Fünf Fragen an Susanna Partsch

Warum gehen Sie gern ins Museum, haben Sie ein Lieblingsmuseum?

Susanna Partsch: Ich gehe gerne ins Museum, weil sich dort die Gelegenheit bietet, viele Kunstwerke aus verschiedenen Zeiten zu sehen, sie zu vergleichen und durch die Hängung, die sich auch immer mal wieder ändern kann, neue Zusammenhänge zu entdecken. Ein Lieblingsmuseum habe ich nicht, jedes Museum entfaltet einen eigenen Charme, sei es durch die Vielfalt dessen, was dort geboten wird oder durch seine spezielle Ausrichtung. Aber mein Lieblingscafé befindet sich im Innenhof der Glyptothek in München.

Was können Kinder im Museum erleben bzw. lernen?

Ein Museum öffnet immer Türen zu einer neuen Welt, in der es unendlich viel zu entdecken gibt. Die Geschichte auf einem Bild oder die Geschichte hinter einem Bild. Was alles kann mir so ein Bild erzählen? Kunstwerke regen immer die Phantasie an, aber das ist bei Erwachsenen nicht anders als bei Kindern. Die haben nur noch keinen verstellten Blick, gehen unbefangener an die Betrachtung eines Kunstwerks heran und sehen, wenn sie noch klein sind, keinen Unterschied zur Realität.

<p><span>© Foto: Andreas Gregor</span></p>

© Foto: Andreas Gregor

Susanna Partsch ist promovierte Kunsthistorikerin und Autorin zahlreicher Bücher für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
Für ihren Bestseller Haus der Kunst. Ein Gang durch die Kunstgeschichte von der Höhlenmalerei bis zum Graffiti erhielt sie 1998 den Deutschen Jugendliteraturpreis.

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Sie haben ein Buch über Moderne Kunst („Wer hat Angst vor Rot, Blau, Gelb?“) und eins über die Alten Meister („Schau mir in die Augen, Dürer!“) geschrieben. Wie unterscheidet sich für Sie die Betrachtung von „alter“ und „moderner“ Kunst?

Eigentlich gar nicht. Jedes Kunstwerk kann man einfach für sich betrachten oder aber in die Zeit einbetten, in der es entstanden ist. Ob das nun 500 Jahre, 100 Jahre oder nur 50 Jahre her ist, spielt höchstens insofern eine Rolle, als man selbst an den 50 Jahren näher dran ist. Das kann aber auch ein Hinderungsgrund bei dem Versuch sein, objektiv zu bleiben. Das ist bei Kunst ohnehin schwierig, denn jede Kunstbetrachtung bleibt subjektiv.

Wird das Original-Kunstwerk im Zeitalter der Digitalisierung noch von Bedeutung sein?

Ja, unbedingt, denn nur vor dem Original erfasse ich die Größe eines Kunstwerks, sehe bei einem Bild, ob die Farben dick oder dünn aufgetragen sind, rieche sie vielleicht auch. Erfasse bei einer Skulptur das Material, denn es ist ein großer Unterschied, ob sie aus Holz, Stein oder Metall besteht und wie dieses Material dann bearbeitet wurde. Trotz Digitalisierung erkennt man vieles eben doch nur am Original.

Wie könnten Sie jemanden umstimmen, der sagt: „Ich interessiere mich nicht für Kunst, damit kann ich nichts anfangen!“, was würden Sie ihm raten?

Ich weiß gar nicht, ob ich ihn umstimmen will. Ich interessiere mich auch nicht für alles und verweigere mich bestimmten Massenbegeisterungen wie Fußballweltmeisterschaften.