nicht möchte, auch gut. Das geht Politiker gar nichts an. (…)
SPIEGEL: Sie empfinden schon die Empfehlung zu stillen als Rückschritt für die Emanzipation der Frau?
Badinter: Noch mal, ich finde es wunderbar, wenn sich eine Frau dafür entscheidet. Aber das sollte freiwillig geschehen. Ich beobachte hier in Frankreich seit einigen Jahren mit großer Sorge eine Bewegung, die ein Zurück zur Natur einfordert und sich dabei als Avantgarde der Moderne empfindet.
Britta Sandberg, Spiegel-Gespräch, Der Spiegel, 23. August 2010


"Die Interessen der Mutter stünden eindeutig hinter denen des Kindes zurück. Die Frauen würden unter Druck gesetzt, möglichst lang zu Hause zu bleiben, zu stillen und waschbare Windeln zu verwenden. Das französische Umweltministerium habe vor zwei Jahren sogar vorgeschlagen, eine Steuer auf Wegwerfwindeln einzuführen, kritisierte Elisabeth Badinter."
21. August 2010, Deutschlandradio Kultur


"Sollte Deutschland seine Zusammenarbeit mit Frankreich in der Familienpolitik verstärken? Glauben Sie, dass die deutsche Normalbürgerin vom französischen Modell überzeugt ist? Ich glaube das nicht. Der Mentalitätswandel wird Zeit brauchen. Ich glaube, es sollte auf keinen Fall zu viel das französische Modell angepriesen werden, das könnte die Deutschen nerven."
Michaela Wiegel im Gespräch mit Elisabeth Badinter, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 25. Juli 2010


Christina Bylow im Gespräch mit Elisabeth Badinter:
"Christina Bylow: Vor kurzem hat die 33-jährige konservative deutsche Familienministerin Kristina Schröder behauptet, der 'frühe Feminismus' habe übersehen, dass 'Partnerschaft und Kinder Glück spenden'. Radikale Feministinnen hätten Homosexualität als Lösung der Benachteiligung der Frau proklamiert. Alice Schwarzer hat sich in einem offenen Brief gegen diese Behauptungen gewehrt. Was halten Sie von dieser Debatte?
Elisabeth Badinter: Alice Schwarzer hatte recht, diese Äußerungen nicht ohne Reaktion durchgehen zu lassen. Das ist eine solche Karikatur des Feminismus, eine wirklich skandalöse Verzerrung. Ich kenne diese Ministerin nicht, aber sie scheint eine alter Anklage in Erinnerung zu rufen – dass feministisch gleich lesbisch sein bedeute und Lesben Frauen seine, die Männer und Kinder hassen. Feministinnen sind Monster! Solche Karikaturen sind inakzeptabel. Es ist notwendig, daran zu erinnern, dass die Frauen der westlichen Länder im 20. und 21. Jahrhundert gerade dem militanten Feminismus ihre Wahlfreiheit verdanken. Erst der Feminismus hat den Frauen die Möglichkeit gegeben, den Moment zu wählen, in dem sie eine Familie gründen oder eben nicht, und zu entscheiden, wie sie als Familie leben. Ich glaube keinen Moment lang, dass Feministinnen in ihrer Gesamtheit gesagt haben, dass Kinder eine Quelle von Unglück sind, und dass man keine Kinder haben soll – das ist lächerlich. Sie haben aber sehr wohl gesagt, dass Kinder zu haben nicht nur Glück, sondern Sorgen und Anstrengungen bedeutet, und dass man dabei auch scheitern kann. Sie haben die Wahrheit gesagt, voilà."
Christina Bylow , Berliner Zeitung, 27. November 2010


"Ihre Streitschrift wird auch Deutschland spalten. (...) Elisabeth Badinter. Sie hat ein Buch geschrieben, das auf die Frage, warum man in Frankreich oder hierzulande nicht mehr Frauen ihres Schlages kennt, eine Antwort gibt. Denn dort wie hier gilt: Die Frau ist dem Mann zwar ebenbürtig. Aber für den Mann ändert sich dadurch nichts. Jetzt, dreißig Jahre später, tritt sie wieder mit einem Werk an, das die gesellschaftliche Stellung der Frauen schonungslos analysiert. Die kämpferische Verve, mit der sie ihrer Sorge Ausdruck verleiht, hat man lange nicht mehr erlebt – weder bei ihr noch bei anderen Autorinnen. Ende August wird 'Le conflit. La femme et la mère' (Der Konflikt. Die Frau und die Mutter) im C.H. Beck Verlag auf Deutsch erscheinen. Das Werk wird, so viel ist sicher, auch hierzulande für Diskussionen sorgen.
Wer hätte gedacht, dass es im Jahr 2010 wieder notwendig sein würde, auf Forderungen der Frauenbewegung der siebziger und achtziger Jahre zu pochen, die längst Konsens sein sollten? Doch offenbar ist das Recht auf Wahlfreiheit, ob eine Frau Mutter sein möchte oder nicht, und wenn ja, wie sie Mutterschaft beruflich und privat gestaltet, ebenso wenig eine Selbstverständlichkeit wie die auch praktische Gleichberechtigung der Geschlechter.
Man sollte sich Elisabeth Badinters zentralen Satz noch mal vergegenwärtigen: 'Das Kind ist der beste Verbündete des Mannes.' Was wäre, wenn sie recht hat?"
Lena Bopp, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. Juli 2010


"Wunderbar aber, das muss gesagt werden, ist an diesem neuen Buch von Badinter die polemische Verve, mit der die Autorin – selber Mutter von drei Kindern! – die absurden Zumutungen dieses Mutterbildes, das sie mit Erschrecken auf dem Vormarsch sieht, herausstreicht. Eines Bildes, das vermutlich den meisten deutschen LeserInnen als das natürlichste der Welt erscheint. Badinters Fazit muss jeder modernen Familienpolitik zu denken geben: Je stärker der Ruf nach der totalen Mutter erklingt, desto weniger Frauen werden tatsächlich Mutter."
Barbara Vinken, Emma, Sommer 2010


"Elisabeth Badinter warnt: Die Freiheit der Frau ist in Gefahr. Denn ein reaktionäres Mutterbild schleiche sich unbemerkt wieder in die Gesellschaft ein. In ihrem neuen Buch geht Badinter den Ursachen dieser wieder erstarkten Ideologie und der Zerrissenheit der Frau auf den Grund."
3sat Kulturzeit, 14. April 2010


"Ganz Frankreich diskutiert ein neues Buch von Elisabeth Badinter. In 'Der Konflikt – Die Frau und die Mutter' beschwört die Grande Dame des französischen Feminismus die Gefahr, die den Frauen von einer neuen Verklärung der Mutterrolle drohe. Von den Kinderpsychiatern bis zu den fundamentalistischen Verfechterinnen des Stillens, von einer Umweltbewegung, die Wegwerfwindeln besteuern will, bis zu den ins uferlose gewachsenen Ansprüchen an die Aufzucht von Kindern sieht Badinter eine unheilige Allianz am Werk: Mit subtilem Druck würden Frauen wieder zu ihrer 'natürlichen' Aufgabe ermuntert und damit zur Rückkehr ins Haus. Dies angesichts der Tatsache, dass heute jede zweite Ehe geschieden wird. Und vor dem Hintergrund einer Wirtschaftskrise, die den Berufsstress erhöht, die Arbeitssuche erschwert und die Lohnungleichheit zwischen Mann und Frau – dieses 'objektivste Thermometer der Gleichberechtigung' – zementiert."
Kathrin Meier-Rust, Neue Zürcher Zeitung, Bücher am Sonntag, 28. März 2010


"Sie ist die einzige Feministin des Landes, die für derartige Skandale sorgt. (...) Badinter ist eine jener Frauen, um die alle Welt Frankreich beneidet, weil sie anscheinend alles mühelos unter einen Hut bekommen, Kinder wie Karriere. (...) Badinter ist, das sei erwähnt, nicht prinzipiell gegen das Stillen. Sie plädiert vielmehr für die Entscheidungsfreiheit und gegen den gesellschaftlichen Druck, der auf junge Mütter ausgeübt wird.
Besonders provokativ wird ihr Buch in dem Augenblick, da sie das ‘unschuldige Baby’ als den neuen Unterdrücker der Frau sieht. Und mehr noch, der Nachwuchs wird, so Badinter, dank der neuen Ideologie des Zurück zur Natur ‘zum besten Alliierten der Unterdrückung durch die Männer’. Auf den ersten Blick wirken ihre Thesen unhaltbar skandalös. Doch auf den zweiten stellt sich die Frage, wie viel Realität in dem Szenario der Elisabeth Badinter steckt. Ehrlicherweise muss man ihr zugestehen, dass von Müttern tatsächlich immer mehr verlangt wird."
Martina Meister, Frankfurter Rundschau, 22. März 2010


Georges Desrues im Gespräch mit Elisabeth Badinter:
Badinter: (…) Aus sozialhistorischen Gründen gibt es in Frankreich weniger Druck und damit auch weniger Schuldgefühle bei Frauen, die Mütter sein und trotzdem arbeiten wollen.
profil: Das hieße, dass dieser Druck in Deutschland und Österreich stärker ist?
Badinter: In jedem Fall. Schon als ich vor dreißig Jahren in Deutschland war, um mein Buch Mutterliebe zu präsentieren, war ich erstaunt, wie viele Frauen sich verwundert, ja schockiert zeigten, dass ich meine drei kleinen Kinder in Frankreich zurückließ. Dieses Bild der Französin als schlechte Mutter ist auch heute noch sehr verbreitet. Hier geht es um ein konträres Mutterbild, das die niedrigen Geburtenraten in Deutschland und Österreich erklärt. Denn wenn eine Frau dem Druck, die perfekte Mutter zu sein, nicht standhält, entscheidet sie sich eben dafür, keine Kinder zu bekommen. Während in Frankreich der Anteil der kinderlosen Frauen seit den siebziger Jahren unverändert bei zehn Prozent liegt, ist er in Deutschland und Österreich doppelt bis dreifach so hoch.
profil: Dennoch orten Sie in Ihrem neuen Buch auch in Frankreich eine neue Gefahr für die Gleichberechtigung der Frau.
Georges Desrues, profil, 8. März 2010


"In Frankreich erzeugt Elisabeth Badinter große Aufregung mit ihrer Kritik am Mutterbild. (…) Die Errungenschaften der Frauenbewegung werden von einer ‚reaktionären Allianz’ aus Muttermilchfanatikern, ‚grünen’ Industriekritikern oder Apologeten einer ‚naturgemäßen’ Erziehung und Ernährung infrage gestellt. Mit dieser These löste Elisabeth Badinter in Frankreich eine neue Feminismusdebatte aus. (…) In zahlreichen Interviews hat sie seit dem Erscheinen ihrer Streitschrift betont, sie habe grundsätzlich nichts gegen die Muttermilch, ihr gehe es vielmehr darum, dass gewisse Kreise das Stillen als das einzig Wahre propagieren."
Rudolf Balmer, taz, 27. Februar 2010


"Nicht nur in Deutschland, auch in Frankreich stoßen zur Zeit zwei Epochen der weiblichen Emanzipation aufeinander. Staub hat hierzulande Alice Schwarzer mit ihrem Unmut über die Äußerungen von Familienministerin Kristina Schröder aufgewirbelt, Furore machte auch ihre Altersgenossin, die Französin Elisabeth Badinter, Professorin an der École polytechnique und Ehefrau von Mitterands Justizminister Robert Badinter, mit ihrem Buch 'Der Konflikt', in dem sie gegen die neue 'Avantgarde der Mutterschaft' polemisiert. Die Familienministerin wäre von Badinter sofort als Repräsentantin dieser Avantgarde entlarvt worden. Badinter hält die Aufwertung von Familienglück und Mutterliebe für ein Mittel, mit dem die konservative Männerwelt Frauen aus dem öffentlichen Leben wieder auszuschalten versucht."
Hannelore Schlaffer, Frankfurter Rundschau, 24. November 2010


"Badinter hat nun den Warnschuss abgefeuert – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Sie provoziert bewusst, um gehört zu werden. Ihr Anliegen ist in erster Linie, die Selbstbestimmung der Frauen zu schützen. In ihrer Streitschrift macht Badinter aber auch deutlich: Richtig oder falsch gibt es beim Thema Mutterschaft nicht. Jede Frau soll für sich selbst entscheiden können – aber Auswahlmöglichkeiten, die müsse man ihr geben! Eine Forderung, die nicht skandalös ist, sondern längst fällig war."
Christine Heckmann, Deutschlandfunk, 22. November 2010


Tanja Stelzer und Stephan Lebert im Gespräch mit Doris Schröder-Köpf:
"Zeit-Magazin:
Die französische Feministin Elisabeth Badinter argumentiert in ihrem Buch 'Der Konflikt. Die Frau und die Mutter', das wichtigste Indiz für den Fortschritt der Gleichberechtigung sei das Schrumpfen des Verdienstunterschieds zwischen Männern und Frauen. Das eigene Geld der Frauen ist der Schlüssel zur Emanzipation.
Schröder-Köpf: Sie hat recht! Eigenes Geld zu haben macht frei – und zwar nicht nur Frauen, sondern Männer ja auch. Der lange Kampf der Gewerkschaften, die ganze Tradition der Sozialdemokratie dreht sich darum: dass man ein gesichertes eigenes Einkommen hat, das nicht beliebig gekürzt oder weggenommen werden darf, weil dieses Einkommen Freiheit und Sicherheit bringt. Dass es noch immer diese Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen gibt, ist eine unglaublich große Diskriminierung. (…)
Zeit-Magazin: Noch mal Elisabeth Badinter: Sie sagt, die Generation der 30-Jährigen heute rechnet mit ihren Müttern ab, die immer so gestresst gewesen seien, weil sie versucht hätten, beruflich ihren Weg zu gehen und trotzdem Kinder zu haben. Die jungen Frauen wollten sich diese Belastung nicht antun und gingen wieder auf Rückzugsposition. Glauben Sie, dass da was dran ist?
Schröder-Köpf: Es stimmt, es ist einfach irrsinnig anstrengend, sowohl körperlich als auch seelisch, wenn man alles machen will. Man muss wahnsinnig diszipliniert sein, um das hinzukriegen. Man darf sich nie treiben lassen, man darf nie einfach mal rumsitzen. Ich kenne das und sehe das auch im Bekanntenkreis, bei den Eltern der Freunde unserer Kleinen, bei Leuten, die wesentlich jünger sind als ich und in diese Generation gehören, was für ein weiges Rennen und Organisieren das ist. Es würde mich nicht wundern, wenn da einige sagen: Das mache ich auf Dauer nicht mit!"
Tanja Stelzer und Stephan Lebert, Zeit-Magazin, 18. November 2010


"(...) Badinters Leistung ist es, Zusammenhänge zwischen Familienpolitik, gesellschaftlichen Modellen und Demographie herzustellen – und das auf sehr überzeugende Weise. Das Buch 'Der Konflikt' ist eine mutige Streitschrift. Sie nimmt die Ideologen des Mutterideals, die Reaktionären im pseudofortschrittlichen Gewand aufs Korn. Die Philosophin bekämpft jede Form von Intoleranz, plädiert dafür, dass alle Lebensmodelle respektiert werden – inklusive einem Leben ohne Kinder.
Manche junge Frauen, die den Kampf gegen Ungleichheit für überholt halten, werden die kämpferische Haltung von Elisabeth Badinter belächeln. Männer, die ihre Frauen am liebsten am Herd sehen, ebenfalls. Die Autorin, Jahrgang 1944, steht zu ihrem Alter und dem Vorwurf, die Emanzipation sei eine altmodische Angelegenheit."
Claire-Lise Buis, WDR 3, 14. November 2010


"Der französischen Rabenmutter geht es vorrangig um sich selbst; in ihrem hedonistischen Lebensplan ist die Sorge ums Kind nur als ein Punkt unter vielen vorgesehen. Genau so ist es aber gut, und so soll es auch bleiben, fordert Badinter in ihrem neuen Buch. Die Autorin hat eine zunehmende Bedrohung des Modells der Raben- oder Teilzeitmutter beobachtet. (…) Die vielfältigen Motive, Bedenken, Mühen und Hoffnungen rund um die Umstände der Mutterschaft sind klug beobachtet und brillant beschrieben. Die Autorin erzählt auch von den Ambivalenzen derjenigen Frauen, die erkennen mussten, dass sie die Mühen der Mutterschaft unterschätzt haben, und von Paaren, die keine Kinder bekommen konnten oder wollten. (…) Mit entsprechenden Betreuungsangeboten kann und muss der Staat helfen, doch das allein ist nicht genug. Letztlich baut Badinter auf die vertrauten Ingredienzien des klassischen Feminismus: Ideologiekritik. Einsicht. Freiheit, dazu eine gesunde Dosis Egoismus. Tatsächlich sind das wohl nicht die schlechtesten Helfer einer Mutter, die sich von Baby-Yoga, Hanf-Mehrfach-Windeln und Ratgebern von der Sorte 'Wie schlafen wir richtig?' belagert sieht."
Hilal Sezgin, Literaturen, Oktober/November 2010


"Der Konflikt, der im Inneren der Frau zwischen ihrer Rolle als Mutter und jener als Frau tobt, werde durch die Erwartungen an die perfekte Mutter auf die Spitze getrieben. Das Kernstück dieser Mutterschaft bildet das Stillen. Hier läuft Elisabeth Badinter sowohl wissenschaftlich als auch stilistisch zu Höchstformen auf (...). Den Argumenten von Stillanhängerinnen, die die Muttermilch zu einem übernatürlichen Elixier stilisieren und ihr fast magische Wirkung zuschreiben, begegnet Badinter mit viel Ironie und einer gesunden Portion Sarkasmus. In jener hochemotionalen Debatte um das psychische Gleichgewicht von Kind und Mutter tritt eine rationale Wissenschaftlerin auf den Plan und hält den Argumenten der Stillverfechterinnen wissenschaftliche Studien entgegen. Elisabeth Badinter ist die erste ernst zu nehmende Stimme, die daran erinnert, worum es hier geht: um den Körper einer Frau. Sie fordert schlicht und einfach, dass die Brüste der Mutter in der Verfügungsgewalt der Frau liegt."
Anna-Katharina Laggner, ORF-Hörfunk, 29. Oktober 2010