Anousch Mueller, 1979 in Erfurt geboren, studierte Jüdische Studien und Neuere Deutsche Literatur. Als Journalistin schrieb sie für die Jüdische Zeitung, die Süddeutsche Zeitung, die Welt und die Berliner Zeitung. 2013 erschien ihr Debütroman "Brandstatt", der mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung für das beste deutschsprachige Debüt des Jahres ausgezeichnet wurde. Im selben Jahr las sie bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt.

© C.H.Beck - Foto: Marlen Mueller

1. Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Mit Theaterspielen.

 

2. Wie sieht ein gelungener Tag in Ihrem Leben aus?

Ein Tag, an dem ich über Stunden hinweg so konzentriert und intensiv gearbeitet habe, dass ich hinterher fix und fertig bin. Gelingt mir nur selten.

 

3. Was nehmen Sie sich immer wieder vor?

Früher ins Bett zu gehen. Klappt nie.

 

4. Was ertragen Sie nur mit Humor?

Mein Leben. Ist so.

 

5. Ein großes „Beinahe“ in Ihrem Leben?

Ich wäre drei Mal beinahe ertrunken. Außerdem wäre ich vor vielen Jahren beinah nach Israel gegangen.

 

6. Welche Eigenschaften schätzen Sie an einem Menschen am meisten?

Reflektiertheit. Es ist die zentrale Aufgabe im Erwachsenenleben, sich zu reflektieren: Gefühle, Verhalten, Entscheidungen. Wer das tut, bringt erfahrungsgemäß auch andere angenehme Eigenschaften mit wie Ehrlichkeit, Nachsicht, Selbstironie.

 

7. Welcher Illusion geben Sie sich gerne hin?

Dass ich alles, was ich im Leben verpasst habe, noch aufholen kann.

 

8. Ihr Lieblingswort?

Zuneigung

 

9. Welche drei Geister würden Sie gern zum Dinner einladen?

Ach, alle meine Toten. Wie schön wäre es, sie noch einmal um den Tisch zu versammeln. Auch wenn ich sie nicht wieder gehen lassen wollte.

 

10. Was würde niemand von Ihnen vermuten?

Dass ich ein gutes Ballgefühl habe.

 

11. Ihr Motto?

„Zeige deine Wunde.“ Dieser Titel einer Installation von Joseph Beuys begleitet mich schon seit meiner Jugend. Die Offenlegung von Verletzungen und Schmerzen – seelischen wie körperlichen - ist für mich die Voraussetzung für zweierlei: für tiefe Verbindungen zu anderen Menschen. Und für den künstlerischen Prozess.

 

12. Was inspiriert Sie?

Melancholische, düstere Texte, Musik, Kunstwerke.

 

13. Was ist für Sie das größte Glück?

Mutter zu sein. Auch wenn damit jegliche Unbeschwertheit für immer dahin ist.

 

14. Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Alle Fehler, die ich selber habe. Wir sind nun mal Mängelwesen. Und solange niemand absichtlich verletzt, bin ich recht tolerant.

 

15. Welche Hoffnung haben Sie aufgegeben?

Dass ich in den britischen Hochadel einheiraten werde.

 

16. Was bedeutet das Schreiben für Sie?

Es ist einfach alles, was ich in die Waagschale zu werfen habe.

 

17. Wenn Sie ein zweites Leben führen könnten, wie sähe dieses aus?

Frei von allen existentiellen Nöten in einem Cottage leben und täglich stundenlang mit zwei Jagdhunden in den Highlands umherziehen.