<p style="text-align: center;"><span>© Bogenberger Autorenfotos</span></p>

© Bogenberger Autorenfotos

Wer ist Navid Kermani – und wenn ja, wie viele? Richard David Prechts Frage ist bei dem Orientalisten, Schriftsteller, Dramaturgen, Reisenden und öffentlichen Intellektuellen aus Köln nur allzu berechtigt. Navid Kermani hat mit „Gott ist schön“ die Koranforschung geprägt, wurde als „begnadeter Reporter“ (Deutschlandfunk) gefeiert und hat mit Betrachtungen christlicher Bilder in „Ungläubiges Staunen“ seinen schärfsten Kritikern Respekt abgenötigt. Seine Romane erscheinen bei Hanser, die Sachbücher bei C.H.Beck. Aber was heißt hier „Literatur“ oder „Sachbuch“? Der Roman „Dein Name“ ist ein Maschinenraum des Lebens und Schreibens, aus dem Reportagen, politische Stellungnahmen, literaturwissenschaftliche Reflexionen, Nachrufe und eine erstaunliche Lebensbeschreibung des eigenen Großvaters hervorgehen. Es gibt viele Navid Kermanis, aber wer seine Reden hört oder liest, erlebt den einen Kermani, der auf unnachahmliche Weise verschiedene Töne anschlägt und dabei stets sich selbst, seinem Anliegen und seinen Adressaten treu bleibt – gerne auch im Dissens.

1. Was haben Sie in Ihrem Studium fürs Leben gelernt?
Daß man die Überforderung nicht scheuen soll (war allerdings auch Geisteswissenschaft vor Bologna).
 

2. Wie haben Sie Ihr erstes eigenes Geld verdient?
Artikel für die Lokalzeitung.

 

3. Ein großes "Beinahe" in Ihrem Leben?
Beinah wäre ich schwer verunglückt, als der Taxifahrer 2011 auf der nächtlichen Fahrt zum Teheraner Flughafen einschlief. Zum Glück wachte ich in der richtigen Sekunde auf.
 

4. Der beste Ort der Welt, der beste Ort in Köln?
Die Küste, das Ufer. 

 

5. Welche Künstler beeindrucken Sie?
Die sich radikal auf ihre Kunst konzentrieren.

 

6. Welche Eigenschaften schätzen Sie an einem Menschen am meisten?
Güte.  
 

7. Ihr liebstes Smalltalk-Thema?
Fußball.

8. Welcher Illusion geben Sie gerne hin?
Daß der 1. FC Köln nochmal groß rauskommt.

 

9. Welche Zeitungen, Magazine, Blogs lesen Sie?
Täglich die FAZ.

 

10. Ihre Lieblingsbuchhandlung?
Die um die Ecke.
 

11. Ihr Lieblingsmuseum?
Das Museum Kolumba in Köln.
 

12. Was wollten Sie als Kind werden?
Astronaut.
 

13. Ihr Lieblingskritiker?
Wolfram Schütte.
 

14. Welches Buch möchten Sie gern noch schreiben?
Ein Buch auch für meine jüngere Tochter.


15. Woran zweifeln Sie am meisten?
Am Sinn.


16. Was ist für Sie das größte Unglück?
Das Unglück der eigenen Kinder. 


17. Was bedeutet Schreiben für Sie?
Zu leben.

 

 

17 aus 63: Hier finden Sie alle 63 Fragen

Wenn ein Buch weder Vergangenheit noch Jenseits kennt, ferne Vergangenheit, meine ich, die über das individuelle Gedächtnis hinausreicht, und Jenseits in dem allgemeinen Sinne, daß es mehr gibt, als was der Mensch auf Erden sieht, wenn ein Buch sich weder in eine Tradition fügt noch sich unter den Himmel stellt, sondern einzig das Ringsherum zählt, fehlt etwas oder sogar das Entscheidende.