Joseph-Breitbach-Preis 2026 geht an Jochen Schmidt

Joseph-Breitbach-Preis 2026 geht an Jochen Schmidt

Die Stiftung Joseph Breitbach und die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz zeichnen den Schriftsteller Jochen Schmidt für sein literarisches Gesamtwerk mit dem Joseph-Breitbach-Preis 2026 aus. Der Preis ist mit 50.000 Euro dotiert. Die feierliche Verleihung findet am 18. September 2026 in Koblenz statt, der Geburtsstadt von Joseph Breitbach.

Jochen Schmidt ist einer der großen Alltagserkunder in derdeutschsprachigen Literatur. Seit er die Lesebühne ›Chaussee der Enthusiasten‹ mitbegründete, ist die gesprochene Sprache ein Hauptreservoir seiner Autorschaft, ganz in der Tradition humoristischen Erzählens in der deutschen Literatur. In seinem seit Jahrzehnten ständig wachsenden Werk lauscht er der unablässig verschwindenden
Gegenwart ihre Obsessionen, Illusionen und Ängste ab. Mit nicht nachlassender Energie spürt er als leidenschaftlicher Lexikograph den allgegenwärtigen, den verblassten und verblassenden Redewendungen nach und inspiziert das Sortenlager von Objekten und Alltagsgeräten zwischen Ausrangiertem und neuester Technologie. In der Kurzprosa seiner Zeitungskolumnen und Blogtexte wie in den Erzählungen und Romanen, aber auch in seinen essayistischen Kommentaren zur Weltliteratur, ob sie Gontscharows ›Oblomow‹ vor Augen stellen oder sich dem Experiment täglicher Proust-Lektüre aussetzen, sind seine Ich-Figuren in ihrem Hier und Jetzt verankert. Eben dadurch tritt der Echoraum hervor, in dem sie stehen. Die literarische Wünschelrute Jochen Schmidts ist auf das sprechende Detail geeicht, das in der Wahrnehmung oder der Erinnerung hervortreten kann. So ist in seinem
Werk ebenso unaufdringlich wie unverkennbar die Zeitgeschichte enthalten, von Nationalsozialismus und Krieg über den Widerschein der Bundesrepublik und ihrer Warenwelt in der ostdeutschen Kindheit bis zur alltagsprägenden Dynamik der Digitalisierung und den Imperativen der Selbstoptimierung, gegen die ihr Autor und seine Figuren sanft, aber beharrlich rebellieren.

Begründung der Jury

Foto Jochen Schmidt


Foto (c) Michael Bräuer

Jochen Schmidt, 1970 in Berlin geboren, hat Romanistik studiert und Auslandsaufenthalte in Brest, Valencia, Rom, New York und Moskau verbracht.

Veröffentlichungen u.a. ›Triumphgemüse‹ (2000); ›Müller haut uns raus‹ (2002); ›Schmidt liest Proust‹ (2008); ›Dudenbrooks‹ (2011); ›Schneckenmühle‹ (2013); ›Zuckersand‹ (2017); ›Ein Auftrag für Otto Kwant‹ (2019); ›Ich weiß noch, wie King Kong starb‹ (2021); ›Phlox‹ (2022); ›Zu Hause an den Bildschirmen‹ (2023); ›Hoplopoiia‹ (2025). Er wurde mit verschiedenen Preisen, Arbeits- und Werkstipendien ausgezeichnet, zuletzt erhielt er den Stahl-Literaturpreis der Stahlstiftung Eisenhüttenstadt.

17aus63: Der C.H.Beck-Fragebogen

Joseph-Breitbach-Preis
Nach dem Willen des am 9. Mai 1980 in München verstorbenen Schriftstellers Joseph Breitbach, der in Koblenz geboren wurde und in Paris gelebt hat, verleiht die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz gemeinsam mit der Stiftung Joseph Breitbach alljährlich einen Literaturpreis, den Joseph-Breitbach-Preis der Akademie . Mit diesem Preis sollen deutschsprachige Werke aller Literaturgattungen ausgezeichnet werden.
Der Preis wird seit 2003 in der Geburtsstadt Joseph Breitbachs, in Koblenz, verliehen und ist mit 50.000 Euro dotiert.

Bisherige Preisträger:innen sind u.a. Frank Witzel, Anne Weber, Nora Bossong, Arno Geiger, Navid Kermani, Jenny Erpenbeck und Ursula Krechel.