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Brechenmacher, Thomas

Der Vatikan und die Juden

Geschichte einer unheiligen Beziehung vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart

Thomas Brechenmacher erzählt die Geschichte der schwierigen, ja tragischen Beziehung zwischen Vatikan und Juden von der Einrichtung des römischen Ghettos im 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Die lebhaft diskutierten Fragen nach dem Antisemitismus einiger Päpste und nach dem „Schweigen“ Pius’ XII. zum Holocaust erscheinen in dieser zeitlich weit zurückreichenden Perspektive, die bisher immer ausgeblendet wurde, aber auch durch zahlreiche Quellenfunde in den Vatikanischen Geheimarchiven in neuem Licht.

Das Verhältnis der katholischen Kirche zu den Juden war über Jahrhunderte theologisch genau geregelt. Die Päpste erfüllten gegenüber Juden und Christen eine doppelte Schutzverpflichtung: Sie hatten einerseits die Christen vor „verderblichem Einfluß“ der Juden, andererseits die Juden vor Übergriffen durch die Christen zu schützen. Seit dem 16. Jahrhundert wurde diese „doppelte Schutzherrschaft“ jedoch immer einseitiger zuungunsten der Juden gewichtet, je mehr sich die katholische Kirche durch Reformation, Aufklärung und Moderne in die Defensive gedrängt sah. Der dogmatische Anspruch, die Juden zu beschützen, und das tatsächliche, gegen die Juden gerichtete Handeln klafften immer weiter auseinander. Die Kirche wurde schließlich anfällig für den Antisemitismus. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg und dem nationalsozialistischen Judenmord fand sie auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil zu einem neuen Verhältnis zu den Juden und zum Staat Israel.


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Bibliografie

978-3-406-52903-0

Erschienen am 01. Juni 2011

Statt 24,90 € jetzt nur noch 9,95 €

326 S., mit 9 Abbildungen

Hardcover

Schlagwörter

Hardcover 9,95 € Kaufen
Inhalt
Einleitung

1. Die Christen vor den Juden schützen – die Juden vor den Christen schützen

2. Jüdisches Leben unter päpstlicher Herrschaft (16. bis 18. Jahrhundert)

3. Politische Konzepte für den Umgang mit Juden (18. und 19. Jahrhundert)

4. Verweigerte Emanzipation. Die reale Politik gegenüber den Juden (19. Jahrhundert)

5. Konversionen, Zwangstaufen und ein entführtes Kind

6. Antijudaismus oder Antisemitismus? Unterscheide und Übergänge nach 1870

7. «Geistlich sind wir Semiten». Die Herausforderung durch den Rassenantisemitismus der Zwischenkriegszeit

8. Geschwiegen oder gehandelt? Pius XII., der Zweite Weltkrieg und der Holocaust

9. Kleine Schritte. Anfänge des christlich-jüdischen Dialogs nach 1945

10. Päpste, Zionismus, Israel: Schlaglichter: 1904–1964

11. Juden als «ältere Brüder». Das Zweite Vatikanische Konzil

Rückblick und Ausblick
Dank

Anhang
Anmerkungen
Bildnachweis
Quellen
Literaturhinweise
Personenregister

Pressestimmen

Pressestimmen

"So wechselhaft und zwiespältig die christlich-jüdische Verwandtschaft römischer Päpste durch die Jahrhunderte bewegt hat, so spannend und oft überraschend ist das bislang wohl objektivste und gründlichste Buch zu diesem umstrittenen Thema. Fast ein Jahrzehnt konnte es der Historiker in den langen geheimen (jetzt bis zum Jahr 1939 geöffneten) Vatikan-Archiven erforschen. Nun enthüllt er jene »doppelte Schutzherrschaft« mit der die kirchenstaatlichen Herrscher – vor allem im Mittelalter – ihre jüdischen Untertanen einerseits herabwürdigten, um Christen vor verderblichem Einfluß zu bewahren, andererseits grausamer Verfolgung – auch die Ghettos – entzogen."
Hansjakob Stehle, Die Zeit, 8. Dezember 2005



"Der diesem Modell innewohnende Antijudaismus bekam laut Brechenmacher nach der Französischen Revolution immer mehr Gewicht. Im Kirchenstaat gab es für die Juden keine Emanzipation, wohl aber Konversionen und Zwangstaufen. Der Historiker zeigt, dass sich das Konzept der Schutzherrschaft zunehmend einseitig gegen die Juden richtete, je mehr sich die Kirche durch Reformation und Aufklärung in die Defensive gedrängt sah. Der Antijudaismus gehörte zur aggressiv verzweifelten Abwehrstrategie der Kirche gegen die Moderne. (...) Allerdings: Brechenmacher betont zu Recht, dass die beiden Pius-Päpste, die während der Zeit des Nationalsozialismus regierten, keine Antisemiten waren."
Michael Meier, Tagesanzeiger, 14. Juni 2005



"Dieses Buch ist eine sorgfältige Langzeitanalyse der Entwicklung des päpstlichen Verhältnisses zu den Juden, die in der Spätantike ansetzt, rasch zur frühen Neuzeit übergeht und nach ausführlicher Schilderung des Lebens im damaligen römischen Ghetto den Zeitraum vom ausgehenden achtzehnten Jahrhundert bis zur Gegenwart besonders gründlich behandelt. (...)
Brechenmacher weiß zu allem eine Fülle spannender Details aus den Quellen zu berichten."
Wolfgang Reinhard, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. März 2005



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Bibliografische Reihen

Bibliografie

978-3-406-52903-0

Erschienen am 01. Juni 2011

Statt 24,90 € jetzt nur noch 9,95 €

326 S., mit 9 Abbildungen

Hardcover

Hardcover 9,95 € Kaufen

Brechenmacher, Thomas

Der Vatikan und die Juden

Geschichte einer unheiligen Beziehung vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart

Thomas Brechenmacher erzählt die Geschichte der schwierigen, ja tragischen Beziehung zwischen Vatikan und Juden von der Einrichtung des römischen Ghettos im 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Die lebhaft diskutierten Fragen nach dem Antisemitismus einiger Päpste und nach dem „Schweigen“ Pius’ XII. zum Holocaust erscheinen in dieser zeitlich weit zurückreichenden Perspektive, die bisher immer ausgeblendet wurde, aber auch durch zahlreiche Quellenfunde in den Vatikanischen Geheimarchiven in neuem Licht.

Das Verhältnis der katholischen Kirche zu den Juden war über Jahrhunderte theologisch genau geregelt. Die Päpste erfüllten gegenüber Juden und Christen eine doppelte Schutzverpflichtung: Sie hatten einerseits die Christen vor „verderblichem Einfluß“ der Juden, andererseits die Juden vor Übergriffen durch die Christen zu schützen. Seit dem 16. Jahrhundert wurde diese „doppelte Schutzherrschaft“ jedoch immer einseitiger zuungunsten der Juden gewichtet, je mehr sich die katholische Kirche durch Reformation, Aufklärung und Moderne in die Defensive gedrängt sah. Der dogmatische Anspruch, die Juden zu beschützen, und das tatsächliche, gegen die Juden gerichtete Handeln klafften immer weiter auseinander. Die Kirche wurde schließlich anfällig für den Antisemitismus. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg und dem nationalsozialistischen Judenmord fand sie auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil zu einem neuen Verhältnis zu den Juden und zum Staat Israel.

Webcode: https://www.chbeck.de/12873

Inhalt

Einleitung

1. Die Christen vor den Juden schützen – die Juden vor den Christen schützen

2. Jüdisches Leben unter päpstlicher Herrschaft (16. bis 18. Jahrhundert)

3. Politische Konzepte für den Umgang mit Juden (18. und 19. Jahrhundert)

4. Verweigerte Emanzipation. Die reale Politik gegenüber den Juden (19. Jahrhundert)

5. Konversionen, Zwangstaufen und ein entführtes Kind

6. Antijudaismus oder Antisemitismus? Unterscheide und Übergänge nach 1870

7. «Geistlich sind wir Semiten». Die Herausforderung durch den Rassenantisemitismus der Zwischenkriegszeit

8. Geschwiegen oder gehandelt? Pius XII., der Zweite Weltkrieg und der Holocaust

9. Kleine Schritte. Anfänge des christlich-jüdischen Dialogs nach 1945

10. Päpste, Zionismus, Israel: Schlaglichter: 1904–1964

11. Juden als «ältere Brüder». Das Zweite Vatikanische Konzil

Rückblick und Ausblick
Dank

Anhang
Anmerkungen
Bildnachweis
Quellen
Literaturhinweise
Personenregister

Pressestimmen

"So wechselhaft und zwiespältig die christlich-jüdische Verwandtschaft römischer Päpste durch die Jahrhunderte bewegt hat, so spannend und oft überraschend ist das bislang wohl objektivste und gründlichste Buch zu diesem umstrittenen Thema. Fast ein Jahrzehnt konnte es der Historiker in den langen geheimen (jetzt bis zum Jahr 1939 geöffneten) Vatikan-Archiven erforschen. Nun enthüllt er jene »doppelte Schutzherrschaft« mit der die kirchenstaatlichen Herrscher – vor allem im Mittelalter – ihre jüdischen Untertanen einerseits herabwürdigten, um Christen vor verderblichem Einfluß zu bewahren, andererseits grausamer Verfolgung – auch die Ghettos – entzogen."
Hansjakob Stehle, Die Zeit, 8. Dezember 2005


"Der diesem Modell innewohnende Antijudaismus bekam laut Brechenmacher nach der Französischen Revolution immer mehr Gewicht. Im Kirchenstaat gab es für die Juden keine Emanzipation, wohl aber Konversionen und Zwangstaufen. Der Historiker zeigt, dass sich das Konzept der Schutzherrschaft zunehmend einseitig gegen die Juden richtete, je mehr sich die Kirche durch Reformation und Aufklärung in die Defensive gedrängt sah. Der Antijudaismus gehörte zur aggressiv verzweifelten Abwehrstrategie der Kirche gegen die Moderne. (...) Allerdings: Brechenmacher betont zu Recht, dass die beiden Pius-Päpste, die während der Zeit des Nationalsozialismus regierten, keine Antisemiten waren."
Michael Meier, Tagesanzeiger, 14. Juni 2005


"Dieses Buch ist eine sorgfältige Langzeitanalyse der Entwicklung des päpstlichen Verhältnisses zu den Juden, die in der Spätantike ansetzt, rasch zur frühen Neuzeit übergeht und nach ausführlicher Schilderung des Lebens im damaligen römischen Ghetto den Zeitraum vom ausgehenden achtzehnten Jahrhundert bis zur Gegenwart besonders gründlich behandelt. (...)
Brechenmacher weiß zu allem eine Fülle spannender Details aus den Quellen zu berichten."
Wolfgang Reinhard, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. März 2005